Aachen: Nach dem Ansturm folgt das erste Bierchen

Aachen: Nach dem Ansturm folgt das erste Bierchen

Ein Schmunzeln kann Marco Pleines sich nicht verkneifen. Er sitzt in Reihe 4 im Audimax und hat noch einen Platz bekommen. Einen Studienplatz sowieso, in Elektrotechnik, der war zulassungsfrei.

Und einen Sitzplatz im größten Hörsaal der RWTH. Andere hingegen müssen per Videoübertragung vom Grünen oder Roten Hörsaal aus zuschauen, wie RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg die „Erstis” begrüßt: „Auch alle, die mich via Bild sehen.” Marco amüsierts.

Er ist einer von circa 7000 Studienanfängern, die sich für dieses Wintersemester an der RWTH eingeschrieben haben. Viele von ihnen sind zur Begrüßung des Rektors gekommen, die in drei Gruppen unterteilt ist. „Es ist ein bisschen eng geworden in unserer Hochschule”, sagt Schmachtenberg. Noch nie habe die RWTH so viele Bewerber gezählt wie in diesem Jahr: rund 20.000. Den Auserwählten versichert er: „Wenn Sie es schaffen, erfolgreich zu studieren, dann haben Sie eine Arbeitsplatzgarantie.”

Klingt gut, bloß: Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass vor allem die Ingenieure Probleme haben, ihr Studium zu packen. Daher habe man Tests zur Selbsteinschätzung eingeführt, erklärt Schmachtenberg. Weitere Hürde: die Technik, schon im Namen der Hochschule als „T” zu finden. „Wenn Sie nächste Woche nicht W-Lan-fähig sind, dann gehen Sie unter.” Außerdem, mahnt Schmachtenberg, sollten die „Studis” sich auch außerhalb der Hochschule zu benehmen wissen. Trotz aller Warnungen: „Ich wünsche ihnen viel Erfolg.”

Marco verlässt das Audimax. Wie groß denn die Vorfreude auf Studium ist? „Einerseits freut man sich, andererseits ist man auch etwas unsicher, weil alles neu ist”, sagt der 20-Jährige. Ihm gehts vor allem darum, durchzukommen, trotz der ganzen Mathematik, die ihn in seinem Studium erwartet. Der gute Ruf der Uni und die Stadt selbst, „atmosphärisch top”, hätten für ihn den Ausschlag gegeben, vom Niederrhein nach Aachen zu kommen.

Schweiß auf der Stirn

Die nächsten kommen. Dicht an dicht stehen die mehr als tausend „Erstis”, die nun in der dritten Gruppe den Vortrag ihres Rektor hören möchten, auf dem Vorplatz. Stefan Hesseler, 21, Maschinenbauer, regelt den Einlass. Er trägt ein hellgrünes T-Shirt mit der Aufschrift „RWTH-Erstsemester-Tutor.” Ein bisschen steht ihm der Schweiß auf der Stirn, aber stressig sei es eigentlich nicht, sagt der „Maschi”. Tutoren, was machen die so? „Es geht vor allem um soziale Kontakte.”

Die Studienanfänger sollten einander kennenlernen, daher ziehen zwei Tutoren am Dienstagmittag mit 20 „Erstis” durch die City. „Gleich werden wir ein bisschen was von der Hochschule zeigen und dann etwas essen. Vielleicht setzen wir uns dann noch in eine Kneipe.” Am kommenden Montag erst wirds ernst für die neuen Studierenden, denn dann beginnen die Vorlesungen.

Stefan Hesselers Tutoren-Kollegen mit den hellgrünen T-Shirts stehen derweil draußen, der Ansturm ist jetzt vorbei, die nächsten „Erstis” sind im Hörsaal. Nun haben sie etwas Ruhe und genehmigen sich ein Bierchen. Auch die ersten „Erstis” haben bereits die Ruhe weg und und machen es ihren Tutoren nach: Auf ein gutes Studium, Prost!