Arnoldsweiler: In der Steinzeit gab es den Ellebach noch nicht

Arnoldsweiler: In der Steinzeit gab es den Ellebach noch nicht

Der Ellebach gehört seit Generationen zum Landschaftsbild rund um Düren. Er entspringt in der Drover Heide und mündet bei Jülich in die Rur. Aber warum haben die ersten Bauern vor 7000 Jahren Brunnen gebaut, wenn der Bach gleich vor ihrer Tür lag?

Tal in der Eiszeit entstanden

„Das Tal hier ist in der Eiszeit entstanden. Einen Bach hat es damals nicht gegeben. Als die ersten Siedler herkamen, war hier ein Trockental, wahrscheinlich mit einer sumpfigen Niederung”, erklärt Geoarchäologin Renate Gerlach, die für den Landschaftsverband-Rheinland auf der Ausgrabungsstätte bei Arnoldsweiler arbeitet. Und da, wo heute der Ellebach fließt, war in der Steinzeit, vor 7000 Jahren, nichts - zumindest kein Wasserlauf.

Gute Wohngegend

Für die Steinzeitmenschen trotzdem oder gerade deswegen eine gute Wohngegend. Das Grundwasser stand hoch, Brunnen musste nicht tief gegraben werden. Gleichzeitig brauchten sie keine Angst vor Überschwemmungen zu haben. Das Vieh konnte problemlos mit Wasser versorgt werden, die Menschen konnten auf dem Trockenen leben. In den sumpfigen Gebieten sprossen Eschen aus der Erde, mit denen das Vieh gefüttert wurde.

Wie eine Perlenkette reihten sich die Siedlungen entlang des Tales, vermuten die Archäologen. Vor einigen Jahren erst, ist bei Merzenich eine Siedlung entdeckt worden. Und so hatten die Archäologen bei Arnoldsweiler, unter der künftigen A4-Trasse ebenfalls mit einer Siedlung gerechnet.

In der Eisenzeit

Aber wo kommt der Ellebach plötzlich her? Und wann ist er entstanden? Ein Menschenleben ist in unseren Breiten meist zu kurz, um natürliche Veränderungen eines Gewässers zu erleben. Seit die ersten Bauern dort lebten sind aber 7000 Jahre vergangen.

Zwischen 700 und 500 vor Christus kam die Eisenzeit. „In dieser Zeit wurden Wälder gerodet. Es gab weniger Wald als heute”, beschreibt Geoarchäologin Gerlach. Mit dem Verschwinden der Bäume sei der Grundwasserspiegel gestiegen, denn das Wasser, das die Bäume normalerweise speichern, war nun frei. Es bildeten sich Abflüsse, der Ellebach entstand.

Im Mittelalter wurden solche Bäche dann als Entwässerungskanäle vertieft. Allerdings können Bäche auch wieder vom Erdboden verschwinden. So zum Beispiel der Elsbach im Tagebau Garzweiler, der in einem sehr ähnlichen Milieu liegt und von den Geoarchäologen gut erforscht ist. Material, das von den Hängen hinabgerutscht war, hatte den Bach erstickt. Erst später ist er wieder freigegraben worden. Ähnlich könnte es auch dem Ellebach ergangen sein.

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