Joachim Hunold: „So eine Art Paris Hilton mit Niveau”

Joachim Hunold: „So eine Art Paris Hilton mit Niveau”

Die Laudation von Postillon Joachim Hunold auf die neue Ordensritterin Gloria Fürstin von Thurn und Taxis im Wortlaut.

Ich bin der Achim von der Post: Klein das Salär und schmal die Kost. Obwohl ich schufte ohne Ende, wie man sieht, selbst am Wochenende. Mein Job ist oftmals eine Qual, nur heute ist mir das egal.

Denn heute, hier beim AKV, bring ich die Post für eine Frau, die reich und schön ist und charmant, von blauem Blut und weltbekannt. Für solche Kunden - ohne Hohn - schuft´ ich auch unter Mindestlohn!

Ich bin nur kurz vorbeigekommen, um ein paar Telegramme zuzustellen. Glückwunschtelegramme. Für I.D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis.

Jaaa, eine Adelige! Ich kann mir vorstellen, was einigen von Ihnen jetzt durch den Kopf geht: Sie denken vermutlich, beim Adel, die können ihren Stammbaum zurückverfolgen, bis zu denen die noch draufsaßen. Aber oft ist es ja so, wie bei den Kartoffeln - manche von denen liegen unter der Erde!

Das mag hin und wieder stimmen. Aber nicht bei den von Thurn und Taxis. Die sind anders. Und zu denen habe ich als Postillon natürlich auch eine ganz besondere Beziehung. Denen verdanke ich schließlich meinen Job!

Denn - wie Sie vielleicht wissen - die Thurn und Taxis haben die Post erfunden. Ja, liebe PISA-Schüler, das waren die Thurn und Taxis - nicht die Gebrüder Gottschalk!

Die von Thurn und Taxis haben nämlich schon sehr früh einen Kurierdienst organisiert. Und darin waren sie so gut, dass Kaiser Mathias I. sie zu Generalpostmeistern ernannte. Das war im Jahr 1615 - also so kurz nachdem damals der Lokführer-Streik begann...

1867 hat dann aber Bismarck die Post verstaatlicht. Nun mussten die Thurn und Taxis natürlich für den Verlust entschädigt werden. Bismarck fackelte nicht lange und hat zum Ausgleich - nichts bezahlt. Wir können also festhalten: Die Regierenden von damals handelten nach den gleichen Prinzipien wie die von heute: Sie betrieben die Umverteilung von Dingen, die ihnen nicht gehörten!

Im letzten Jahrhundert wurde es dann sehr ruhig um das Haus Thurn und Taxis. Kein Mensch hat mehr von ihnen gesprochen. Sie müssen sich gefühlt haben, wie die SPD in Bayern!

Doch dann sah man plötzlich Licht am Ende des Waldes. Rettung nahte, und zwar in Gestalt von Mariae Gloria Ferdinanda Franziska Joachima Josefine Wilhelmine Huberta.

Nein, das sind nicht die Namen der Töchter von Ursula von der Leyen. Das sind die Vornamen der Fürstin, die am 23. Februar 1960 in Stuttgart-Degerloch geboren wurde. (Aus Stuttgart kommen und bei den Bayern das Glück finden, ...das muss nicht bei jeder blonden Diva klappen, lieber Jürgen Klinsmann.)

Weil der Vater Auslandkorrespondent war, verbrachte Gloria Ihre Kindheit erstmal im afrikanischen Somalia. 1970 kehrte sie nach Deutschland zurück, und zwar nach Meckenheim bei Bonn. Hier entwickelte sich dann auch Glorias rheinischer Humor. Und den konnte man ihr auch nicht mehr austreiben, als sie aufs Mädcheninternat Kloster Wald am Bodensee ging.

1979, mit gerade mal 19, traf sie zum ersten Mal den späteren Fürsten Johannes von Thurn und Taxis. Der Mann war ein Lebemann im besten Sinne des Wortes und ein Spaßvogel par Excellence. Und es sollte auch nicht lange dauern, bis die beiden Spaß miteinander hatten.

Trotzdem, 34 Jahre Altersunterschied, da haben sich natürlich einige gefragt, wieso heiraten die? Ich kann es Ihnen sagen: Es war die alte Binsenwahrheit von den Gegensätzen, die sich anziehen: Sie war jung - und er war es nicht! Im November 1980 wurde bereits Tochter Maria Theresia geboren.

Unmittelbar nach der Geburt begannen dann die wilden Jahre der Fürstin. Ihre Durchlaucht stürzte sich ins Partyleben. Sie war damals im Prinzip so eine Art Paris Hilton mit Niveau.

Mit ihrem Outfit wirkte sie, wie Pippi Langstrumpf unter den Blaublütlern. Bis heute ist sie in allen bisher produzierten „Wetten, dass...”-Sendungen der einzige Gast, der noch verrückter gekleidet war als Thomas Gottschalk!

Und was ihre damaligen Frisuren angeht: Liebe Kids hier im Saal und Zuhause an den Bildschirmen: Fürstin Gloria ist das Original - nicht Bill von Tokio Hotel!

Ihre Durchlaucht sah schon schrill aus, damals. Ich will gar nicht erst mutmaßen, was passiert wäre, wenn sie zu dieser Zeit Kurt Beck auf einem Weihnachtsmarkt begegnet wäre...

Die Fürstin hat zwar mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen, aber sie kann sich immer noch gut an die wilde Zeit und die vielen Partys erinnern - im Gegensatz zu Ferdinand Piech...

Mit 30 wurde Sie dann erwachsen. Sie beendete ihre Verkleidungskarriere und entließ ihren Friseur. Dann machte sie einen BWL-Crashkurs und sanierte das Thurn-und-Taxis-Imperium. Von da an war sie in erster Linie Managerin.

Sie wissen, ein Manager ist jemand, der sich Strom und Gasheizung leisten, und trotzdem voll tanken kann!

Fürstin Gloria jedenfalls ist nicht nur eine knallharte Geschäftsfrau, sondern sie hat auch ihre weiche Seite entdeckt - und zwar noch vor Hillary Clinton!

Sie unterstützt zahlreiche soziale Einrichtungen. Und sie engagiert sich als Schirmherrin zweier guter Zwecke. Zum einen versorgt die fürstliche Notstandsküche täglich 300 Not leidende Menschen in Regensburg mit warmen Mahlzeiten. Und zum Anderen hat sie in den letzten Jahren mit ihrer Erbschaftssteuer dafür gesorgt, dass der bayrische Staatshaushalt auf Jahre ausgeglichen ist!

Seit ihr Sohn Albert die Leitung des Familienkonzerns übernommen hat, hat Gloria auch wieder Spaß an öffentlichen Auftritten. Deshalb hat sie wohl auch bei den Regensburger Festspielen im „weißen Rössl” die Rolle des beim Volke beliebten Kaisers Franz Joseph übernommen. Gerüchte besagen, dass sie sich beim Kampf um die Rolle gegen Gabriele Pauli und Edmund Stoiber durchsetzen musste.

Auch als „Knigge-Autorin” hat die Fürstin von sich reden gemacht. „Unsere Umgangsformen. Die Welt der guten Sitten von A-Z” heißt ihr Benimmbuch. Und in einem Interview hat sie gesagt, dass es einem heutzutage schon positiv auffällt, wenn mal jemand die Tür aufhält. Und auch da hat sie recht: Wenn heutzutage ein Mann einer Frau die Autotür aufhält, dann ist entweder das Auto neu - oder die Frau!

Tja, Kataloge darüber, wie sich junge Leute benehmen sollen sind ja in neuester Zeit wieder schwer in Mode gekommen. Wobei es da schon gewaltige Unterschiede gibt: Der Anstandskatalog aus Regensburg hat Niveau - die aktuelle Ausgabe aus Hessen hat eher Stammtischniveau!

Apropos guter Geschmack und gute Sitten: Fürstin Gloria hat vor ein paar Wochen gesagt, dass es sich für ein katholisches Haus nicht schickt, Paare einzuladen, die zum zweiten Mal verheiratet sind. Scheidung ist für sie okay, aber wieder heiraten bleibt ein Tabu. Das erklärt natürlich, warum ich und viele von Ihnen noch nie von Ihrer Durchlaucht eingeladen wurden!

Selbst für Monsieur Sarkozy ist es leichter, auf den Mond zu kommen als auf ihr Schloss nach St. Emmeram.

Sie sehen schon, die Fürstin ist eine überzeugte Katholikin. Sie hat mit ihren Gebeten auch dafür gesorgt, dass Kardinal Ratzinger Papst wurde! Allerdings mit der Versteigerung seines alten Golfs hatte sie nichts zu tun...

Unseren letzten Papst, Johannes Paul II., hat Fürstin Gloria einmal als „Vorreiter für die Frauenrechte” bezeichnet. Weil der gesagt hat, dass der Mann die Frau ehren und lieben und sie auf dem Silbertablett durchs Leben tragen soll. Das gefällt einer Frau natürlich. Denn wenn der Mann das aus irgendwelchen Gründen nicht mehr tut, hat man wenigstens noch das Silbertablett zum Versteigern. Gloria hätte damit kein Problem. Sie hat ja ihr Tafelsilber schon versteigert, um die Erbschaftssteuer bezahlen zu können.

Auch wenn die Fürstin mit ihrer wilden Vergangenheit abgeschlossen hat: Ein paar Annehmlichkeiten gönnt sie sich weiterhin. Und wenn ihr nach drei Monaten in Regensburg die Decke auf den Kopf fällt, dann fliegt sie eben nach Rom, Paris, Kenia, New York oder zum Starnberger See. Mit welcher Airline sie fliegt, das sage ich nicht - das wäre ja Schleichwerbung...

Ach ja, ich wollte ja eigentlich die Glückwunschtelegramme für Fürstin Gloria abliefern. Aber wo wir gerade so nett plaudern - am besten, ich lese sie einfach mal vor: Vielleicht das hier...

„Ich gratuliere zur Ordensverleihung. Bitte rufen Sie mich doch einmal an. Vielleicht könnten sie mir dabei helfen meine Spielzeugeisenbahn zu versteigern. Sehr schwierig, weil ich die Lokführerfiguren nicht rausnehmen kann. Herzlichst Ihr Hartmut Mehdorn.”

Aber das hier ist auch schön: „Meine allerherzlichsten Glückwünsche. Ich bin ein großer Fan von Ihnen. Ich weiß noch gut, wie es war, als ihre Leute mir die Fanpost zustellten und in ihren Postkutschen habe ich mich immer sehr wohl gefühlt. Ihr Jopie Heesters”

Das war´s, ich muss jetzt weiter, leider doch hier geht es jetzt heiter weiter und zwar mit einer Attraktion denn jetzt kommt nämlich ´ne Person schlagfertig, volksnah, couragiert, modern, sozial stark engagiert, Ex-Glamour Girl und Punk-Prinzessin, Geschäftsfrau, Mutter, Katholikin, mit Mutterwitz und Menschlichkeit, mit viel Humor und blitzgescheit und einem Lachen, das so laut, dass es euch von den Stühlen haut. Die neue in der Ritterschar: Verneigt das Haupt vor Gloria.

Oche Alaaf!