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Düsseldorf: Scharfe Vorgaben für die Hochschulen

Düsseldorf : Scharfe Vorgaben für die Hochschulen

Die 58 NRW-Hochschulen müssen ihr Fächerangebot künftig an der Auslastung der Studiengänge ausrichten und den Bedarf der Studienabsolventen auf dem Arbeitsmarkt im Blick behalten.

Die Konzentration auf profilierte Lehr- und Forschungsfächer soll nach Angaben von Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft (SPD) zu einem effizienteren Einsatz der Landesmittel und besseren Ergebnissen im Forschungsbereich sowie messbaren Erfolgen in der Lehre führen.

Kraft schloss bei der Vorstellung des Hochschulkonzepts 2010 die Schließung wenig ausgelasteter Studiengänge an einzelnen Hochschulen im Jahr 2006 nicht aus.

Bis Ende 2004 will die Ministerin mit den NRW-Hochschulen Zielvereinbarungen zur Profilbildung abschließen. Dabei sollen frei werdende Kapazitäten durch die Streichung wenig ausgelasteter Studiengänge in zukunftsfähige Bereiche der Hochschule umgeschichtet werden.

„Es geht nicht um Abbruch, sondern um mehr Wettbewerb und mehr Eigenverantwortung an den Hochschul-Standorten”, begründete Kraft die stärker marktwirtschaftliche Ausrichtung.

Wenn Studienfächer an einzelnen Standorten zu weniger als 80 Prozent ausgelastet oder Arbeitsmarkt-Prognosen für Absolventen schlecht seien, müssten Mittel konzentriert und umgeschichtet werden.

So sollen etwa die Kapazitäten für Architektur-Studenten wegen der hohen Zahl arbeitsloser Architekten landesweit um 25 Prozent reduziert werden. Auch in der Slawistik sowie im Fach Maschinenbau empfehlen die Experten eine Kürzung um 20 Prozent des Angebots.

„Wir halten den Hochschulen den Spiegel vor und wollen sie verpflichten, Überkapazitäten abzubauen”, sagte Kraft. Dabei werde das Land seine landesplanerische Aufgabe wahrnehmen. „Unser Konzept wird nicht dazu führen, dass landesweit keine Sinologie mehr angeboten wird”, versprach die Ministerin.

Der CDU-Hochschulexperte Manfred Kuhmichel kritisierte, NRW schütte die Hochschulen „mit planwirtschaftlichen Programmen zu”. Die Wissenschaftsministerin setze auf Überregulierung und führe die Hochschulen in einen Wettbewerb mit „angezogener Handbremse”, klagte Kuhmichel.

Dagegen begrüßte Grünen-Hochschulexpertin Ruth Seidl die Festlegung von Kapazitätszielen: „Gerade vor dem Hintergrund knapper Kassen ist eine effiziente Umschichtung von Ressourcen im Hochschulbereich eine notwendige Herausforderung.”

RWTH-Rektor Burkhard Rauhut geht nicht davon aus, dass in Aachen Studiengänge gestrichen werden, rechnet aber damit, einige „schwächere” Fächer der Philosophischen Fakultät gegenüber dem Ministerium verteidigen zu müssen: „Die brauchen wir zur Profilbildung der Technischen Hochschule.”

Die Fakultät für Architektur wird etwas Federn lassen müssen, während der landesweit schlecht ausgelastete Maschinenbau dank des erstklassigen Rufes der TH zu fast 100 Prozent belegt ist.

Die Fachhochschule Aachen müsste nach den Leistungskriterien des Ministeriums nichts abgeben, erklärte Kanzler Reiner Smeets unserer Zeitung. Man wisse aber nicht, ob das Studienangebot bei weiteren Stellenkürzungen zu halten sei.