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Aachen: „Super C”: Zum Start eine Probebohrung

Aachen : „Super C”: Zum Start eine Probebohrung

Es soll ein Wahrzeichen für die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule und für die Stadt Aachen werden. Das so genannte „Super C”, das künftige Servicezentrum neben dem Hauptgebäude der TH, vereint ungewöhnliche Architektur mit zukunftsweisender Technologie.

Denn durch einen 2500 Meter tiefen Schacht wird mit in Aachen selber entwickelter Technologie - der Geothermie - Erdwärme gefördert, die zur Energieversorgung und Klimatisierung des „Super C” verwandt werden wird. Mit Probebohrungen begann jetzt die Realisierungsphase des Aufsehen erregenden Projektes.

Eigentlich sollte es ja 100 Meter in die Tiefe gehen, aber am Mittwochnachmittag gegen 17 Uhr war dann Schluss - bei 69 Metern.

Der Bohrer hatte es schwer, sich durch das dort liegende Material mit vielen sehr harten Steinen zu arbeiten. Doch für die gewünschten Erkenntnisse reichte die Bohrtiefe aus.

„Es ging uns darum festzustellen, wie die Schichten hier liegen, und welches Material wir antreffen, um dann bei der Hauptbohrung zu wissen, mit welchen Werkzeugen gearbeitet werden muss”, Professor Dr. Josef Klostermann, Direktor des Geologischen Dienstes, der zentralen geowissenschaftlichen Einrichtung des Landes NRW, war zufrieden.

Und für Dr. Béatrice Oesterreich, die die Bohrung auswertet gab es - quasi in einem Aufwasch - Fakten für die geologische Kartierung Aachens. Ein solches Werk gebe es nämlich bislang nicht.

So interessiert der Hausherr, Rektor Professor Dr. Burkhard Rauhut, an den Ergebnissen auch war, geht es ihm auch und wohl vor allem um die schnelle Realisierung des künftigen Servicezentrums am Templergraben. Und dazu gibt es Fakten und noch nicht gänzlich gelöste Aufgaben.

Zunächst die Fakten: Die Hauptbohrung, durch die die Geothermie-Sonde in die Tiefe gelassen werden wird, beginnt im Sommer 2003, also in zehn bis höchstens zwölf Monaten.

Dauern wird sie ein Vierteljahr - allerdings arbeitet der Bohrer in diesen drei Monaten rund um die Uhr und an allen Tagen. Ist die Bohrung fertig, kann der Hochbau der Architektinnen Fritzer und Pape beginnen.

Noch zu lösen sind vor allem zwei Fragen: Das Bohren verursacht Krach, nur etwa 200 Meter vom Bohrloch entfernt gibt es die nächsten Wohnungen. Schallschutz wird nötig, und dafür gibt es zwei Wege. Entweder einen aktiven Schallschutz, also Lautsprecher, die rund um das Bohrloch aufgestellt werden und deren Schallwellen sich mit denen der Bohrung so überlagern, dass kein Krach mehr entsteht. Die zweite Variante: Die Bohrmaschine wird gekapselt.

Das nächste Problem ist - ziemlich genau - zur Hälfte gelöst. Das Projekt „Super C” wird vom Land und der EU bezuschusst, aber die Hochschule muss einen Eigenanteil von sechs bis sieben Millionen Euro aufbringen.

Rauhut hofft auf Spenden aus der Wirtschaft, für die eine attraktive RWTH natürlich ein unbezahlbarer Standortvorteil ist, aber auch von technikbegeisterten Privatleuten.

„Die Hälfte des Geldes haben wir zusammen.” Aber: Die andere Hälfte fehlt natürlich noch. „Es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass nur große Schecks etwas ausrichten. Wir haben auch 50-Euro-Spenden bekommen. Und wir versprechen, dass jeder Spender sich nachher im Gebäude wiederfindet.”

Wer Interesse hat, sich weiter zu informieren, oder sich am Projekt beteiligen möchte, könne sich im Rektorat der RWTH (0241/8094000) melden, oder im Internet nachschauen.

Doch damit ist Rauhuts Kreativität nicht erschöpft. Spontan entwickelte er am Donnerstag bei der Präsentation der Ergebnisse der Probebohrungen eine weitere Idee: „Wenn es an die Hauptbohrung geht, werden wir das Material in Gläser packen und an Interessenten verkaufen - natürlich mit einem genauen Hinweis, aus welcher Tiefe es stammt.”