1. Hochschule

Eschweiler: RWTH-Rektor Rauhut gegen Elite-Uni

Eschweiler : RWTH-Rektor Rauhut gegen Elite-Uni

Bei der Wahl des Gastredners hatte Rudi Bertram ein glückliches Händchen: Der Rektor der RWTH Aachen, Professor Dr. Burkhard Rauhut, sprach über ein top-aktuelles Thema.

Der Universitätsprofessor bezog klar Stellung zu der Forderung nach Elite-Unis beim Neujahrsempfang im Ratssaal: „Eine neue Uni zu gründen, ist Unsinn. Wir haben gute Unis.”

Dankbar für Diskussion

45 Minuten lang zog der RWTH-Rektor die 350 Gäste, darunter viel Prominenz aus Kultur, Politik und Sport, in seinen Bann. Er sei dankbar für die aktuellen Diskussionen. „Schließlich geht es um unsere Zukunft.”

Eine Zukunft, die in den Augen Rauhuts so schlecht nicht aussieht. „Wenn wir so schlecht in der Ausbildung sind, wo würde dann Deutschland heute stehen?” widerspricht er den Pessimisten.

Einige Defizite

Dennoch sieht er einige Defizite im Bildungssystem, denen man allerdings nun entgegentritt. Zum einen sollen die Abschlüsse internationalen Standards entsprechen. Zum anderen müsse der Etat der Unis erhöht werden.

„Wenn die Politik will, dass wir Eliten ausbilden, dann muss sie auch Geld dafür in die Hand nehmen”, fordert Rauhut. Dass Deutschland in diesem Bereich weit hinter den Amerikanern liegt, machte er am Beispiel der Universität Harvard deutlich.

Dort stehen 19 Milliarden Dollar für 11.000 Studenten zur Verfügung, in Aachen beträgt das Budget 400 Millionen Euro für 31.000 Studenten. Auch sei es in den Staaten undenkbar, eine Vorlesung vor der großen Zahl von 500 Studenten zu halten.

Geld werde auch von der hiesigen Wirtschaft gespendet. „Wir müssen schließlich die Dinge erforschen, von denen die Industrie noch gar nicht weiß, dass es sie gibt”, setzt er auf Innovationen.

Strukturelle Veränderungen

Gleichzeitig regt er auch strukturelle Veränderungen an: So müsse man den Übergang von der Schule zur Hochschule erleichtern. „Die jungen Menschen müssen plötzlich frei entscheiden, in der Schule war noch alles vorgegeben.”

Kritik übt Rauhut an den Möglichkeiten für ausländische Studenten: „Wir bilden sie aus und schmeißen sie dann raus”, verweist er auf die USA, wo die Green Card für Ausländer interessant sei. So verliere man ein großes Potenzial.

Auf einem guten Weg

Inzwischen sei man auf einem guten Weg. „Wer so weit Deutsch kann, dass es reicht, sich damit ein Brot und ein Bier zu kaufen, kann auch studieren.”

Im Eilmarsch erläuterte der Rektor die Strukturen der Hochschule, machte anhand weniger Zahlen deutlich, wie der größte Arbeitgeber der Region organisiert ist.