Im Wortlaut: Die Rede der Europaabgeordneten Armin Laschet und Cem Özdemir

Im Wortlaut: Die Rede der Europaabgeordneten Armin Laschet und Cem Özdemir

CEM ÖZDEMIR: Kennst Du eigentlich den Unterschied zwischen Baden-Württemberg und Aachen?

ARMIN LASCHET: Hm. Schwer zu sagen. Damals, vor über 20 Jahren, 2005, hat Alemannia Aachen im Gegensatz zum VfB Stuttgart den UEFA-Cup gewonnen...

CEM ÖZDEMIR: Mag ja sein. Aber das mein ich nicht ... Hast Du denn gerade nicht richtig hingeschaut? Der eigentliche Unterschied zum Ländle ist: Die haben hier immer noch den Teufel.

ARMIN LASCHET: Denen fehlt eben ein Oettinger als Teufelsaustreiber.

CEM ÖZDEMIR: Des stemmt!

ARMIN LASCHET: Moruk, naber? Keyifler nasil?

CEM ÖZDEMIR: Was, Kefir? Was soll dass denn heißen?

ARMIN LASCHET: Man, das heißt doch „Oche Alaaf auf Türkisch.

CEM ÖZDEMIR: Türkisch? Nix verstehen... Aber sag mal, wie siehst Du denn aus?

ARMIN LASCHET: Wie denn?

CEM ÖZDEMIR: Na ja, irgendwie Multi-Kulti.

ARMIN LASCHET: Ach so. Ich komme gerade aus der Sitzung des Strategie-Gipfels aus unserer Parteizentrale. Wir wollen im Superwahljahr 2030 gewinnen und deshalb müssen wir uns wieder unseren Wählern anpassen. Aber wie siehst Du denn eigentlich aus?

CEM ÖZDEMIR: Wir wollen natürlich auch gewinnen. Wir kümmern uns aber mehr um Minderheiten. Deshalb werbe ich als Deutschenbeauftragter der GDP um die letzten deutschen Wähler mit unserem Slogan: Sauberkeit, Pünktlichkeit, Stabilität.

ARMIN LASCHET: Was heißt denn GDP?

CEM ÖZDEMIR: Gründeutsche Partei. Grün-deutsch-patriotisch ist die Zukunft. Otto Schily hat gesagt, ich sei perfekt assimiliert. Seitdem nenne ich mich auch nicht mehr Özdemir - ich heiße jetzt Özdemeier. Aber ihr habt doch auch einen neuen Namen ...

ARMIN LASCHET: Ja, ich vertrete die MCU: Muslimisch-christliche Union. Nächste Woche wollen wir unsere Bundesgeschäftsstelle in Adenauer-Erdogan-Haus umbenennen.

CEM ÖZDEMIR: Na ja. Besser als en´d Hos g´macht.

ARMIN LASCHET: Wir wollen endlich wieder regieren. Erinnerst Du dich, dass der damalige Bundeskanzler Friedrich Merz sich mit einem Kniefall vor einer Kreuzberger Döner-Bude für seine deutsche Leitkultur entschuldigt hat. Trotzdem wurden wir abgewählt.

CEM ÖZDEMIR: Das war auch gut so.

ARMIN LASCHET: Na ja, wenns nach euch gegangen wäre, hätten die Deutschen doch eher türkisch lernen müssen, als umgekehrt.

CEM ÖZDEMIR: Immerhin haben wir auf den Kopftuchzwang für Angela Merkel verzichtet! Obwohl es in der CSU dafür viele Sympathien gab.

ARMIN LASCHET: Aber Euer Vorschlag, den Osterhasen zu schächten, war ja das allerletzte.

CEM ÖZDEMIR: Geschenkt. Weißt Du eigentlich noch, wie alles anfing?

ARMIN LASCHET: Klar weiß ich es noch. Die Türkei wurde EU-Mitglied. Dazu musste sie allerdings erst die Kopenhagener Kriterien erfüllen und einen Rosenmontagszug in Istanbul zulassen. Und dann siedelten sich immer mehr deutsche Rentner bei Antalya an, deutsch wurde zweite Amtssprache in der Türkei, die Integration scheiterte und am Ende lernte keiner mehr türkisch.

CEM ÖZDEMIR: Ja stimmt. Und manche Politiker in Ankara sprachen bereits von einer deutschen Parallelgesellschaft, die sich an der türkischen Mittelmeerküste gebildet habe. Sie forderten zwangsweise Integrationskurse für Deutsche. Dort sollten sie lernen, dass man nicht mit Strohhalmen aus Eimern Bier trinkt und nachts um drei nicht „0 du schöner Westerwald” gröhlt.

ARMIN LASCHET: Ja, das war als die CSU ihren politischen Aschermittwoch aus der Passauer Nibelungen Halle in das Atatürk-Stadion in lzmir verlegte.

CEM ÖZDEMIR: Richtig. Und Aschermittwoch durfte es auch nicht mehr heißen. Es hieß dann: Üzelmüzel.

ARMIN LASCHET: Damals entstand der Karnevalsschlager „Am Üzelmüzel, ist alles vorbei.”

CEM ÖZDEMIR: Richtig. Und Kardinal Lehmann erinnerte nach den Karnevalstagen am Üzelmüzel nicht an die Fastenzeit, sondern rief den Ramadan aus.

ARMIN LASCHET: Und der damalige CSU-Chef Horst Seehofer attackierte am Politischen Üzelmüzel den Bundeskanzler.

CEM ÖZDEMIR: Nur die 6000 Anhänger hielten nicht ganz durch, da im Gegensatz zu Passau kein Bier, sondern Raki in rauen Mengen floss.

ARMIN LASCHET: Und hier in Deutschland wurden die Leute immer älter, es gab immer weniger deutsche Kinder. Der Osten wurde entvölkert, es gab ein paar Ureinwohner und die Grünen hatten endlich den Nationalpark Ostdeutschland mit Füchsen, Wölfen und sogar den ersten Bären.

CEM ÖZDEMIR: Was hast Du gegen unser Ökoparadies?

ARMIN LASCHET: Nichts, solange wir hier auch noch wohnen dürfen.

CEM ÖZDEMIR: Dürft ihr. Aber ich flieg jetzt erst mal wieder in die Türkei, um die bayrischen Separatisten dort zu beruhigen, die sich nicht in die Deutsche Gemeinde integrieren wollen.

ARMIN LASCHET: Und was machst Du diesmal mit den Meilen?

CEM ÖZDEMIR: Natürlich der BILD-Zeitung schenken. Die Herren dort brauchen sie dringender, damit sie ihrer anspruchsvollen Arbeit nachgehen können.

ARMIN LASCHET: Wieso denn BILD-Zeitung. Die liest doch kein Mensch mehr. Hürriyet ist der Renner: Schau hier mein heutiger Gastkommentar: Onalti sene yeter. Sira bizde!) 16 Jahre sind genug! Wir sind dran!

CEM ÖZDEMIR: Sag mal, wie gewinnt man denn deutsche Wähler? Ihr habt das doch früher ab und zu mal geschafft.

ARMIN LASCHET: Das ist aber schon lange her. Erst haben wir es mit einem Bayern versucht. Mit Ritter Edmund Stoiber wollten wir die Zuschauer des Musikantenstadels und von Aktenzeichen XY gleichzeitig ansprechen, aber dann hat ihn sein Wahlkampfmanager Spreng so viel Kreide fressen lassen, dass ihn nur noch die Softis gewählt haben.

CEM ÖZDEMIR: Mit dem Traumduo der protestantischen, ostdeutschen Frau von der CDU und dem Bonner Junggesellen von der FDP ging es aber auch nicht besser.

ARMIN LASCHET: Aber die Wahl haben wir nur verloren, weil Kanzlergattin Doris damals ökologisches Hundefutter und den Hunde-Adventskalender mit Kanzlerhund Holly erfunden hat.

CEM ÖZDEMIR: Hauptsache, sie erfindet für den Kanzler-Hund kein ökologisches Haarfärbemittel.

ARMIN LASCHET: Aber wie gewinnt man eigentlich türkische Wähler?

CEM ÖZDEMIR: Erzähle ihnen, dass die Rente sicher ist, berichte von blühenden Landschaften. Schwärme nicht vom Rhein, sondern vom Bosporus, mach Urlaub nicht am Wolfgangsee, sondern am Schwarzen Meer und vor allem: Verspreche ihnen, die türkische Lira 1:1 zum Euro umzutauschen.

ARMIN LASCHET: Oder brauchen wir einen Hirtenbrief?

CEM ÖZDEMIR: Was ist denn ein Hirtenbrief? So etwas wie eine Fatwa vom Bischof?

ARMIN LASCHET: Unser Ordensritter, der Kardinal Lehmann weiß, was ein Hirtenbrief ist. Früher haben die Bischöfe immer gesagt, dass man Adenauer wählen soll. Heute wählen die meisten Kapläne die Grünen und als Euer Joschka mit vom Weltschmerz zermarterndem Blick sagte: „Der Heilige Vater und ich sind um den Weltfrieden besorgt”, da begannen schon die ersten, einen Seligsprechungsprozeß vorzubereiten.

CEM ÖZDEMIR: Heiliger Joschka! Gibt es eigentlich im Heiligenkalender schon einen heiligen Joschka, Herr Kardinal?

ARMIN LASCHET: Natürlich nicht. Aber um heilig zu sein, müsste er erst ein Wunder gewirkt haben.

CEM ÖZDEMIR: Hat er doch. So wie Joschka sich in seinem Leben verwandelt hat ist das ein größeres Wunder als Wasser in Wein zu verwandeln.

ARMIN LASCHET: Und sein Lebenswandel?

CEM ÖZDEMIR: Der Heilige Karl der Große, den Ihr in Aachen so verehrt, hatte zig Frauen und außerdem noch dutzende Kinder...

ARMIN LASCHET: Aber Heilige haben wir in der CDU auch!

CEM ÖZDEMIR: Meinst Du etwa Hermann-Josef Arentz und Laurenz Meyer. Aber die stehen doch schon in der Bibel: Sehet die Vöglein auf dem Felde: sie säen nicht, sie ernten nicht und unser himmlischer Vater ernährt sie doch.

ARMIN LASCHET: Das war wohl weniger der Vater im Himmel als das RWE auf Erden. Nein, unser Heiliger heißt Bernhard Vogel. Der ist als Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz gestorben und nach drei Jahren in Thüringen von den Toten auferstanden. Den könnten wir sogar als Spitzenkandidaten in Anatolien aufstellen und den türkischen Wähler erzählen, er sei schon bei Sultan Suleiman Großwesir gewesen.

CEM ÖZDEMIR: Sultan Suleiman, das war doch im Osmanischen Reich.

ARMIN LASCHET: Ja genau, das war die Zeit als Hans-Dietrich Genscher Außenminister war und nach der Niederlage der Türken vor Wien die Österreich-Sanktionen ausrief.

CEM ÖZDEMIR: Was geschah eigentlich mit den Ex-Promis, nachdem die FDP ihre Selbstauflösung beschlossen hatte?

ARMIN LASCHET: Guido Westerwelle wurde Intendant bei Kanal 18, einem Zusammenschluss von Neun Live, RTL2 und dem Wetterkanal. Die Generalsekretärin Cornelia Pieper leitete die letzten drei Staffeln des Dschungelcamps, bis auch dort alles schrie: „Sie ist kein Star, schmeißt sie da raus”.

CEM ÖZDEMIR: Stimmt! Und in einer Live-Operation vor laufender Kamera wurde der Abgeordnete Brüderle zum Schwesterle verwandelt und ist jetzt Weinkönigin von Rheinland-Pfalz.

ARMIN LASCHET: Richtig, das waren damals die Hartzumschulungerfolge. Wie bei Steinbrück: Als Rüttgers Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen wurde, wirkte Hartz IV blitzschnell. Steinbrück wurde in eine harte, aber zumutbare Tätigkeit vermittelt und wurde Bundesfinanzminister.

CEM ÖZDEMIR: Quatsch mit Soße. Du wirschdt mir no alterssenil. Die Bärbel Höhn wurde Ministerpräsidentin und Rüttgers ging nach Indien, wurde Guru und Baghwan Nachfolger und eröffnete einen Ashram für die Kinder vom Inder!

ARMIN LASCHET: Aber vielleicht hilft uns doch der Fußball im Wahlkampf. Hat nicht der Bundeskanzler Schröder, damals, 2006, die Wahl gewonnen, weil Deutschland Weltmeister wurde? Ich habe mir extra einen Schal von Fenerbahce Istanbul besorgt. Mal sehen, ob ich damit hier Punkte machen kann. Meine Damen und Herren, Eminenzen und Exzellenzen, Spektabilitäten und Magnifizenzen, Herr Oberbürgermeister, Herr Landrat, Frau Dr. Gleichstellungsbeauftragte, Herr Dezernent für Multikultur, liebe Kinder: Stimmen Sie mit ein, in den Schlachtruf von Fenerbahce Istanbul: Fenerbahce, Fenerbahce....

CEM ÖZDEMIR: Das ging ja in die Hose. Lass mich mal. Meine lieben deutschen Landsleute. Es gibt blau-weiß und es gibt rot-weiß, es gibt rote und grüne, kluge und dumme. Aber es gibt nur einen Erik Meyer und es gibt nur ein UEFA-Cup-Gewinner. Europas Zukunft ist schwarz-gelb! Herr Kapellmeister: Stimmen Sie das alte deutsche Volkslied an: Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen...

Unsere Foto-Galerien von der AKV-Festsitzung 2005


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