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Aachen: Sandwichbleche machen Autos leichter

Aachen : Sandwichbleche machen Autos leichter

Fraglich, ob dieses Sandwich seinem Erfinder, dem gleichnamigen Lord, geschmeckt hätte.

Der europäischen Autoindustrie könnte, nach Plänen des Instituts für Bildsame Formgebung der RWTH Aachen, dieses neue Sandwich aus Blech und Kunststoff schon bald schmecken.

Durch so genannte Sandwichbleche, eine Verbindung zweier dünner Stahl- oder Alubleche und einem etwas dickeren Kunststoffkern dazwischen - zusammen etwa einen Millimeter dick - könnte am Gewicht von Autos gespart werden.

Einzelne Bauteile würden so bis zur Hälfte leichter. Und je leichter ein Fahrzeug, desto weniger Sprit verbraucht es.

Bei dem, von der EU geförderten Programm „APOLLIS”, das Anfang 2004 ausläuft, forschen verschiedene europäische Universitäten und Institute, die Materialhersteller Corus und Alcan sowie Fahrzeughersteller, etwa Porsche, Karman, Peugot, Fiat oder Ford, an der Serienreife dieser Bleche.

Spart man bei einem Mittelklassewagen 100 Kilogramm ein, kann man den Verbrauch um einen viertel Liter auf 100 Kilometer senken. „Da macht es dann die Masse”, denkt Dipl.-Ing. Marc Nutzmann von der RWTH, der an dem Projekt von Professor Reiner Kopp, dem Leiter des Instituts, mitarbeitet. Eine Einsicht, die vielleicht auch den Autoherstellern aufgehen könnte, denn bis 2012 müssen sie beim Kohlendioxidausstoß einsparen.

Allerdings muss das Sandwich den Herstellern noch schmackhaft gemacht werden, denn in der Herstellung wäre man immer teurer als bei herkömmlichen Blechen. Grund hierfür ist das Verbinden zweier Materialien, die nicht geschweißt werden können, da der Kunststoffkern ab 180 Grad schmelzen würde.

Folglich müssen andere Fügetechniken wie Kleben oder Nieten erforscht werden. Dies geschieht zum Beispiel an Universitätsinstituten in Genua (IIS), Eindhoven (TNO) und Warwick (WMG).

Allerdings sind diese Bleche nur bei großen Flächen - etwa Motorhaube und Dach - sinnvoll, an denen viel Gewicht gespart werden kann. Hier liegt auch der große Vorteil: Die Bleche weisen eine große Steifigkeit auf.

An vielen Stellen, etwa der Motorabdeckung, könnte man sich so zusätzliche Stabilisierungsbleche sparen und somit auch effektiv eine Material- und Kostenersparnis für die Hersteller erreichen.

Bisher werden diese Bleche nur bei Prototypen eingesetzt. Eine Serienreife und breitere Anwendung im Fahrzeugbau prophezeit Nutzmann um das Jahr 2010. Mit einer Ausnahme: Zwei Abdeckbleche in den vorderen Fußräumen des Audi A2 sind bereits jetzt Sandwichbleche.