Leserbriefe zum Thema Corona-Maßnahmen: In Gesundheit und Krankheit mit Abstand vereint

Leserbriefe zum Thema Corona-Maßnahmen : In Gesundheit und Krankheit mit Abstand vereint

Wo ist das Toilettenpapier hin? Was passiert, wenn viele Menschen ihre Mieten nicht mehr zahlen können? Mit den Folgen der Corona-Krise beschäftigen sich unsere Leser. Viel Lob gab es für die Bereitschaft eines Lehrers, auf einen Teil seines Gehaltes zu verzichten.

Stephanie Kucklick aus Aachen geht auf den Artikel: „Von wegen freiwillig zur Schule“ ein:

Es ist immer wieder erfreulich, wie viel Vertrauen Eltern in die Kompetenz und Fürsorge der Lehrer und Lehrerinnen ihrer Kinder haben. Da redet die Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW von einer „Scheinprüfung“, wenn dieses Jahr die zentralen Abschlussprüfungen der Klasse 10 von den Fachlehrern in Deutsch, Mathe und Englisch erstellt werden sollen, genau von den Pä­dagogen, die den Wissensstand ihrer Schüler am besten kennen und ergo eine „maßgeschneiderte“ Prüfung erstellen werden. Mit der Kompetenz und dem pädagogischen Augenmaß, das die momentane Situation verlangt. Oder traut die Landeselternschaft den Lehrern tatsächlich nicht zu, gerade in Corona-Zeiten Verständnis für die erschwerten Lernbedingungen der Schüler zu haben und ihnen gerade deshalb einen angemessenen, zukunftsfähigen und konkurrenzfähigen Schulabschluss gewährleisten zu wollen? Seit Wochen sorgen Lehrer an allen Schulen Deutschlands digital oder mit anderen Mitteln weit über ihre Arbeitszeit hinaus dafür, den Schülern weiterhin Bildung zu ermöglichen beziehungsweise sie beim Lernen zu unterstützen. Die schulseitig erstellten zentralen Abschlussprüfungen werden vermutlich fairer sein als die behördlichen der letzten Jahre – und alles andere als eine „Scheinprüfung“. Aber anscheinend traut die Landeselternschaft dieses den Lehrern ihrer Kinder nicht zu. Schade!

Franziska Reulen aus Baesweiler bedauert:

Den Gesetzgeber kümmert es im Hinblick auf das Infektionsschutzgesetz überhaupt nicht, ob Arbeitnehmer durch den gezwungenen Bezug von Kurzarbeitsgeld Verluste in erheblicher Höhe zu erwarten haben.

Es sind zwar Änderungen beziehungsweise Verbesserungen im Infektionsschutzgesetz von der Bundesregierung angedacht, die betreffen aber den Mitteilungen zufolge nicht die von Schließungen Betroffenen. Persönlich finde ich das ungeheuerlich, denn wer möchte sich schon gerne anstelle der regulären Bezüge quasi mit Arbeitslosengeld abfinden müssen?

Ivy Kundt aus Aachen hält fest:

Komfortabel sitze ich zu Hause und lese mich durchs Internet. Während Ihre Zeitung, die Tagesschau und andere Medien einfach weiterleiten, was die Gesundheitsminister von sich geben, machen andere, ebenfalls seriöse Medien einen Faktencheck – und entdecken, dass Jens Spahns Notprogramm unterfinanziert ist und zum weiteren Kliniksterben führen dürfte.

Axel Hansen aus Aachen merkt zu den Beiträgen „Maximal zu zweit auf die Straße“ sowie „Regionaler Bahnverkehr stark eingeschränkt“ an:

Kernig trat Ministerpräsident Armin Laschet vor die Presse und verkündete das Kontaktverbot als nächste Einschränkung für die Bevölkerung des Landes zur Bekämpfung des Coronavirus. Fast zeitgleich ließ er es aber zu, dass die Deutsche Bahn nach Abstimmung mit seinem Verkehrsminister das Fahrplanangebot rigoros ausdünnt. In der Folge wurden gleich zwei stark frequentierte Regionalexpress-Linien (RE4, RE9) gestrichen, so dass sich Berufspendler aus Aachen wieder viel zu nahe in den Abteilen der Waggons des verbliebenen RE 1 gekommen sind. Ein Stück aus dem Tollhaus! Sieht so verantwortungsvolles Handeln aus? Ich empfinde das Vorgehen von Politik und Unternehmen an der Stelle als potentielle fahrlässige Körperverletzung. Die Deutsche Bahn sollte schnellstens rück­verstaatlicht werden, damit im ÖPNV auf der Schiene Profitgedanken nicht mehr Vorrang vor Daseinsvorsorge und Achtung des Gemeinwohls haben.

Irene Heffels aus Alsdorf hat eine Bitte:

Sehr geehrte Frau Ministerin Klöckner, bitte sagen Sie uns, wo die vollen Lager mit Toilettenpapier und Lebensmitteln sind. Seit Wochen gibt es im Westen unserer schönen Republik keine Hygieneartikel, kein Mehl, keine Hefe mehr. Auch andere haltbare Lebensmittel sind wenn, dann nur sehr übersichtlich vorhanden. Ich weiß nicht, in welchem Jahr Ihr Video aus dem Toilettenpapierlager aufgenommen wurde: Aktuell kann es nicht sein. Die Autobahnen sind leer, die Lkw könnten fahren. Viele Produktionsmittel werden im Moment nicht gefahren, so dass ausreichend Kapazitäten im Transportgeschäft zur Verfügung stehen müssten. Seit Jahren versucht der Einzelhandel eine Öffnung der Geschäftszeiten auch am Sonntag zu erreichen. Jetzt wird es erlaubt, und was passiert? Der Einzelhandel sagt Nein. Wenn ich Unternehmer wäre und könnte Umsatz machen, weil alle Leute panisch reagieren und sinnbefreit in Mengen alles kaufen, dann tue ich das doch und öffne am Sonntag, wenn es gestattet ist. Der einzige Grund, der die Nichtöffnung erklärt, ist die Tatsache, dass die Lager vielleicht doch nicht voll sind. Der Einzelhändler bestellt und weiß, dass er keine Ware zum Einräumen und zum Verkaufen bekommt. Trotz Maßnahmen, die der Einzelhandel trifft, wie „Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen“, reicht das Angebot offensichtlich nicht. Ich bitte Sie, Bezugsscheine für Toilettenpapier auszugeben. Ich hoffe, wenn Toilettenpapier die neue Verschlussware wird, kann auch wieder jeder in Maßen, nicht in Massen versorgt werden. Ein Satz in Abwandlung zum Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist nur dreilagig unantastbar.

Harald Sassen aus Aachen hat sich Gedanken über die Corona-Krisengewinner gemacht:

Der Alltag, das öffentliche sowie private Leben werden in dieser Zeit eingeschränkt, wenn nicht gar lahmgelegt. Das Virus macht uns zu Stubenwesen. Otto Normalverbraucher brechen die Einnahmen weg. Dazu zählen die einfachen Angestellten, aber auch Gastronomen etc. Sie alle fürchten um ihre Existenz. Wenn es lange so weitergeht, wie sollen die ihre Angestellten bezahlen, Rechnungen begleichen, ihre Miete? Wie sollen die Angestellten selbst dies bewältigen, wenn es keinen Lohn mehr gibt oder dieser gekürzt wird?

Werden nun diejenigen, die aus der Not ihre Gewinne ziehen, wirklich zur Verantwortung gezogen? Leute, die im Notstand zu überhöhten Preisen nun dringend notwendige Dinge verkaufen, um ihren persönlichen Profit daraus zu schlagen? Hat uns das bisher beim Waffenhandel interessiert? Trinkwasser-Privatisierung? Ausbeutung ärmster Länder und vor allem ihrer Menschen für unseren Konsum und Luxus?

Dass die Mieten auch in krisenfreier Zeit überhöht sind, wissen wir längst. Was zu einer ganz eigenen Krise führte – der Wohnungsnot. Und jetzt? Wie steht es mit den Immobilienkonzernen? Egal, ob Ladenmiete oder Wohnungsmiete, hat irgendjemand bisher von irgendeiner Immobilienfirma vernommen oder von seinem Vermieter Bescheid bekommen, dass die Mieten aus Solidarität in dieser Krise zur Überbrückung gesenkt werden? Sind diese Leute keine Krisengewinner? Was passiert, wenn die einfachen Mieter nicht mehr zahlen können? (Anm. d. Red.: Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass Zahlungsrückstände aus dem Zeitraum 1. April bis 30. Juni 2020 den Vermieter – für die Dauer von 24 Monaten – nicht zur Kündigung berechtigen, solange diese Rückstände auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie beruhen.) Ich hätte da einen Verdacht…

Stefan Bürgstein aus Gangelt lobt den Leserbrief von Jörg Schwarz aus Übach-Palenberg:

Da war ich ja mal echt erstaunt und positiv überrascht vom Vorschlag des Lehrers Jörg Schwarz, auf 30 Prozent des Gehaltes zugunsten von unterbezahlten Pflegekräften etc. und Menschen, die wirklich unter der Corona-Krise zu leiden haben, zu verzichten. Ich fordere das in meinem Umfeld schon seit Wochen. Es ist so, dass sich Staatsbedienstete überhaupt keine Sorgen machen müssen und auch keinerlei Einschränkungen finanzieller Art haben so wie die allermeisten anderen Menschen. Zudem haben sie darüber hi­naus jetzt auch noch viel mehr Freizeit als sonst schon (was natürlich wie immer abgestritten wird). Leider gibt es sogar sehr viele Lehrer, die so gut wie nichts für ihre Schüler auf die Reihe bringen in puncto Videounterricht oder Vorbereiten und Verteilen von Unterrichtsmaterial. Man versteckt sich da gerne hinter fehlenden technischen Möglichkeiten und schiebt dem Schulträger oder den Kollegen, welche die IT betreuen, den Schwarzen Peter zu. Auch das Kürzen der Sommerferien um drei Wochen, in denen ohnehin keine Reisen stattfinden werden können, wäre nicht mehr als richtig. Manche Dinge laufen echt schief in dieser schwierigen Zeit. Warum ist ein Wildpark in Gangelt geschlossen, in dem man – Abstand haltend – niemanden gefährden würde? Warum sollen Zahnärzte von Steuergeldern auf 90 Prozent (Kurzarbeitergeld übrigens 60 Prozent) des letztjährigen Verdienstes aufgestockt werden? Zahnärzte! Hallo? Die mit am besten verdienende Berufsgruppe ... Wir werden wohl oder übel mit Einschränkungen leben müssen, bis ein Impfstoff verfügbar ist. Aber diese Einschränkungen – und auch die Hilfen – sollten doch etwas mit Augenmaß und gerechter verteilt werden.

Günter Ohligschläger aus Eschweiler ist ebenfalls begeistert von Jörg Schwarz’ Leserbrief:

Ich gratuliere! Ein solcher Vorschlag aus den eigenen Reihen – großartig! Die 30 Prozent Gehaltseinsparung könnten dann den Pflegekräften etc. zugutekommen, die es wirklich verdient hätten. Leider bleibt das nur ein Traum. Nochmals, Herr Schwarz, Hut ab!

Thomas Wesseler aus Aachen meldet sich ebenfalls zur Idee von Herrn Schwarz zu Wort:

Lieber Herr Schwarz, ich weiß nicht, in welcher Schulform Sie arbeiten und welche Fächer Sie unterrichten, aber bei den meisten Lehrer-Kollegen sehe ich keine Arbeitszeitkürzung. Im Gegenteil, in kürzester Zeit haben viele Kollegen neue Formen des Unterrichts ausgearbeitet und erprobt, um ihre Schüler online zu Hause zu unterrichten. Gleichzeitig wurden in den Schulen mit enormen Aufwand Planungen für den kommenden Schulalltag in Zeiten von Corona erstellt. Auch Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen mussten komplett neu organisiert werden. Nicht zu vergessen sind die Lehrer, die die Notbetreuung für die Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen nicht nur in der Schulzeit, sondern auch samstags, sonntags und in den Ferien durchgeführt haben. Dennoch scheint es einige wenige Kollegen zu geben, die von dieser erheblichen Mehrarbeit nichts mitbekommen haben.

Adolf Stutzkowsky aus Stolberg ist voll des Lobes für Jörg Schwarz:

Sehr geehrter Herr Schwarz, Ihr Leserbrief hat mich völlig überrascht – und zwar positiv. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass es noch einen Beamten (dazu noch Lehrer) gibt, der sich seiner (teils ungerechtfertigten) Privilegien bewusst ist und in Krisenzeiten auf 30 Prozent seiner Bezüge verzichten will. Ich kämpfe seit Jahren gegen die Luxus-Versorgung der Beamten, da diese verhindert, dass Menschen, die 40 Jahre lang gearbeitet haben, eine vernünftige Rente erhalten. Dies soll jedoch nicht Gegenstand meines Briefes sein. Was mich wahnsinnig ärgert, ist die Tatsache, dass das, was Sie in Ihrem Leserbrief zum Ausdruck bringen, längst von unseren Repräsentanten des politischen Lebens hätte gesagt werden müssen. Fast deckungsgleich mit Ihren Worten habe ich an die Bundesregierung etc. appelliert, sich solidarisch mit denen zu zeigen, die finanziell durch Corona betroffen sind.

Von Ministerpräsident Markus Söder habe ich bereits gelesen, dass er in die gleiche Richtung denkt wie wir beide. Ich bin erschüttert, dass Politiker wie Ursula von der Leyen, das gesamte EU-Parlament und viele andere außer einer gigantischen Verschuldung kaum etwas anzubieten haben. Frau von der Leyen spricht von Billionen Euro. Diese Schulden würden die nachfolgende Generation (die den Genannten doch so am Herzen liegt) in unverantwortlicher Weise belasten. Die Verschuldung muss so gering wie möglich gehalten werden. Ihr Leserbrief und die Tatsache, dass es der einzige dieser Art aus Ihrer Berufsgruppe ist, bestärken mich, weiter zu kämpfen.

Herbert Schaber aus Aachen bedankt sich nicht nur für das tägliche Corona-Tagebuch:

Es werden so viele Menschen in dieser schwierigen Zeit gelobt. Deshalb an dieser Stelle auch einmal ein großes Lob an die Presse, persönlicher gesagt an „unsere“ Zeitung. Es ist eine sehr gute, seriöse und unaufgeregte Berichterstattung. In Zeiten geschlossener Türen ist die Zeitung ein guter Türöffner für gut aufbereitete Nachrichten und gleichzeitig ein guter Begleiter in dieser Zeit. Unter diesen schwierigen Bedingungen ist es sicherlich sehr schwer, zu arbeiten und gute Nachrichten von schlechten Nachrichten in der Recherche zu unterscheiden und diese seriös aufzubereiten. Der Dank richtet sich an die gesamte Redaktion und die vielen Helfer im Hintergrund der Zeitung bis hin zum Zeitungsboten. Stellvertretend sei namentlich Thomas Thelen mit seinem Corona-Tagebuch genannt. Sehr gute und nachdenkliche Texte in dieser „merkwürdigen“ Zeit. Danke!

Wiltrud Frenken aus Aldenhoven beschäftigen die Berichte „Die Lebensmittelversorgung sicherstellen“ und „100.000 Schutzmasken per Pferdeanhänger“:

Der Artikel „Die Lebensmittelversorgung sicherstellen“ stellt in angemessener Weise die Leistung und das Engagement von Mitarbeitern der Supermärkte dar. Diese Menschen können nicht genug von uns respektiert und geschätzt werden, wo sie sich täglich einer nicht geringen Gefahr aussetzen. Wie bestürzt war ich jedoch zu lesen, dass diese Gefahr vom Verfasser dieses Artikels als „ungeschützter Geschäftsverkehr“ apostrophiert wurde! Welch eine unpassende und zynische Metaphorik! Wie kann eine solche Entgleisung geschehen? Unsere Gesellschaft ist ohnehin schon in vielen Bereichen, etwa in der Werbung, durch und durch sexualisiert; da sollte man auf solche „Sprachakrobatik“ verzichten.

Der zweite Artikel „100.000 Schutzmasken per Pferdeanhänger“ beschreibt in positivem Grundton das Engagement des Geilenkirchener Bürgermeisters Georg Schmitz, der lobenswerterweise und mit großem Engagement 100.000 Schutzmasken aus China organisierte. Bei diesem Inhalt hätten die beiden Verfasser es auch belassen sollen. Wa­rum wird vollkommen unpassenderweise seine Aktivität in den Sozialen Netzwerken erwähnt, bei der er „Pornodarstellerinnen“ gefolgt sei? Was hat das mit seinem lobenswerten Engagement zu tun? Warum wird das Bild dieses Menschen dadurch getrübt, selbst wenn die erwähnten Fakten richtig sind? Auch in diesem Artikel ein vollkommen unpassender Bezug in den sexuellen Bereich.

Ich möchte die Autoren dieser Artikel auffordern, Bezüge in einen sexuellen oder anstößigen Bereich zu unterlassen, wenn es so unangemessen wie in diesen beiden Fällen ist.

Kurt Lennartz aus Aachen bilanziert Covid-19:

Zu dem häufig gehörten Argument, selbstgemachte Atemmasken würden nur andere – und nicht mich selbst – schützen, eine simple Weisheit: „Ich schütze Dich, Du schützt mich.“ Egoismus und Privatisierung haben uns in diese gesundheitliche Krise geführt. Eindämmen, Verlangsamen und unser gesundheitliches System vor dem Kollaps retten können wir die Pandemie nur durch Gemeinsinn und Solidarität.