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Bremen/Duisburg: Mit dem Notebook auf den Campus: Universitäten werden digital

Bremen/Duisburg : Mit dem Notebook auf den Campus: Universitäten werden digital

„Hast du mal einen Kugelschreiber?” Diese in Seminarräumen und Hörsälen häufig gestellte Frage könnte bald der Vergangenheit angehören.

Wenn es nach Manfred Wischnewsky geht, schleppen Studenten schon bald keine Notizhefte und Lehrbücher mehr mit sich herum, sondern Notebooks.

Damit ließen sich dann etwa die Skripte der Professoren speichern oder ein virtueller Besuch in der Bibliothek machen. Doch bis dahin wird noch viel Wasser die Weser herunter fließen, wie auch Wischnewsky weiß, der Professor im Fachbereich Mathematik und Informatik der Universität Bremen ist und das Projekt „Mobiler Campus” leitet.

Viele Studenten mit Notebook wünscht sich auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin. Insgesamt 22 deutsche Hochschulen, die nach Ansicht des Ministeriums ein geeignetes Projekt für den Einsatz der mobilen Rechner vorweisen konnten, werden bis Mitte des kommenden Jahres mit insgesamt 25 Millionen Euro unterstützt. Das deckt allerdings nur einen Bruchteil der Kosten.

„In den Notebook-Universities sind die Studierenden über ihr Notebook ständig online mit moderner Lehrsoftware und wichtigen Datenbanken verbunden”, heißt es beim BMBF. Die Verwirklichung dieses Ziels erfordert aber, dass die Digitalisierung weit über die Ausstattung mit Rechnern hinaus geht.

Die Universität Bremen gilt als Vorreiterin bei der Digitalisierung der Hochschule. Rund 1300 Lehrveranstaltungen gibt es hier jährlich - alle sollen sie bis etwa 2006 auch in digitaler Form zur Verfügung stehen. „Die technischen Voraussetzungen sind bereits abgeschlossen”, sagt Manfred Wischnewsky. Mit 500 „Accesspoints” hat die Hochschule an der Weser bereits das größte Funknetzwerk aller deutschen Universitäten.

Bis zum Ende des Jahres 2003 sollen auch an der Universität Duisburg rund 200 bis 300 Studenten des Fachbereiches Kommedia, das steht für Angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaft, ihr Studium mit dem Notebook erledigen können.

Vorstellbar sei es zum Beispiel, dass die Studenten mit ihren Notebooks soziologische Studien außerhalb der Universität durchführen, erläutert Professor Michael Kerres, der das Projekt „eCampus” in Duisburg leitet.

Außerdem solle ein mobiler Zugriff auf die verschiedenen Bibliotheken ermöglicht werden.

Für die Verwendung des Notebooks in der Lehre nennt Wischnewsky ein Beispiel aus der Produktionstechnik: „Hier haben angehende Ingenieure in einem Rollenspiel eine Produktentwicklung nachempfunden. Ohne Notebook wäre das nicht zu machen gewesen”.

Um die Vorlesungen aus den Hörsälen auch in das Internet und auf das Notebook zu bringen, bedarf es jedoch nicht nur jeder Menge Elektronik. „Wir schulen permanent 50 bis 100 Lehrkräfte in Mediendidaktik”, erläutert Wischnewsky.

Darüber hinaus müssen die Informationen, die die Studenten sonst von der Tafel abschreiben oder auf dem Papier von ihren Lehren bekommen, für die digitale Verbreitung aufgearbeitet werden.
Das kostet Zeit und vor allem Geld.

Besonders um Letzteres zu sparen, arbeitet die Universität Bremen mit anderen Hochschulen zusammen. Wischnewsky zufolge werden unter anderem gemeinsame Lehrprogramme entwickelt.

Das ist ein Punkt, vor dem manchen Studenten graut: „Da besteht die Gefahr, dass die Lehre vereinheitlicht wird”, sagt Tim Cordßen, zweiter Vorsitzender des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (AStA) an der Uni Bremen.

Mancher, der gegenüber der Notebook-Universität skeptisch ist, befürchtet zudem, dass der an vielen Hochschulen bereits spärliche Kontakt zwischen Studenten und Lehrkräften weiter abnimmt.

Davon geht Manfred Wischnewsky zwar nicht aus, aber ihm zufolge wird sich die Rolle der Professoren verändern: „Sie werden sich künftig weniger mit der Vermittlung von Basiswissen beschäftigen, sondern den Studenten als eine Art Informationsbroker zeigen, welches Wissen relevant sein könnte und wo es zu finden ist.”

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Anschaffung der Notebooks durch die Studenten. Für einen mobilen Rechner, der mit einem Zugang zum Funknetz ausgestattet ist, werden im Handel leicht 2000 Euro fällig. Das kann sich nicht jeder leisten.

Um die Versorgung der Studenten mit Notebooks dennoch sicher zu stellen, will die Universität Duisburg selbst als Händler auftreten. Die Notebooks sollen durch den Einkauf in großer Menge billiger und zusätzlich aus Mitteln der Hochschule subventioniert werden. Ein Kostenproblem für die Studenten sieht „eCampus”-Leiter Kerres deshalb nicht.

In Bremen wiederum holt man sich die Hersteller auf den Campus. An Servicestationen der Hersteller werden die Notebooks gewartet. Für den Erwerb eines Notebooks gibt es hier verschiedene Möglichkeiten: „Die Studenten bekommen Rabatt, sie können ein Gerät leasen, es auf Raten kaufen oder bei Bedarf ausleihen”, erklärt Manfred Wischnewsky. Wer sich kein eigenes Notebook leisten könne, es jedoch dringend benötige, werde aus einem Fond der Hochschule unterstützt.

Bei allem Fortschritt ist es Michael Kerres zufolge wichtig, dass sich die Verantwortlichen in ihren Entscheidungen nicht von der Technikverleibtheit leiten lassen: „Auf die Inhalte kommt es an.”