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Aachen: Von Lady Gaga gibts höchstens die B-Seite

Aachen : Von Lady Gaga gibts höchstens die B-Seite

Robbie Williams und Lady Gaga, das kann Eric Claßen versichern, bekommt man auf der Frequenz des Hochschulradios nicht zu hören. Und wenn doch mal ein Vertreter des musikalischen Mainstreams von der Redaktion ausgewählt wird, dann gibt es von diesem eher eine B-Seite anstatt des aktuellen Hits zu hören.

Das Publikum weiß die alternative Ausrichtung zu schätzen. Davon ist Eric Claßen überzeugt - und ebenso die rund 30 regelmäßigen Mitarbeiter, aus denen das Hochschulradio zurzeit besteht.

In dieser Woche feiert die Welle 99,1, organisiert als eingetragener Verein, ihren fünften Geburtstag. Begangen wird dieser unter anderem mit einem Sendemarathon: Rund um die Uhr werden die Studenten bis kommenden Montag „on air” sein. So es denn die sonstigen Verpflichtungen zulassen, die das Studentenleben mit sich bringt.

Vom zeitlichen Umfang abgesehen, ist diese Herausforderung für das Team allerdings grundsätzlich eher alltäglich als ungewohnt. Bei welchem Moderator steht demnächst der Heimatbesuch an? Welcher Redakteur steckt gerade in der Prüfungsphase? Das Hochschulradio kann für seine Macher stets nur eine Nebenrolle einnehmen. Und alt wird dort auch niemand: Hat man seinen Abschluss in der Tasche, exmatrikuliert man sich damit auch beim Uni-Hörfunk - neue Stimmen werden also stets gebraucht.

Innerhalb der Zielgruppe ist die Fluktuation nicht weniger hoch. Schließlich schreiben sich jedes Jahr Tausende von Studenten an den Aachener Hochschulen ein - und die müssen erst einmal mitbekommen, dass es neben den professionellen Sendern noch eine studentische Alternative gibt.

Neben Musik aus der Independent-Sparte sollen diese auch durch die Arbeit der Wortredaktion angesprochen werden - selbstredend durch einen Fokus auf studentenrelevante Themen, oft aufbereitet in Themensparten wie der „Weiberwelle” (Frauen) oder der „Fankultur” (Sport). Um kritische Berichterstattung sind Chefredakteur Martin Oelmeier und seine Leute bemüht, auch wenn ihre Arbeit durch Unigelder finanziert wird.

Außerdem müssen stets Praktikanten ausgebildet werden. Dieser Part kommt Giulia Paltrinieri zu: „Schön ist, dass die Meisten sich nach ihrem Praktikum nicht einfach verabschieden, sondern sich weiter beteiligen wollen.” Die Motivation, neben dem Unistress unentgeltlich Radio zu machen, kann unterschiedlich ausfallen: Für die einen ist es ein Hobby, für die anderen Karrierevorbereitung. Zum Beispiel für Philipp Kageneck, der heute für den NDR auf Sendung ist. „Zuerst dachte ich: Da muss ich mich jetzt aber ganz schön strecken um mitzukommen”, erinnert sich der ehemalige Student der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH). Er durfte jedoch feststellen, dass er beim Hochschulradio doch mehr gelernt hatte, als angenommen: „Der Übergang war nahtlos.”

Wie viele Hörer es nun eigentlich gibt, lässt sich für das Team technisch nicht ermitteln. Der Sendemast jedenfalls, angebracht auf einem der Studententürme an der Rütscher Straße, darf in Sachen Reichweite die Stadtgrenzen nicht passieren - Lizenzierungssache. Weiter kommt das Hochschulradio da schon mit dem Standbein Internet unter www.hochschulradio-aachen.de: „Uns haben sogar schon mal ein paar Hörer aus Russland und aus den USA geschrieben”, erzählt Eric Claßen. „Keine Ahnung, wie die auf uns gekommen sind.” Die Wortbeiträge verstanden die ausländischen Hörer zwar nicht, wohl aber wusste die Musikauswahl zu gefallen - Lady Gaga und Robbie Williams spielen anscheinend auch andernorts schon genügend Sender.

Auf der Welle 99,1 feiert das Hochschulradio seinen fünften Geburtstag unter dem Titel „Radiorausch - 7 Tage Mikrofon-Marathon”. Gestartet ist das Dauerprogramm in der vergangenen Nacht um 00.01 Uhr.

Ab Samstag, 7. Mai, wird es eine Ausstellung im „Leerzeichen”, Viktoriastraße 10, geben. Dort lässt das Hochschulradio seine Geschichte Revue passieren, außerdem gibt es eine Lesung mit lokalen Autoren. Beginn ist um 13 Uhr. Abends gibt es in der Junkerstraße 101 („Langer Turm”) eine Jubiläumsfete.

Am Sonntag und Montag, 8. und 9. Mai, verlagert das Geschehen sich wieder ins „Leerzeichen”. Samstag gibt es von 14 bis 16 Uhr einen Live-Talk, Montag findet ab 17 Uhr ein Spezial der Sendung „Kulturschock” statt.