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Aachen: Lkw-Maut: Explodieren die Unfallzahlen?

Aachen : Lkw-Maut: Explodieren die Unfallzahlen?

Rund einen Monat nach dem Start der Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen steigt auf einigen Bundes- und Landstraßen das Lkw-Verkehrsaufkommen erheblich.

Dass diese Lkw das Unfallrisiko erhöhen und mehr Emissionen in Ortschaften tragen, ist wissenschaftlich belegt.

Offenbar sind für einige Logistik-Unternehmen die Zeitverluste durch das Verlassen der Autobahn weniger wichtig als der Spareffekt durch das Umgehen der Maut. Muss die Einführung der Lkw-Maut auch auf Bundesstraßen die Lösung sein? Gibt es Alternativen?

Diesem und weiteren Themen stellen sich fünf Professoren der RWTH Aachen bei der abschließenden Podiumsdiskussion zur Ringvorlesung „Mobilität und Kommunikation” am Montag, 31. Januar, in Aachen: „Was verstehen wir eigentlich von Mobilität und Kommunikation? - Flops und Tops der Forschung und Entwicklung” lautet der Titel.

Die Lkw-Maut ist nur eine von vielen Technologien zur Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur. Daten aus Detektionsschleifen, Videoaufnahmen und aus im Verkehr mitfahrenden Autos gehören bereits zum Instrumentarium der Überwachung und Steuerung des Straßenverkehrs.

Der Wunsch nach einer effizienteren Verkehrssteuerung, etwa durch grüne Wellen, besteht aus der Sicht vieler Fahrzeuglenker auch in Aachen. Andere Gruppen möchten die mobile Gesellschaft dagegen von der vermehrten Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu überzeugen.

Bei den Informationsdienstleistungen haben öffentliche Verkehrsträger mit den Angeboten für individuelle Verkehrsmittel gleichgezogen - Reiseauskünfte gibt es heute multimodal, multifunktional und multimedial. Offensichtlich ist, dass diese Informationen die Qualität des öffentlichen Verkehrs erhöhen.

Fahrgastzahlen fraglich

Fraglich hingegen ist, ob diese Systeme eine spürbare Belebung bei den Fahrgastzahlen bewirken oder nur als Aushängeschilder dienen. Die bekannten Hemmnisse - wie Wartezeit, längere Reisezeit, Umsteigen - bleiben bestehen.

Eindeutig positiv wirken sich im öffentlichen Verkehr rechnergestützte, dynamische Flottenmanagement- und Dispositionssysteme aus: Sie erhöhen die Effizienz.

Für Aachen mit seinen renommierten Forschungsinstituten und Unternehmen der Automobiltechnik ist von besonderer Bedeutung, welche Technologien in Zukunft am Markt platziert werden können.

Fahrerassistenzsysteme, angefangen bei Einparkhilfen über Sichthilfen, Spurhaltesysteme und Abstandshaltesysteme („Adaptive Cruise Control”) bis hin zu solchen, die weitgehend automatisiertes Fahren ermöglichen, sind heute schon im Einsatz oder zumindest mittelfristig technisch möglich.

Ein viel versprechender Ansatz zur Erhöhung der Sicherheit ist das Konzept der automatisierten Kommunikation zwischen Fahrzeugen.

Durch kontinuierlichen Transfer und Auswertung von Sensordaten vorausfahrender Fahrzeuge können nachfolgende Fahrer und Fahrzeuge sich auf wechselnde Geschwindigkeits- und Witterungszustände oder Gefahrensituationen früher und besser einstellen.

Aktive Fahrerassistenzsysteme können nur dann erfolgreich sein, wenn der durch sie erzielte Sicherheitsgewinn erheblich ist. Aber wer haftet, wenn beim Einsatz von Fahrerassistenzsystemen Unfälle passieren?

Mit mehr und besseren Informationen kann mehr Sicherheit, nicht nur im Straßenverkehr, erzielt werden. Doch die Ängste vor Missbrauch und Überwachung stehen dem möglichen technologischen Fortschritt entgegen - genug Zündstoff für das Diskussionsforum mit den Experten.