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Aachen: RWTH-Studierende unterrichten Schüler

Aachen : RWTH-Studierende unterrichten Schüler

Was ist Hartz 4, was eine Rentenreform? Solchen und ähnlichen Fragen versuchten die Schüler der Maria-Montessori-Gesamtschule im vergangenen Halbjahr auf den Grund zu gehen.

„Die Idee kam von den Schülern. Das Interesse an einer Politik-AG war einfach sehr groß”, berichtete Lydia Becker-Jax, Montessori-Koordinatorin an der Gesamtschule.

Kurzum wandte man sich an das Institut für Politische Wissenschaft der RWTH, wo das Konzept für die Politik-AG entwickelt wurde. „Unsere Studierenden waren sofort begeistert. Die wollen jede Gelegenheit nutzen, um unterrichten zu können”, freute sich Dr. Ingo Scholz vom Politikinstitut.

Zwölf Lehramtsstudenten erklärten sich bereit, den Schülern die Grundbegriffe der Politik näher zu bringen. Positiver Nebeneffekt: In der Schule konnten die angehenden Lehrer und Lehrerinnen erste praktische Erfahrungen sammeln.

„Das erste Thema haben wir vorgegeben. Danach sollten die Schüler entscheiden, was weiter behandelt werden soll”, erklärte Anke Kurth. Die Studentin war beeindruckt von der Themenauswahl der Siebt- und Neuntklässler.

Die Schüler hatten großes Interesse an der Arbeitsmarktreform Hartz 4, auch Probleme bezüglich der gesetzlichen Altersvorsorge wurden lebhaft diskutiert. „Wenn ich die Erwachsenen über solche Sachen reden höre, weiß ich nie, worum es eigentlich geht. Das wollte ich ändern”, begründete Isabelle Haven aus der 9d ihr Interesse.

Klassenkameradin Melanie Mortele interessierte die Altersvorsorge: „Die gesetzliche Rente wird immer geringer. Sobald ich meine erste Stelle habe, werde ich privat fürs Alter vorsorgen.”

Den Schülern war die Teilnahme an der AG freigestellt, umso erfreulicher, dass ausnahmslos jede Sitzung gut besucht war. Nicht nur die Schüler haben in der Politik-AG viel Neues gelernt, auch die Studenten machten wertvolle Erfahrungen.

„Hier hat man Raum zum experimentieren, der beim klassischen Schulpraktikum oft nicht vorhanden ist”, betonte Carla Seel, die nach Abschluss ihres Studiums Politik an einem Berufskolleg unterrichten möchte.

Wegen des großen Interesses , soll die Politik-AG im kommenden Schuljahr fortgesetzt werden. Die Studenten erklärten sich bereit, ihre Semesterferien zu verkürzen, um für die Schüler nach dem Ende der Sommerferien Anfang August wieder zur Verfügung zu stehen.

Scholz sieht nach dem Start ein Vorurteil widerlegt: „Es stimmt nicht, dass die Jugend kein Interesse an Politik hat. Man muss sie nur behutsam heranführen.”