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Ende des Online-Semesters: Manches wird an den Hochschulen auch im Winter so bleiben

Ende des Online-Semesters : Manches wird an den Hochschulen auch im Winter so bleiben

Das Sommersemester im Corona-Jahr ist einzigartig: Statt in vollen Hörsälen wird im Online-Seminar gelernt. Die Studierenden geben dem Experiment gute Noten. Das Wintersemester könnte eine Mischung aus klassischen Abläufen und Online-Betrieb werden.

Das erste Online-Semester in Nordrhein-Westfalen hat die Dozenten und die 780.000 Studierenden herausgefordert - aber am Ende sind die Beteiligten recht zufrieden: „Die Umstellung auf digitale Angebote und der Ausbau der dafür benötigten technischen Infrastruktur ist erfolgreich verlaufen“, sagt Prof. Lambert Koch, der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten. Wegen der Ansteckungsgefahr durch die Coronavirus-Pandemie mussten die Hochschulen in den Online-Unterricht ausweichen: Überfüllte Hörsäle und Seminarräume hätten Studierende und Hochschullehrer gefährdet.

Laut Koch hat die Umstellung - gerade angesichts der kurzen Zeit - die grundsätzliche Flexibilität, Kreativität und Modernität der Universitäten in NRW bewiesen. Die Vorlesungszeit an den 70 Hochschulen endet an diesem Freitag. Ungefähr 90 Prozent aller Lehrveranstaltungen konnten digital angeboten werden, so die Hochschulen. Kurse mit zwingender Präsenz in Werkstätten oder Laboren habe es vor Ort aber auch gegeben.

Das NRW-Wissenschaftsministerium urteilte, es sei beeindruckend, wie flexibel und schnell die Hochschulen gemeinsam mit den Studierenden auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie reagiert hätten. Unter diesen besonderen Bedingungen sei es nur angemessen, das Online-Sommersemester 2020 als Erfolg zu bezeichnen.

Die Studierenden äußern sich positiv: „Die Lehre funktioniert eigentlich ziemlich gut“, sagt Jonas Neubürger, der Koordinator des Landes-ASten-Treffens NRW, in dem Studenten-Vertretungen der Hochschulen zusammengeschlossen sind. Teils hätten Studierende aber aufwendige Hausarbeiten schreiben müssen, weil sie keine Referate in den Seminaren halten konnten.

Laut Neubürger wird es schwierig, wenn Studierende kein privates Internet zur Verfügung haben. Vorlesungen wurden aber auch mit Hilfe von Internet-Konferenzen angeboten. Die Universität Dortmund etwa habe allen einen Zugang zu solchen Konferenzen gegeben, so dass Studierende auch Lerngruppen bilden konnten. Wenn möglich, gab es auch Präsenz-Prüfungen. In Dortmund etwa schrieben die Hochschüler ihre Examen in den riesigen Westfalenhallen unter Einhaltung der Abstandsregeln.

Mit Blick in die Zukunft sagt Annette Storsberg, Staatssekretärin im NRW-Wissenschaftsministerium: „Es ist unser Ziel, dass die Hochschulen zum Wintersemester auch wieder zu Orten der Begegnung und des direkten Austauschs werden können“. Wenn der Lehrbetrieb im Wintersemester am 26. Oktober wieder startet, wird es möglicherweise eine Mischform zwischen Präsenz- und Online-Betrieb geben: „Angestrebt wird ein "Hybrid-Semester" mit so viel Präsenz wie möglich“, erklärt Lambert Koch. Dabei gehe es um ein Abwägen zwischen den Schutzgütern Gesundheit und Leben einerseits - sowie Recht auf Bildung und Wissenschaftsfreiheit andererseits.

„Wir machen uns ein bisschen Sorge um die Erstsemester“, sagt allerdings AStA-Experte Jonas Neubürger. Denn im Wintersemester beginnen viele Studiengänge, entsprechend viele „Erstis“ kommen - und der erste Kontakt mit der Universität wird vielleicht nur online stattfinden.

(dpa)