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Online-Umfrage der RWTH Aachen zur Lebenszufriedenheit in Coronazeiten

Homeoffice : „Die Stimmung wird über die Zeit immer schlechter“

Eine Online-Befragung der RWTH Aachen zeigt: Der zweite Lockdown bereitet gerade Menschen im Homeoffice mehr psychische Probleme als der erste.

Im Lockdown beherrschen Beschränkungen unseren Alltag. So wenig soziale Kontakte wie möglich, heißt die Devise. Viele Menschen haben deshalb ihr Büro mit dem heimischen Arbeitszimmer getauscht, sitzen mit Laptop und Smartphone im Gästezimmer oder am Küchentisch. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Gefahr, sich bei Kollegen mit Covid-19 anzustecken, ist minimiert, Beruf und Privatleben lassen sich besser miteinander vereinbaren, und die Wirtschaftsprozesse laufen trotzdem weiter. Doch was im ersten Moment wie das perfekte Modell auch für die Zeit nach der Pandemie klingt, bereitet nicht wenigen Erwerbstätigen immer größere Probleme.

„Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, ein Interessenverlust an Dingen, die einem ansonsten im Leben Spaß machen und auch Schlaflosigkeit sind im zweiten Lockdown bei Menschen im Homeoffice stark ausgeprägt“, sagt Lina Winkler. Sie ist Mitglied einer Arbeitsgruppe an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik unter Leitung von Professor Klaus Mathiak an der RWTH Aachen und erforscht seit April 2020 die psychosozialen Auswirkungen von Homeoffice, Distanzunterricht und Kontaktbeschränkungen.

Im April und Juli 2020 sowie im Januar 2021 hatten Professor Mathiak und sein Team die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer nicht-repräsentativen Online-Befragung unter anderem nach ihrer Lebenszufriedenheit im Lockdown befragt. Auch wenn die endgültige Auswertung der Studie noch aussteht – eine Tendenz kann Lina Winkler bereits feststellen: „Die Stimmung wird über die Zeit immer schlechter.“

Traurigkeit und Angst, die Erwerbstätige im Homeoffice im ersten Lockdown bei sich feststellten, haben sich über die Monate noch einmal verstärkt. „Gefühle von Angst und Hoffnungslosigkeit machen sich jetzt auch körperlich bemerkbar“, betont die RWTH-Mitarbeiterin. Bei Menschen, die zumindest tageweise ins Büro gingen, sei diese Verschlechterung nicht mit gleicher Ausprägung festzustellen. Das zeige, wie wichtig die soziale Komponente sei, so die Expertin. „Die Arbeit im Büro gibt Struktur. Man zieht sich morgens an, fährt ins Büro, trifft Kollegen. Das hat man im Homeoffice nicht“, sagt Lina Winkler.

Online-Umfrage der RWTH Aachen zur Lebenszufriedenheit in Coronazeiten

Erste Analysen der Befragungen zeigen, dass die psychischen Dimensionen mit der Dauer der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen auch bei Menschen zunehmen, die nicht mobil arbeiten. „Wir haben zum Beispiel Erwerbstätige in systemrelevanten Berufen nach ihrer Lebenszufriedenheit befragt. Im ersten Lockdown war die Anzahl jener, die traurig oder hoffnungslos waren, weitaus niedriger als im Januar“, erklärt Lina Winkler.

Übrigens fühlen sich laut RWTH­-Studie Frauen durch die Coronavirus-Maßnahmen häufiger niedergeschlagen, schlafen schlechter und verspüren mehr körperliche Symptome von Angst im Vergleich zu Männern. Ergebnis ist auch, dass Eltern und Paare mit Kindern häufiger gereizt, aber gleichzeitig auch seltener traurig sind im Vergleich zu Paaren ohne Kinder.