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Aachen: Rektor mit dem Klingelbeutel braucht fünf Millionen Euro

Aachen : Rektor mit dem Klingelbeutel braucht fünf Millionen Euro

Nehmen wir einmal an, Burkhard Rauhut wäre nicht Rektor der RWTH Aachen geworden, sondern hätte sich für den Beruf des Staubsaugervertreters entschieden.

Und nehmen wir ferner an, er hätte an den Aachener Haustüren ein neues Produkt zu verkaufen. Dann wäre seiner Firma der wirtschaftliche Erfolg garantiert.

Denn nicht nur als Rektor, sondern auch als Verkäufer hat der Mann unbestreitbar außergewöhnliche Fähigkeiten. Das stellte er eindrucksvoll unter Beweis, als er im Krönungssaal ein noch vor kurzem lediglich als Vision existierendes Vorzeigeprojekt namens „Super C” anpries.

Rauhut redete nicht lange um den heißen Brei herum und sagte klipp und klar, was er und die TH brauchen: Geld. Viel Geld.

Fünf Millionen Euro - um es zu beziffern - müssen in den Klingelbeutel. Soviel fehlt, um das „Super C” aus dem Boden des Templergrabens, wo 49 Jahre lang eine hässliche Baracke stand, zu stampfen. Neben dem Hauptgebäude der Hochschule soll sich das Center in Form einer „schützenden Hand” bis zu 20 Meter in die Höhe und über die Aachener City erheben.

Vor allem Servicefunktionen für die Studierenden sollen auf weit über 5000 Quadratmetern Nutzfläche gebündelt werden. Insgesamt kostet der Bau, der seinesgleichen sucht, 18 Millionen Euro. Neun Millionen Euro gibt der Bund, weitere vier Millionen sind schon in einer Art „Spendentopf”. Das Ford-Forschungszentrum - als ein Motor des Super C - hat eine siebenstellige Summe locker gemacht, die Sparkasse ist als Sponsor gleichfalls im Boot. Um nur zwei Beispiele zu nennen.

Doch das reicht bei weitem nicht. Und so sollte die Präsentation im historischen Rathaus dazu dienen, die Kasse für das zukunftsträchtige architektonische Meisterwerk klingeln zu lassen. Vertreter der hiesigen Wirtschaft und gesellschaftlicher Gruppen wanderten mit dem Rektor durch die virtuelle Version des Bauwerks.

Oberbürgermeister Jürgen Linden und stellvertretender Landrat Hans Körfer hatten vorweg genauso wie Rudolf Kunze als Chef des Ford-Forschungszentrums und IHK-Präsident Michael Wirtz die Bedeutung der Hochschule für die Region einmal mehr hervorgehoben. Da verwunderte es schon, dass sich aus politischen Kreisen bis auf wenige Ausnahmen kaum jemand im Rathaus blicken ließ.

Denn, so die Redner, nur mit einer gesunden Hochschule gebe es eine gesunde Stadt - vor allem auf Arbeitsplätze, Aufträge für die Wirtschaft sowie Kaufkraft der Studierenden bezogen. Doch genau Letztere bleiben Aachen zunehmend fern, wie Professor Burkhard Rauhut konstatieren muss. Deutlich unter 30 000 ist die Zahl gesunken, während etwa in Köln die Einschreibelisten deutlich länger als früher sind.

Ob es daran liegt, dass die Anlaufstellen für Studierende über die halbe Stadt verteilt sind, mag dahingestellt bleiben. Aber ein modernes Aushängeschild, ein technisches Pfund, mit dem die bedeutendste technische Hochschule der Republik wuchern kann, fehlt.

Das Super C - entworfen von den Architektinnen Susi Fritzer und Eva-Maria Pape - soll hier Abhilfe schaffen und neben seinem funktionalen Wert für die ganze Stadt mit Flächen auch für Konzerte oder Ausstellungen eine Art Marketinginstrument für die Hochschule und den Studienstandort sein.

Nun, Burkhard Rauhut ist kein Staubsaugervertreter geworden. Und höchst ungewohnt ist diese „Wir-brauchen-Ihr-Geld”-Aktion für die Hochschule schon, wie er bekundete. Dafür aber hat er eine prima Figur abgegeben. Nach dem Abend im Krönungssaal wird er sich noch über so manchen Euro aus den Taschen der Wirtschaftsbosse oder Institutionen freuen dürfen. Der Countdown hat begonnen - wir zählen von fünf Millionen Euro an abwärts...

Die Spendenhotline für das Projekt C führt schnurstracks zum Rektor persönlich. Wer nämlich zahlen will, soll die 0241/8094000 wählen. Und das ist die Hochschulnummer von Professor Burkhard Rauhut.