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Jülich: „Landratten” auf Forschungsfahrt

Jülich : „Landratten” auf Forschungsfahrt

„Das Meer ist weit, das Meer ist blau, im Wasser schwimmt kein Kabeljau.” Was bei Heinz Erhardt humoristisch gemeint war, erhält im Jahr 2005 eine dramatische Komponente.

„Es ist erschreckend. Es gibt in der Nordsee so gut wie keinen Kabeljau mehr. Die Bestände sind bedrohlich zusammengeschrumpft infolge der Überfischung.”

Prof. Dr. Marcus Baumann weiß, wovon er spricht, denn der Umweltbiotechnologe hat selbst mit einem Stab von sieben FH-Studenten und drei Vertreter des Hamburger Instituts für Fischereiökologie (IFO) das aktuelle Fischvorkommen in der Nordsee untersucht. „In erster Linie haben wir Plattfische wie Kliesche und Scholle gefunden, ansonsten Knurrhahn, Seeteufel, Garnelen, Seesterne, Seemaus und einen Rochen, aber nur sieben Kabeljau.”

Dabei war diese Untersuchung nur einer von fünf Schwerpunkten der Reise, die der 49-Jährige auf seiner dritten Tour im Auftrag der FH-Abteilung Jülich unternahm. Allerdings ist Prof. Baumann auf diesem Gebiet ein alter Hase, denn er war als Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung zwischen 1989 und 96 bereits viermal in der Arktis und dreimal in der Antarktis.

Dank der alten Kontakte startete die Truppe von Bremerhaven aus auf dem Forschungsschiff FFS Walther HerwigIII zunächst gen Dänemark, später entlang der niederländischen Küste bis in den Ausläufer des Ärmelkanals.

Bis auf eine Studentin waren alle mit Baumann das erste Mal an Bord. Dabei galt es zunächst, sich mit den äußeren Umständen zurechtzufinden, denn die Seekrankheit schlug unbarmherzig zu. „Wir fuhren bei sieben bis acht Windstärken, Orkanböen in der Nacht”, erinnert sich der Biologe. „Da muss man sich erst einmal einschaukeln.”

Ziel war es, den physiologischen Zustand und die Verteilung der Fischembryonen sowie die Wirkung von (Umwelt-)Giften auf sie zu erforschen. Dieses „Monitoring” wird seit Jahren vom IFO unternommen, um herauszufinden, welche Arten darin vorkommen und in welchem Zustand sie sich befinden.

Auch die Verteilung des Phytoplanktons, also des pflanzlichen Planktons, und die Physikalische Ozeanographie standen auf dem Programm. Hierzu werden Temperatur, Salzgehalt und Dichte von der Wasseroberfläche bis kurz über dem Meeresboden bestimmt.

Fragen, die es zu beantworten gilt, lauten unter anderem: Wie wirkt sich die alljährlich wiederkehrende winterliche Ozonverminderung über der Nordhalbkugel auf das Leben im Meer aus? Wie können menschenbedingte Kontaminationen, die über die Flüsse in das Meer geleitet werden, wieder entfernt werden? Gerade bei letzterem wird die Hilfe von Mikroorganismen benötigt, die auch im vorsorgenden Umweltschutz eine große Rolle spielen.

„Wir versuchen, Produkte herzustellen, die die Umwelt erst gar nicht belasten”, erklärt Marcus Baumann. „Insektizide und Herbizide sind oft persistent, also nicht biologisch abbaubar.” Diese reichern sich deshalb in der Nahrungskette an. Für diese Gifte interessiert sich der Wissenschaftler.

Die Forschungsreise endete Anfang März in Bremerhaven. Jetzt heißt es, die Ergebnisse der Fahrt in den heimischen Labors auszuwerten.