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Aachen: Tops und Flops der technischen Entwicklung

Aachen : Tops und Flops der technischen Entwicklung

Mit einer Podiumsdiskussion und somit ganz ohne wissenschaftlichen Vortrag wurde die Ringvorlesung zum Thema Mobilität und Kommunikation beendet.

Mit der Frage „Was verstehen wir eigentlich von Mobilität und Kommunikation?” nahm man die Tops und Flops von Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet unter die Lupe.

Unter der Leitung von AZ-Redakteur Robert Esser und unter reger Anteilnahme des interessierten Publikums gingen die Experten aus Technik, Geographie, Informatik und Psychologie den jüngsten Errungenschaften im Bereich Kommunikation und Verkehr auf den Grund.

Nutzer oft außen vor

Einig war man sich in der Feststellung, dass bei der fortschreitenden Entwicklung der Mensch als derjenige, der die neue Technik am Ende nutzen soll, oft außen vorgelassen wird. „Nicht alles, was machbar ist, wird sich in der Praxis auch durchsetzen”, so Prof. Dr. Günter Debus vom Institut für Psychologie.

Der Mensch als unberechenbarer Faktor macht in vielen Bereichen die größten Probleme. Eine These, die sich auch beim nun endlich erfolgreich eingeführten Mautsystem widerspiegelt. „Ob das Mautsystem wegen der auf Landstraßen ausweichenden Lkw-Fahrer ausgeweitet werden muss, bleibt abzuwarten”, so Prof. Dr. Dirk Abel vom Institut für Regelungstechnik. „Hier ist die wirtschaftliche Zielsetzung entscheidend. Ob der erste Preisvorteil auf Dauer den Termindruck ausgleicht, glaube ich nicht.”

Auch die neuen Fahrerassistentsysteme stehen noch auf dem Prüfstand. Hier bleibt abzuwarten, wie die Konsumenten die neue Technik annehmen. „Eine Akzeptanz scheint mir fraglich. Die Autofahrer, zumindest in Deutschland, wollen selbst noch was tun”, prophezeite Informatiker Prof. Dr. Otto Spaniol.

Dies unterstrich auch der Kollege Abel: „Es ist schon ein gewisser Overkill festzustellen. Die Überkomplexisierung in einigen Fahrzeugen ist enorm. Da kommunizieren schon mal 70 Rechner gleichzeitig mit- und gegeneinander.” Und weiter: „Oldtimer wird es in Zukunft nicht mehr geben. Bei dieser komplexen Technik werden die Autos keine 30 Jahre mehr laufen.”

Bedienbarkeit wichtig

Viele technische Errungenschaften sind sehr sinnvoll und gehören wie selbstverständlich zum Alltag. „Auf die Bedienbarkeit kommt es an”, warnte Prof. Dr. Peter Gräf vom Geographischen Institut. „Die Schere zwischen den neuen Informationstechniken und denjenigen, die diese bedienen können, geht immer weiter auseinander.”

Hier schloss sich Prof. Dr. Klaus Beckmann vom Institut für Städtebauwesen und Stadtverkehr an. „Der Nutzen neuer Technologien überwiegt - solange diese zugänglich sind.”