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Karlsruhe/Bonn: Mehr als Skripte im Netz: E-Learning an den Unis wird vielfältiger

Karlsruhe/Bonn : Mehr als Skripte im Netz: E-Learning an den Unis wird vielfältiger

Studieren ist schon lange mehr als im Hörsaal zu sitzen und dem Professor zu lauschen. Immer mehr Dozenten stellen zum Beispiel Skripte oder Übungsmaterialien ins Internet.

Doch damit sind die Möglichkeiten des sogenannten E-Learning an den Hochschulen noch lange nicht genutzt, wie Experten bei der Bildungsmesse „Learntec” in Karlsruhe (noch bis 31. Januar) erläuterten. Die Zukunft gehört Angeboten, zu denen die Studenten in erheblichem Maß selbst beitragen.

Schon heute können Studierende von im Prinzip allen Fachrichtungen E-Learning - also das Lernen und Kommunizieren mit Hilfe des Internet - nutzen. So setzen etwa die Medienwissenschaftler an der Uni Trier unter anderem auf „Teleteaching”: Unterrichtseinheiten, bei denen der Dozent über das Netz per Video zugespielt wird. „Die arbeiten viel mit externen Dozenten”, erklärt Monika Leuenhagen von der Koordinationsstelle E-Learning in der Moselstadt.

Wer in Trier Portugiesische Literaturwissenschaft studiert, kann dank einer Kooperation mit der Uni in Saarbrücken über das Internet auch auf Lehr- und Lerninhalte von dort zurückgreifen. Doch nicht nur unter Teilnehmern an derart ausgefallenen Studiengängen braucht es heute kaum mehr Überzeugungsarbeit: Wo es Angebote gibt, werden sie den Experten zufolge von der Mehrzahl der Studenten auch genutzt.

Laut Christoph Revermann liegt das nicht zuletzt auch daran, dass Dozenten via Internet viele Sachverhalte leichter darstellen und somit besser verständlich machen können als im Hörsaal - etwa in Fächern wie Medizin. Revermann hat sich für das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) in Berlin systematisch mit dem Thema E-Learning an Hochschulen beschäftigt.

Zahlreiche künftige Angebote werden nach Überzeugung der Experten aber deutlich darüber hinausgehen, digital Inhalte zur Verfügung zu stellen. „Die Zeit des Berieseln ist vorbei - ich denke es wird mehr in Richtung der Beteiligung von Studenten gehen”, sagt Sabine Hemsing vom Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern. Die Einrichtung ist an den zwölf Hochschulen des Bundeslands etwa für die Beratung von Lehrenden zuständig, die E-Learning-Projekte umsetzen wollen. Immer stärker werde darauf gesetzt, dass über die virtuellen Lernplattformen etwa Präsentationen gehalten und moderiert werden.

Eine andere Möglichkeit, die in Zukunft stärker genutzt werden dürfte, ist laut Elmar Schulz von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn, dass mehrere Studenten statt am Küchentisch über das Internet gemeinsam etwa Referate ausarbeiten. „Es ist sogar denkbar, dass sich dann der Prof einschaltet und zum Beispiel sagt: "Ja, da seid ihr auf einem guten Weg".”

An manchen Orten ist die verstärkte Teilhabe - die Grundidee des „Mitmach-Netzes” Web 2.0 spielt hier eine entscheidende Rolle - nicht mehr Zukunftsmusik, sondern schon Realität: „Zu jedem Referat müssen die Studenten bei mir einen Videopodcast liefern - das Wesentliche in vier Minuten”, sagt Prof. Uwe Beck, der an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe etwa Mathematik lehrt. „Das hilft den anderen Studenten bei der Examensvorbereitung.”

Anderswo ist man noch nicht so weit: E-Learning müsse sich unter den Lehrenden noch stärker durchsetzen, sagt Sabine Hemsing. Ihrer Ansicht hakt es häufig gerade noch bei der Nutzung von Web 2.0-Standards wie Podcasts. „Viele kommen noch nicht auf Ideen, wie man so etwas didaktisch sinnvoll mit dem Lehrstoff verknüpft.” Hinzu kommt nach Worten von Elmar Schultz: Wirklich ausgefeilte E-Learning-Module zu erstellen, bedeutet einen großen Aufwand, für den nicht überall Zeit und Geld da sind.

Entsprechend bleibt es oft eben doch bei den ins Netz gestellten Skripten. Allerdings werden diese laut Prof. Beck auch in Zukunft als eines von zahlreichen E-Learning-Instrumenten ihre Berechtigung behalten: „Gegen den Gedanken, dass Studenten von einem Experten etwas systematisch Aufbereitetes bekommen und nacharbeiten, ist doch gar nichts zu sagen.”

Einig sind sich die Experten darüber, dass es das Thema E-Learning irgendwann als solches gar nicht mehr geben wird - weil das digital unterstützte Lehren, Lernen und Kommunizieren bis dahin zum völlig selbstverständlichen Bestandteil des Hochschulalltags geworden ist. „Meine Vision lautet, dass E-Learning in der Lehre eines Tages nichts Besonderes mehr ist - so wie man früher ganz selbstverständlich immer mal wieder den Overheadprojektor eingeschaltet hat.”

Klar ist aber auch: Die elektronischen Angebote der Gegenwart wie der Zukunft können noch so ausgefuchst sein - die Seminarräume oder Lehrsäle werden deshalb nicht leer bleiben. „Für die Präsenzunis wird E-Learning nie das einzige Mittel sein”, sagt Monika Leuenhagen von der Uni Trier. „Das sogenannte Blended Learning, also die Kombination von Präsenz- und Online-Lernen, das wird der Weg sein.” Das liegt nicht zuletzt daran, dass zum Studieren mehr gehört als das Lernen - gemeinsam in die Mensa zu gehen zum Beispiel oder sich in der Cafeteria zusammenzuhocken. Und sei es nur, um über den Dozenten zu lästern oder über den Tele-Tutor.