Kreis Heinsberg: Immer dem Pinsel nach durch das Begas-Haus

Kreis Heinsberg: Immer dem Pinsel nach durch das Begas-Haus

„Immer dem Pinsel nach!“ lautete die Devise bei einem für den normalen Museumsbetrieb im Heinsberger Begas-Haus ganz ungewöhnlichen Projekt. Kurz vor Toresschluss strömten da am späten Nachmittag noch ganz viele Menschen ins Museum.

Sie folgten Kindern mit einem großen Pinsel in der Hand kreuz und quer durch die einzelnen Räume und ließen sich an unterschiedlichen Stationen Kunstwerke erläutern — nein, nicht die alten Meister, die dort schon lange hängen, sondern die ganz frischen Werke der Kinder.

Das viertägige Projekt mit 14 Kindern im Alter von zehn bis 14 Jahren wurde von Kulturpädagogin Annica Dietrich geleitet. Zur Seite stand ihr Danjana Kuhlmann, ebenfalls ausgebildete Kulturpädagogin.

Für die Kinder war die gemeinsame Initiative von Begas-Haus und Anton-Heinen-Volkshochschule kostenfrei — dank der Förderung im Rahmen vom Kultur-Rucksack NRW des Landesministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Ziel des Projekts war es, bei den Kindern die Fantasie zu wecken für ganz individuelle Kompositionen mit Farben, mit unterschiedlichen Materialien, auf Papier, auf Leinwand, aber auch auf einer selbst gefertigten Gipsmaske. Im Museum fanden die jungen Teilnehmer die Impulse für ihr jeweils eigenes Vorhaben. Zum Abschluss präsentierten sie ihre Werke in einer Finissage.

„Wie toll!“ So entfuhr es vielen Mitgliedern der speziellen Gästegruppe aus Eltern, Großeltern und Geschwistern, als sie die Kinder mit Masken zunächst wie versteinert auf der ins erste Geschoss des Museums führenden Treppe sahen. Als eines nach dem anderen — natürlich ebenfalls mit dem großen Pinsel — zum Leben erweckt worden war, ging es für alle die Treppe hinauf zur „Lureley“, einem großformatigen, berühmten Gemälde von Carl Joseph Begas dem Älteren. Dort zog Jonas seine Maske ab und erläuterte den Besuchern, warum sie zwei Teile hat. Eine sei der Schönheit der Loreley gewidmet, erklärte er. Zugleich sei sie aber auch böse gewesen, weil sie mit ihrem Gesang Schiffe angelockt habe, die dann an Felsen zerschellten.

Zwei Mädchen hatten den „Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen“ von demselben Maler für sich erwählt, eines wegen des Ritters, wie es anhand seiner Maske erklärte, das andere wegen des Drachens.

„Weil ich gerne tanzen mag“ fühlte sich eine andere junge Künstlerin zum Bild „Römische Vigna“ von Franz Ludwig Catel hingezogen. Gleich drei Mädchen hatten aus diesem Grund „Amor und Terpsichore (Apotheose der Tänzerin Fanny Eißler) von Carl Joseph Begas dem Älteren ausgesucht, vor dem sie bei der Präsentation ihrer Masken ebenfalls tänzerisch posierten. Eine Kursteilnehmerin hatte sich schließlich für die Skulptur der Siegesgöttin Viktoria entschieden. Einige Kinder hatten zu ihren Werken sogar kurze Gedichte, sogenannte Elfchen verfasst.

Angekommen im „Atelier“ des Museums trugen die jungen Teilnehmer des Projekts ihren Gästen das Gedicht „Loreley“ von Heinrich Heine vor. Zum Schluss zeigten sie alle Leinwandmalereien, die sie nach ihren Eindrücken von Gemälde und Gedicht angefertigt hatte. Weiter erfuhren die Gäste von den jungen Künstlern noch viel Interessantes zu den Werkzeugen, mit denen sie im Atelier experimentiert hatten: von Schwamm, Spülbürste und Rakel bis hin zum großen Pinsel.

(anna)