Eschweiler/Aachen: Irrtum führt zu Flüchtlings-Odyssee

Eschweiler/Aachen: Irrtum führt zu Flüchtlings-Odyssee

Sie wollten nach England, die 13 Flüchtlinge, die die Polizei am Dienstag in Eschweiler aus einem Kühltransporter befreite. Rund vier Stunden hatten sie in dem auf zwei Grad Celsius heruntergekühlten Container verbracht, ehe ihre Flucht, die im Mittleren Osten begonnen hatte, im Industrie- und Gewerbepark Eschweiler endete.

Mittlerweile sind elf der 13 Flüchtlinge unter Federführung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in eine Aufnahmeeinrichtung nach Dortmund gebracht worden. Zwei 16 und 17 Jahre alte Jugendliche, die ohne Erziehungsberechtigte unterwegs waren, wurden zunächst in einer Pflegefamilie im Raum Aachen untergebracht. Heute entscheidet das Jugendamt über ihre Unterbringung in einer Jugendhilfeeinrichtung.

Pech im Fährhafen von Calais

Wie inzwischen feststeht, verdanken die 13 Flüchtlinge ihre Fahrt nach Eschweiler einem Irrtum: Im Fährhafen von Calais sollten sie an Bord eines Lkw gebracht werden, der sie auf die Insel schleusen sollte. Die Schleuser nutzten die kurzzeitige Abwesenheit des Fahrers, der eine Lenkzeitenpause einlegte, um die 13 in den Kühlwagen zu bringen, den sie mit einem Vorhängeschloss sicherten.

Pech für die Flüchtlinge: Es war der falsche Truck. Der Kühlwagen fuhr nicht auf die Insel, sondern kam gerade von dort. Als die Menschen im Kühlcontainer dies anhand des Fahrverhaltens merkten und durch die an der Ladung befestigten Frachtpapiere mit Bestimmungsland Deutschland bestätigt sahen, überkam sie die Angst, in dem eisigen Container ersticken zu müssen. Über die internationale Notrufnummer 112 riefen sie um Hilfe. Der Notruf landete bei der Aachener Feuerwehr, der ihn ans Polizeipräsidium weiterleitete. Die Beamten, die ebenso wenig wie die Hilfesuchenden wissen konnten, wo der Lkw sich befand, gaben ihnen den Tipp, sich durch Klopfen bemerkbar zu machen.

Schloss geknackt

Das wiederum, machte den Fahrer des Lkw aufmerksam, der den Container allerdings nicht öffnen konnte: Die Schleuser hatten das Vorhängeschloss ausgetauscht. Ein Mitarbeiter der Spedition, auf deren Hof der Sattelzug inzwischen stand, alarmierte über Notruf die Polizei. Die knackte das Schloss mit einem Seitenschneider und befreite die 13 Menschen.

Für die Bundespolizei hat die Suche nach den Hintermännern der Aktion gerade erst begonnen. Fest steht für sie allerdings, dass weder das niederländische Transportunternehmen noch der Fahrer des Trucks in den Menschenschmuggel verwickelt sind.