Erkelenz-Immerath: Immerather Umsiedlung: Mit Emotionen war nichts zu erreichen

Erkelenz-Immerath: Immerather Umsiedlung: Mit Emotionen war nichts zu erreichen

Gisela Berger ist eine zierliche Frau. Sie hat ein ernstes Gesicht und strahlt Ruhe und Kompetenz aus, wenn es um das Thema Umsiedlung geht. Denn bei diesem Thema kennt sie sich mittlerweile sehr gut aus. Nicht nur die Immerather begegnen ihr mit Respekt.

Seit zwölf Jahren ist Gisela Berger Vorsitzende des Bürgerbeirates, der im Namen der betroffenen Immerather an den Verhandlungen teilgenommen hatte und oft für die Umsiedler in den Ring gestiegen war, wenn es galt, deren Bedürfnisse zu vertreten und Rechte umzusetzen. „Die Umsiedlung war kein Pappenstiel, doch wir haben das Beste daraus gemacht”, lautet ihr Resümee, das sie anlässlich der Eröffnung des Immerather Sportplatzes zog. Kurz zuvor hat sie noch am Pult gestanden und die gemeinsame Zukunft beschworen, das Engagement der Bürger und der Stadt gelobt. Auch für das Energieunternehmen, das ihre Heimat wegbaggert, hat sie anerkennende Worte gefunden. Optimismus hat sie ausgestrahlt und verbreitet, als sei der Verlust der Heimat längst vergeben und vergessen.

Die Zusammenarbeit mit dem Energieunternehmen und der Stadt habe sich anfangs schwierig gestaltet. Zuerst habe man „Duftmarken setzen müssen”, um an wichtigen Verhandlungen beteiligt zu werden. Rückblickend sei die Zusammenarbeit aber als „konstruktiv-kritisch und sachlich” zu bezeichnen. Besonders wichtig sei die Sachlichkeit gewesen, denn mit Emotionen sei nichts zu erreichen. Dabei musste auch manche Kröte geschluckt werden. So zum Beispiel bei der Rahmenvereinbarung, die zwischen Stadt und RWE ausgehandelt wurde und keinen Platz mehr ließ für die Anmerkungen der Umsiedler. „Unsere Einwendungen wurden nicht berücksichtigt”, erinnert sie sich. Trotzdem habe sich der 13-köpfige Beirat nicht entmutigen lassen und immer wieder erneut das Gespräch gesucht. Ob sie es noch einmal auf sich nehmen würde, wisse sie nicht, erklärte sie, „denn es war schon sehr belastend”. Mittlerweile falle die Lasst allmählich ab, obwohl es noch immer genug zu tun gebe. „Mit der Distanz wird einem erst bewusst, was man sich da aufgebürdet hat”, erklärt Gisela Berger.

Doch die Aufgaben, die noch vor dem Bürgerbeirat liegen, lassen keine Verschnaufpause zu. Denn nun gehe es darum, die Baulücken zu schließen und ein Vermarktungskonzept zu erarbeiten, um aus dem Umsiedlungsstandort eine wirkliche Heimat zu machen. Auch die Themen Immerather Mühle und der Verbleib der Landwirte seien noch nicht geklärt. „Die Landwirte sitzen immer noch im alten Ort fest, denn hier kann ihnen keine Fläche zugewiesen werden”, erklärt Gisela Berger. Viele seien noch nicht so alt, dass sie sich aufs Altenteil begeben könnten. „Wer aktiv in der Landwirtschaft bleiben will, denkt ans Wegziehen”, sagt sie. Da sei keine sozialverträgliche Lösung gefunden worden. Ob und wie dieses Problem zu lösen sei, weiß sie nicht.

Auch wenn sie gerne an ihren alten Ort zurückdenke, ziehe sie nichts mehr dorthin. Zu belastend ist es mit anzusehen, wie das alte Immerath langsam ausstirbt. „Hier liegt unsere Zukunft”, betont sie und lässt ihren Blick über das Neubaupanorama schweifen. Und hier, am neuen Standort, seien die Aufgaben angesiedelt, die es noch zu bewältigen gebe. Erst wenn alles getan sei, könne sie ans Aufhören denken. Deshalb werde sie als Bürgerbeirat bis zum Ende mitarbeiten. Doch ob sie sich noch einmal für die Arbeit zur Verfügung stellen werde, weiß sie nicht. „Es war sehr belastend und hat in den letzten Jahren das ganze Leben bestimmt.”

Ob sich diese Arbeit gelohnt hat, liegt in den Händen der Immerather, die mit dem Leben am neuen Standort fortfahren und sich eine neue gemeinsame Zukunft aufbauen müssen. Gisela Berger hat einen großen Beitrag geleistet, dass es in der heutigen Form möglich ist. Das sieht auch Bürgermeister Peter Jansen so. „Die Bürgerbeiräte haben erfolgreich als Bindeglied fungiert und die Gestaltung der Orte stark mitgeprägt.” Oft hätten sie mit ihrer Vorarbeit dazu beigetragen, dass bei den Bürgerversammlungen zu den Belangen der Betroffenen Lösungsansätze gefunden werden konnten. „Ebenso ist die Arbeit der Bürgerbeiräte wichtig, da durch den Kontakt mit den Betroffenen erst die Bedürfnisse konkretisiert werden konnten.”

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