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Aachen: Wunde wächst durch intakte Haut zusammen

Aachen : Wunde wächst durch intakte Haut zusammen

Der in den Stoff eingebaute MP3-Player ist schon fast veraltet, auch Jacken mit eingebauten Handy-Tastaturen gibt es schon. Was also blieb den geschätzten 500 Teilnehmern der 31. Aachener Textilkonferenz da noch Neues zu berichten? Jede Menge!

Mehr denn je zuvor ist die Textilforschung zur interdisziplinär vernetzten Hochtechnologie-Forschung geworden, so das einstimmige Fazit der Organisatoren, dem Deutschen Wollforschungsinstitut und dem Lehrstuhl für Textilwissenschaften (beide an der RWTH).

Schwerpunkt in diesem Jahr war vor allem der Bereich der Textilien in der Medizin und der der „technischen Textilien”.

Stoffe von morgen werden in den Körper eingebaut. „Im Labor können wir schon künstliche Haut herstellen”, konnte Professor Martin Möller (Leiter des DWI) verkünden. Aus molekular beschichteten Garnen wird ein Netz gewebt.

Die spezielle Oberflächenstruktur stellt sicher, dass sich darauf Hautzellen ansiedeln, die zu ganzen Hautlappen nachwachsen. Damit wären ganz neue Wege in der Therapie von Brandwunden möglich, glauben die Forscher.

Das Prinzip ist immer gleich: Aus Textilfasern gewebte Stoffe, die in den Körper eingesetzt werden können, um dort beispielsweise Hautfasern zu verstärken - ein Segen für Leistenbruchpatienten oder Menschen mit gerissenen Gelenkbändern.

Schon denken die Textilforscher über Kollagen-Gerüste nach, auf denen Eigenfleisch-Ersatzherzklappen gezüchtet werden. „Regeneration statt Reparatur ist unser Zauberwort”, nennt Möller das.

Vorbei das Leid mit den Narben am Körper: Dank beschichteter Materialien, auf denen sich körpereigene Zellen ansiedeln können, werden in der Zukunft Wunden einfach mit intakter Haut wieder zuwachsen.

Viel versprechend auch die Zukunft der technischen Textilien: Professor Thomas Gries vom Institut für Textiltechnik an der RWTH benutzte zur Steuerung des Projektors bei seinem Vortrag einen in seine Hemdmanschette eingenähte textile Computermaus.

Schon bald werde es das EKG im Hemd geben, ebenso antibakteriell wirksame Stoffe und vielleicht sogar das Hemd, dass den Deoroller überflüssig macht.

Bei der Konferenz wurde dreimal der „Förderpreis Textil 2004” vergeben:

Maren Schenke (Hochschule Niederrhein, Textiltechnik);

Edith Claßen (für ihre Doktorarbeit am Wollforschungsinstitut, die nachweist, dass Wolle keine Allergien auslösen);

Gunnar Seide (für seine Di-splomarbeit am Institut für Textiltechnik; Verbesserungen in Textil-Färbevorgängen).