Kreis Düren: Immer mehr Autodiebstähle im Kreis Düren

Kreis Düren: Immer mehr Autodiebstähle im Kreis Düren

Stellen Sie sich vor, Sie wollen am Morgen in Ihr Auto steigen, um zur Arbeit zu fahren. Aber Ihre Einfahrt ist leer. Oder da, wo am Abend an der Straße Ihr Wagen stand, ist nun eine freie Parklücke. 108 Personen aus dem Kreis Düren ist das bis Ende Oktober so oder ähnlich passiert.

Am Donnerstag, 26. Oktober, riefen gleich drei Betroffene die Polizei. In Frauwüllesheim war ein vor dem Haus geparkter 3er BMW gestohlen worden, in Jülich ein 1er BMW aus einer Garagenzufahrt. An einem weiteren 3er BMW in Birkesdorf waren deutliche Einbruchspuren zu erkennen, doch immerhin stand der Wagen noch da. In Schlich wurde in der gleichen Nacht ein Mercedes-Kleintransporter gestohlen.

Diese eine Oktobernacht ist zweifellos ein Extremfall, aber sie unterstreicht auch eine Entwicklung: Die Zahl der Autodiebstähle und der versuchten Diebstähle ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

2014 wurden 73 Autos geklaut, 2015 85, im vergangenen Jahr 117. Bleibt die Tendenz bestehen, wird es 2017 erneut mehr Autodiebstähle geben. Ende Oktober waren in der Statistik der Polizei zudem schon mehr versuchte Autodiebstähle verzeichnet (32) als im Vorjahr (28).

„Wir haben es mit organisierten Banden zu tun, die oftmals aus den Niederlanden heraus arbeiten, aber auch aus dem belgischen Grenzgebiet“, sagt Polizeisprecherin Melanie Mallmann. Die professionellen Diebesbanden hätten es vor allem auf deutsche Fabrikate im gehobenen Preissegment abgesehen. BMW und Mercedes-Sprinter sind begehrt, wie diese eine Oktobernacht gezeigt hat.

Nach den Ermittlungserkenntnissen der Polizei kundschaften die Banden die Gebiete, in denen sie nachts zuschlagen, intensiv aus. „Sie bevorzugen Ballungsräume, in denen viele Menschen wohnen, und wo es demnach auch viele Autos gibt“, sagt Melanie Mallmann. „Außerdem suchen sie Orte aus, von denen sie schnell wegkommen — und diese drei Faktoren hängen ja auch eng zusammen“, weiß Mallmann. Schwerpunkte in unmittelbarer Nähe zu den Autobahnanschlussstellen sieht die Polizei jedoch nicht. Große Straßen wie die B 56 kommen den Dieben aber gelegen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Aufklärungsquote überschaubar

Die Aufklärungsquote bei den Autodiebstählen und Versuchen ist überschaubar: Im vergangenen Jahr lag sie bei 17,93 Prozent, 2015 bei 13,51 Prozent, 2014 bei 20,6 Prozent, 2013 bei 29,31 Prozent. Zur Einordnung: Bei allen Diebstahlsdelikten zusammengenommen lag sie 2016 bei 25,61 Prozent (Beispiele: Ladendiebstahl 89 Prozent, Wohnungseinbrüche 81 Prozent, Taschendiebstahl 5,48 Prozent, Fahrraddiebstahl 7,6 Prozent).

„Bei Kapitalverbrechen liegt die Aufklärungsquote zum Beispiel deutlich höher“, sagt Mallmann. In 2016 wurden sogar alle aufgeklärt. Bei Kapitalverbrechen werde beispielsweise mit anderem Personaleinsatz ermittelt. Die Polizei setzt Prioritäten. Und die Prioritäten der deutschen Polizei sind nochmals andere als die der Nachbarn. Anders als die deutsche Polizei müssen die Niederländer bei Autodiebstahl nicht ermitteln, und die Zusammenarbeit läuft nicht ganz reibungslos.

Aber was passiert in den Niederlanden mit den deutschen Nobelkarossen? „In den meisten Fällen werden die Autos ausgeschlachtet“, wissen die Ermittler. Da die modernen Fahrzeuge oftmals über GPS-Sender verfügen, mit denen sie geortet werden können, stehen die Wagen im Nachbarland zunächst ein paar Tage am Straßenrand. „Die Diebe warten ab, ob ein Auto geortet wird“, erklärt Mallmann. Taucht kein Besitzer auf, wird es in seine Einzelteile zerlegt. Das bedeutet aber auch, dass den Ermittlern nur wenig Zeit bleibt.

Die Diebe auf Tat zu ertappen, ist ebenfalls schwer. „Da es keine Schwerpunktgebiete gibt, sind wir auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen“, sagt Mallmann. „Wenn Sie ein fremdes Auto bemerken, das in ihrer Straße hin und her fährt, oder ähnliche Beobachtungen machen, rufen sie die 110 an“, appelliert Mallmann.