Aachen: Streik vor dem Ende? „Wollen nicht die Bildung blockieren”

Aachen: Streik vor dem Ende? „Wollen nicht die Bildung blockieren”

Manchmal rutscht es dann doch heraus, dieses Unwort, das eigentlich keiner in den Mund nehmen will: Von „Besetzung” spricht da plötzlich der Sprecher der protestierenden Studierenden - und hält sich schnell die Hand vor den Mund.

Schließlich nennen sie die seit Donnerstagabend laufende Dauerveranstaltung im Hörsaal FO3 des Kármán-Auditoriums, die den Aachener Beitrag zum bundesweiten Bildungsstreik darstellt, ja wie berichtet doch lieber nur „unbefristetes Plenum”.

Seit Montagmorgen ist daraus ein unterbrochenes Plenum geworden. Eine erste Vorlesung findet wieder statt, der die Streikenden „beiwohnen”, wie der Sprecher später berichtet. Außerdem erklären sie den lernwilligen Studenten, was es mit ihrer Aktion auf sich hat.

„Wir wollen ja schließlich nicht die Bildung blockieren”, erklärt der Sprecher das Umdenken, das im Laufe des Sonntags eingesetzt habe. So ist der Hörsaal weiter „besetzt”, aber eigentlich gilt das nur noch zwischen den Vorlesungen.

Wodurch sich an diesem Montag aber nicht viel ändert: Außer der einen Veranstaltung sind alle anderen Lehrtermine bereits verlegt worden. Die Streikenden haben genug Zeit und Raum, im Hörsaal Transparente für die Demo am Dienstag ab 13 Uhr ab Theaterplatz zu malen.

Und aller Voraussicht nach werden sie vor der Demo den Hörsaal komplett räumen. Dies haben die Studierenden angeboten, falls ihnen die Hochschule einen Raum zur Verfügung stellt, in dem sie ihr Bildungsplenum ein Mal wöchentlich fortführen können. „Die Resonanz seitens der anderen Studierenden ist so groß, dass wir die Diskussion dauerhaft fortsetzen wollen”, sagt der Sprecher.

Dass die Hochschule diesen Wunsch erfüllen möchte, bestätigt Manfred Nettekoven auf AZ-Anfrage. „Bis Weihnachten haben wir bereits eine Lösung gefunden”, sagt der RWTH-Kanzler und betont, dass die Hochschulleitung mit den Studentenprotesten „von vornherein deeskalierend” umgegangen sei. Und auch im neuen Jahr wolle man den Studenten einen Raum anbieten.

Damit dürfte die Besetzung namens Plenum spätestens am Dienstag beendet sein. Vier Nächte hat der harte Kern der Streikenden im Hörsaal übernachtet, gegessen und diskutiert, gekocht wurde derweil in der Fachschaft. Am Montag schickt außerdem das Studentenwerk eine gern gesehene Solidaritätsadresse - nämlich Kaffee und belegte Brötchen.

Und aufräumen muss am Ende wohl auch keiner. Denn die Studenten waren ordentlich. „Wir haben jeden Morgen geputzt”, sagt der Sprecher.

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