Kreis Heinsberg: „Jeder kann etwas tun“, sagt der Klimaexperte

Kreis Heinsberg: „Jeder kann etwas tun“, sagt der Klimaexperte

Im Kreis Heinsberg werden in 360 Betrieben insgesamt über 34.000 Stück Rindvieh gehalten. Beim Heinsberger Rindertag im Hilfarther Saal Sodekamp-Dohmen berichtete Hubert Ollertz-Mertens, Vorsitzender vom Rinderzuchtverein für den Kreis Heinsberg, am Donnerstag von Schwankungen beim Milchabsatz und bei der Vermarktung der Rinder.

Der schwächere Milchpreis habe sich in den Betrieben der Region bemerkbar gemacht. „Hohe Preise sind nur zu erzielen, wenn der Export und der Inlandsmarkt gleichermaßen funktionieren.“ Als „Wermutstropfen“ bezeichnete er die Tatsache, dass einige der Exportländer ihre Einfuhratteste geändert hätten, was in verschiedenen Absatzgebieten Probleme bereitet habe. „Das passt auf Dauer nicht zusammen“, erklärte er mit Blick auf steigende Produktionskosten, sinkende Marktpreise und neue Auflagen zum Tierwohl.

Über den Klimawandel und seine Folgen referierte der Klimaexperte und Meteorologe Dieter Walch, den meisten als „Wettermann“ beim ZDF ein Begriff, präsentierte er doch 27 Jahre lang die Vorhersagen. Walch warb für einen nachhaltigen und maßvollen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Das gerade begonnene Jahr bezeichnete er als „Schicksalsjahr“, denn Ende November würden in Paris erneut Beratungen über den Klimawandel und mögliche Reaktionen darauf beginnen. Wenn man es nicht schaffe, das Klima auf seinem jetzigen Niveau zu halten, „haben zukünftige Generationen schlechte Karten“, prophezeite er.

Die Folgen eines rasanten Klimawandels seien umfassend. In Hamburg könne man sich dann über Freiburger Wetterverhältnisse freuen, während im Breisgau ein Klima herrsche wie in Marseille. Dies habe auch Auswirkungen auf Flora und Fauna und damit auf die Landwirtschaft. Anzunehmen sei auch eine Ausbreitung von Epidemien, denn Viren seien nicht nur klimaresistenter als andere Lebewesen. Aufgrund ihrer kurzen Lebenszyklen sei auch mit einer explosionsartigen Vermehrung der Krankheitserreger und einer Verbreitung von Krankheiten zu rechnen, „die wir heute noch nicht kennen oder schon für besiegt gehalten haben“. Gleichzeitig nehme die Weltbevölkerung zu. Jedes Jahr wachse sie um 70 Millionen Menschen, während jede Stunde rund 900 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche für immer verloren gehen würden.

Walch kam auch auf das „Methan-Kraftwerk Kuh“ zu sprechen. Vermehrte Viehhaltung führe eben zu vermehrtem Methanausstoß. Ebenso die Schaffung neuer Feuchtbiotope, die ja helfen sollen, CO2 zu binden. Im Gegenzug würden aber die modernden Pflanzen solcher Biotope wiederum Methan erzeugen, das als Klimakiller 23 Mal stärker zu Buche schlägt als CO2. Walch appellierte an die Anwesenden, umzudenken und „Nachhaltigkeit“ neu zu definieren. Das beginne schon mit der Stickstoffmenge beim Düngen. „Jeder kann etwas tun“, betonte der Referent. Und das sei allemal besser, als nur auf „die da oben zu schimpfen“.

(hewi)
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