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Berlin: Teurer Weg zur Uni: Studenten zahlen immer mehr für ihre Mobilität

Berlin : Teurer Weg zur Uni: Studenten zahlen immer mehr für ihre Mobilität

Mit der „Ente” zur Vorlesung, dem „R4” zur Demo und in den Semesterferien im „Bulli” quer durch Südeuropa - das sind Geschichten aus längst vergangenen Studentenzeiten, als Sprit noch günstig war und Mobilität wenig kostete.

Heute dagegen können sich viele Studierende wegen der steigenden Kraftstoffpreise den Luxus des eigenen Autos nicht mehr leisten. Sogar wer ohne Wagen auskommen muss, zahlt inzwischen immer mehr für seine Mobilität: Auch die Kosten für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ziehen an.

Studierende in Deutschland haben nach Zahlen des Deutschen Studentenwerks (DSW) in Berlin aus der jüngsten Sozialerhebung von 2006 im Schnitt 770 Euro pro Monat zur Verfügung. Davon geben sie 82 Euro für das Auto oder für den ÖPNV aus, sagt DSW-Sprecher Stefan Grob. In der Liste der Ausgabenpositionen steht damit der Punkt Mobilität an dritter Stelle nach Miete (266 Euro) und Ernährung (147 Euro) und noch vor den Posten Freizeit, Kultur und Sport (62 Euro), Krankenversicherung, Arztkosten und Medikamente (54 Euro), Kleidung (50 Euro), Kommunikation (43 Euro) und Lernmittel (35 Euro).

Nach Verkehrsmitteln aufgeschlüsselt, entfallen laut Stefan Grob im Bundesdurchschnitt auf das Auto monatlich 116 Euro und auf den ÖPNV 25 Euro. Damit haben sich die Mobilitätskosten für die Studierenden in den vergangenen zehn Jahren um einiges erhöht: So gaben sie im Jahr 1997 für das Auto im Schnitt nur 97 Euro und für den ÖPNV nur 20 Euro aus. „Die Mobilitätskosten sind gestiegen, und das obwohl immer mehr Semestertickets eingeführt wurden”, so Stefan Grob.

Dabei bietet diese spezielle Dauerkarte der Verkehrsverbünde Studenten noch Vorteile, sagt Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin: „Wenn das Semesterticket im Semesterbeitrag enthalten ist, ist das eine recht günstige Art, sich zu bewegen.” Würden Studenten die regulären Dauerkarten der Verkehrsbetriebe nutzen, müssten sie deutlich mehr bezahlen.

Doch auch mancher Verkehrsbetrieb hat in den vergangenen Jahren wegen der steigenden Energiepreise die Gebühren erhöht, was wiederum den dafür bestimmten Posten im Semesterbeitrag verteuert hat. Viele Universitäten mussten aus diesem Grund ihre Semestergebühren anheben, sehr zum Leidwesen vieler Studenten. Außerdem kann längst nicht jeder an seinem Studienort auf ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz zurückgreifen, wie eine Erhebung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh zur Mobilität von Studierenden aus dem Jahr 2007 belegt.

So zeigen sich zwischen Universitäten und Fachhochschulen Unterschiede bei der Wahl des Verkehrsmittels, die der Studie zufolge mit der Infrastruktur größerer Universitätsstädte und eher kleinerer FH-Standorte zusammenhängen: Universitätsstudenten nutzen weit häufiger das Fahrrad (43 Prozent) und den ÖPNV (61 Prozent) als ihre Kommilitonen an der FH (25 und 42 Prozent). An einer FH Eingeschriebene fahren dagegen häufiger Auto als an einer Uni Studierende (50 Prozent gegenüber 25 Prozent). Insgesamt betrachtet nutzen Studierende in Deutschland für den Weg zur Hochschule am häufigsten den ÖPNV (56 Prozent), gefolgt von Fahrrad (37 Prozent) und Auto (32 Prozent), 27 Prozent gehen zu Fuß.

Pauschale Ratschläge, wie Studierende ihre Mobilitätskosten im Rahmen halten können, sind somit schwierig. Denn wer in einer dünn besiedelten Region ohne vernünftigen Bus- und Bahnanschluss noch bei den Eltern wohnt und zur Fachhochschule pendelt, dürfte kaum aufs Auto verzichten können. Studierende an einer Großstadt-Uni kämen zwar bequem per Rad oder zu Fuß zur Vorlesung, müssten aber über den Semesterbeitrag dennoch das Semesterticket für den ÖPNV bezahlen.

Anna Fehmel vom VCD empfiehlt, von Fall zu Fall zu entscheiden. Wer nicht aufs Auto angewiesen ist, sollte es häufiger stehen lassen oder ganz abschaffen, da die Kosten fürs Auto einen höheren Posten ausmachten als das Semesterticket. Das günstigste Verkehrsmittel sei immer noch das Fahrrad. Für Fahrten in den Heimatort bietet sich laut Fehmel dann die Bahncard an. Studierende unter 26 Jahren zahlten etwa für die Bahncard 50 nur die Hälfte an Jahresbeitrag. Und die Bahncard 25 lasse sich wiederum mit anderen Sparpreisen der Bahn kombinieren. Für Langstreckenpendler ergeben sich somit einige Sparmöglichkeiten.

Wer nicht ohne Auto zur Uni kommt, sollte Fahrgemeinschaften bilden, um das Fahrzeug besser auszulasten und die Kosten für jeden Einzelnen gering zu halten, sagt Fehmel. „Es muss ja nicht jeder mit dem eigenen Auto fahren.” Für den Fall, dass kein Kommilitone in der Nachbarschaft wohnt, gibt es Mitfahrzentralen oder Mitfahrbörsen im Internet.

Studenten fahren meistens betagte Gebrauchtwagen

Bei der Wahl des Studentenautos dominiert nach Einschätzung von Branchenexperte Nick Margetts die Preisfrage. Markenüberlegungen seien sekundär, sagt der Geschäftsführer des Marktbeobachters Jato Dynamics in Limburg. In fast allen Fällen müsse ein Gebrauchtwagen herhalten. „Passen kann beim finanziell ohnehin schwer belasteten Studenten alles, was preiswert erscheint”, sagt Margetts. Allerdings entpuppten sich viele „Schnäppchen” schnell als Geldfresser.

Außerdem führe der Zwang zum Sparen dazu, dass viele Studenten in schrottreifen Altautos ohne nennenswerte Sicherheitsausstattung unterwegs sind. Bessere Alternativen bieten sich denjenigen, die etwas Geld auf der Kante haben: Sie könnten sich in der Ära der Billigautos sogar einen günstigen Neuwagen leisten. In der Kategorie „unter 9000 Euro” stehen laut Margetts fast 20 Modelle zur Wahl.