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Berlin: Rektoren gegen „Billigstudienplätze”

Berlin : Rektoren gegen „Billigstudienplätze”

Die Hochschulrektoren haben die Länder davor gewarnt, mit „Billigstudienplätzen” auf den Andrang geburtenstarker Abiturientenjahrgänge zu reagieren.

Bei den in der kommenden Woche beginnenden Verhandlungen über die Fortsetzung des Hochschulpakts über 2010 hinaus müssten Bund und Länder sicherstellen, „dass sich die Bedingungen für gute Lehre an den deutschen Hochschulen nachhaltig verbessern”, sagte die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, am Mittwoch in Berlin.

Die HRK-Präsidentin bekräftige die Forderung der Hochschulen von 2,6 Milliarden Euro mehr pro Jahr, um zusätzliche Studienanfänger aufzunehmen und um mehr Betreuung in den neuen Bachelor-Studiengängen sicherzustellen.

„Kleinere Seminare, mehr intensive Beratung und Prüfungen” erforderten mehr Personal, sagte Wintermantel. Die vom Wissenschaftsrat mit den jüngsten Empfehlungen zur Qualität der Lehre ins Gespräch gebrachte Summe von 1,1 Milliarden Euro bezeichnete Wintermantel als zu gering. Die gewünschte Steigerung der Studentenzahl sei dabei nicht berücksichtigt.

Die Hochschulrektoren lehnen Forderungen ab, Gesellen oder Meister nach erfolgreicher Berufstätigkeit grundsätzlich auch zum Hochschulstudium zuzulassen. Man sei zwar für „Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium”, wolle aber keine „automatische Anerkennung von beruflichen Abschlüssen als Berechtigung zum Hochschulzugang”, sagte Wintermantel.

Aus Sicht der HRK sei es „unabdingbar, die Kenntnisse der Studieninteressenten aus dem Beruf im Einzelnen zu überprüfen”. Dies solle aber nicht „restriktiv” erfolgen.

Die HRK reagierte damit auf Forderungen von Bundesregierung, SPD und auch der Wirtschaft, den Hochschulzugang für qualifizierte Berufstätige ohne Abitur deutlich zu erleichtern. Im internationalen Vergleich sind die Hürden für Nicht-Abiturienten vor dem Studium in Deutschland besonders hoch.

Aus Bundesländern mit Zulassungsregeln für Nicht-Abiturienten wie Niedersachsen und Bremen liegen dagegen seit Jahren positive Erfahrungen vor. Auch Wintermantel sagte, Studenten mit Berufserfahrung seien „in aller Regel besonders motiviert und im Studium entsprechend engagiert”.

Die ursprünglich zum Wintersemester 2010/2011 geplante Vorverlegung des Semesterstarts vom 1. Oktober auf den 1. September muss nach Angaben Wintermantels nun doch um ein Jahr verschoben werden. Unter anderem bereite die zeitliche Verschiebung der Praktika noch Probleme. Mit dem früheren Start des Wintersemesters zum 1. September und des Sommersemesters zum 1. März statt bisher 1. April passt sich Deutschland international üblichen Vorlesungszeiten an.

Die unionsgeführten Bundesländer wollen angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs der Wirtschaft mehr junge Menschen als bisher zum Studium führen. Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) sieht es dabei als „Kernaufgabe” an, den Anteil der Studienanfänger pro Altersjahrgang von heute 36,6 auf künftig 50 Prozent zu erhöhen. Deutschland brauche „mehr akademisches Potenzial”, sagte Frankenberg bei der Vorstellung eines Thesenpapiers der Länder-Wissenschaftsminister von CDU und CSU am Mittwoch in Berlin.

Die 50-Prozent-Quote wird in dem Papier allerdings nicht ausdrücklich genannt. Noch in den 90er Jahren hatten Unionspolitiker eindringlich vor einer „Akademikerschwemme” und dem „taxifahrenden Dr. Arbeitslos” gewarnt.

Die Linke forderte die Bundesregierung auf, die von der HRK berechneten Mehraufwendungen von 2,6 Milliarden Euro jährlich zur Verhandlungsgrundlage des neuen Hochschulpaktes mit den Ländern zu machen. Die Unterfinanzierung der Hochschulen müsse beendet werden, sagte die Abgeordnete Nele Hirsch.

Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, sagte, der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewünschte Bildungsgipfel habe nur Sinn, „wenn er auch ein Finanzierungsgipfel wird”.