Kleinhau: Inline-Skaterin aus Kleinhau gleitet zum WM-Sieg

Kleinhau: Inline-Skaterin aus Kleinhau gleitet zum WM-Sieg

Bei Barbara Esser rollt es derzeit besonders gut. In ihrer Altersklasse „60 Plus“ fuhr die Inline-Skaterin aus Kleinhau Mitte Juni den Weltmeistertitel in Dijon in Frankreich ein. Wenige Tage später spurtete sie als erste im Halbmarathon-Skaten in Hattingen durch das Ziel und holte sich so den Titel der Deutschen Meisterin, ebenfalls in ihrer Altersklasse.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann steuert die 61-jährige Sportlerin rund zehn Wettbewerbe im Jahr an. Die beiden nutzen dafür ihr Wohnmobil und genießen die gemeinsame Zeit. Die studierte Diplom-Sportlehrerin und Biologin kam vor gut 20 Jahren mit ihrer Familie aus Köln in die Eifel. Die beiden Kinder des Paares sollten im Grünen aufwachsen. Die Bedingungen in Kleinhau — großes Haus und großer Garten — waren ideal.

Auf dem Land konnte sie ihrer ursprünglichen Leidenschaft, dem Laufen, zudem ausgezeichnet nachgehen. Der Köln-Marathon stand seit der ersten Ausgabe in jedem Jahr wieder auf dem Programm der agilen Frau. 2001 änderte sich jedoch die Lage. Verletzungsbedingt konnte die Sportlerin nicht laufen — aber rollen. Sie nahm damals zum ersten Mal als Inline-Skaterin am Köln-Marathon teil und blieb an diesem gelenkschonenden Sport hängen.

Ihre Schuhe, ohne Schaft und mit großen Rollen, erwirbt sie im Internet oder auf der Marathon-Messe. Für verschiedene Wetterlagen gibt es, wie in der Formel 1 ebenfalls, verschiedene Rollen. Für Regenrennen werden Regenrollen aufgezogen, scheint die Sonne, werden auch die kleinen Reifen an die Untergrund-Gegebenheiten angepasst.

Bremsen sucht der Betrachter an den Profi-Inliner vergebens. Barbara Esser: „Für uns Inliner gilt: Wer bremst, verliert.“ Tatsächlich wird die Fahrt nur selten gestoppt. Wenn, dann wird ein Fuß quer gestellt — wie beim Eislaufen. Barbara Esser: „Unser Bremsweg ist lang, daher müssen wir immer vorausschauend fahren und dürfen niemals ohne Helm unterwegs sein.“ Bei Stürzen sind ihr bereits zwei Helme durchgebrochen.

Obwohl sie derzeit von Erfolg zu Erfolg rollt, unternimmt sie keine speziellen Maßnahmen. Trainiert wird auf Inlinern, aber nicht täglich. Stattdessen schnappt sie sich immer wieder auch das Mountainbike und arbeitet im Garten. In der örtlichen Volkshochschule gibt Barbara Esser seit zwei Jahrzehnten Mutter-Kind-Kurse. Die Mahlzeiten werden ebenfalls nicht speziell auf den Sport ausgerichtet. Was schmeckt, wird gegessen, auch vor einem Wettbewerb. Barbara Esser: „Beim Laufen federt man mehr, da muss man schon schauen, was man vorher isst.“ Beim Skaten allerdings gleitet der Körper elegant dahin, diese fließende Bewegung kommt dem Organismus zu Gute.

In Dijon nahmen am Wettbewerb „60 Plus der Frauen“ sieben Läuferinnen teil. Vier kamen aus Deutschland, eine aus Italien, eine aus Frankreich und eine Teilnehmerin aus Polen. Den Lauf in Dijon beschreibt die amtierende Weltmeisterin als „sehr langsam“.

Die 42 Kilometer lief sie in einer Stunde und 42 Minuten. 37 Kilometer lang fuhr das Feld zusammen, dann gelang der Frau aus Kleinhau ein erfolgreicher Ausreißversuch. Barbara Esser: „Zunächst haben wir uns immer aus den Augenwinkeln beäugt. Irgendwann bin ich flott losgefahren und war auf und davon.“ In diesen Tagen macht sie sich wieder auf den Weg: Das 24-Stunden-Rennen in Le Mans steht an — auf Inlinern, versteht sich.

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