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Aachen: Nachsorge für Kinder vertraglich gesichert

Aachen : Nachsorge für Kinder vertraglich gesichert

Eine große Hilfe für kleine Patienten und ihre Familien ist jetzt dauerhaft gesichert: Mit einem Kooperationsvertrag haben der Bunte Kreis der Region Aachen und das Universitätsklinikum Aachen ihre gemeinsame Nachsorge für chronisch, krebs- oder schwerstkranke Kinder besiegelt.

„Was wir in der Praxis schon erprobt haben, ist jetzt in einen Vertrag gegossen worden”, fasste Professor Dr. Helmut Hörnchen, Leiter der Klinik für Neugeborenen- und Konservative Kinderintensivmedizin, zusammen.

Außer seiner Einrichtung sind auch die Kinderklinik unter Professor Dr. Gerhard Heimann, die Klinik für Kinderkardiologie unter Professor Dr. Marie-Christine Seghaye sowie die von Professor Dr. Jaime Vázquez-Jiménez geleitete Kinderherzchirurgie an der Kooperationsvereinbarung beteiligt.

Ziel der Zusammenarbeit mit dem in Aachen 2001 gegründeten Verein „Der bunte Kreis” ist es, Familien mit schwerkranken oder behinderten Kindern den Alltag nach der Entlassung aus der Klinik zu erleichtern.

Bereits während der Behandlung im Krankenhaus identifizieren die Ärzte und das Pflegepersonal die Kinder, deren Erkrankung besonders schwerwiegend ist und bei denen eine besondere Belastung der Familie zu erwarten ist. Auch niedergelassene Ärzte oder Hebammen können sich für ihre Patienten an den Verein wenden.

Kinderkrankenschwestern mit einer speziellen Ausbildung zur „Case Managerin” nehmen bereits im Krankenhaus Kontakt zu den betroffenen Familien auf und unterstützen sie nach der Entlassung des Kindes im privaten Umfeld tatkräftig. „Dieser Kontakt in der Klinik ist ein Grundpfeiler der Zusammenarbeit”, betonte Hörnle bei der Vertragsübergabe.

Kinder- und Jugendärztin Luzie Haferkorn, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, hat beobachtet, dass viele Eltern selbst nach intensiver Vorbereitung plötzlich die Nerven verlieren, wenn sie ihr schwer krankes Kind plötzlich allein versorgen müssen: „Eltern haben zu Hause oft emotionale Schwierigkeiten, die hemmen, damit umzugehen”, stellte sie fest.

Marita Aretz, eine der derzeit fünf Case-Managerinnen, schilderte ihre Aufgaben in der Nachsorge: In jedem Einzelfall erstellt sie einen individuellen Hilfeplan und unterstützt die Eltern zum Beispiel bei der ambulanten medizinischen Versorgung, der Betreuung von Geschwisterkindern oder Behördengängen. Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe - die Case Managerin bleibt, bis die Eltern die neue Situation allein meistern können.

Dass für diese praktische Hilfe großer Bedarf besteht, stellen die Case Managerinnen immer wieder fest: Im vergangenen Jahr haben sie im Raum Aachen 35 Familien betreut, und weitere Anfragen kämen auch aus Düren, Mönchengladbach, der Eifel oder den grenznahen Niederlanden, erläuterte der Vorsitzende des Bunten Kreises, Volker Pöhlsen.

Da jedoch die Kostenübernahme durch die Krankenkassen bisher nicht eindeutig geregelt ist, muss der Verein seine Hilfsleistungen überwiegend aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanzieren. Deshalb müssten auch zukünftige Case Managerinnen, die von Vereinsseite gern gesehen wären, diese die Kosten für die zertifizierte Weiterbildung in Höhe von rund 7000 Euro selbst aufbringen.

Und dennoch mangelt es den Mitarbeitern des Bunten Kreises nicht an Motivation: „Es macht Spaß, Menschen zu helfen, denen es nicht ganz so gut geht wie uns”, sagte Pöhlsen.