Aachen: Knallende Kronkorken als Geschäftsidee

Aachen: Knallende Kronkorken als Geschäftsidee

Das Rad ist schon erfunden, die Glühbirne auch, aber irgendwo zwischen Rasenmäher-Roboter und automatisch einklappendem Autospiegel tat sich noch eine Lücke auf. Die haben Christian Kamphausen und Fabian Effey jetzt geschlossen: Mit ihrem „Plöpper” kann man nun endlich die Kronkorken von Bierflaschen bis zu elf Meter weit schießen.

Dass die Welt auf ihren turboschnellen Flaschenöffner nicht gerade gewartet hat, wissen die beiden Aachener Studenten selbst. „Das ist ein Ding, was man eigentlich nicht braucht”, sagt Kamphausen, „aber es gibt einen Aha-Effekt.”

Auf den haben die beiden lange hingearbeitet. Erste Versuche gehen zurück auf das Jahr 2009, als Kamphausen und Effey bei einem Fußballabend vor der Glotze nicht das richtige Werkzeug für die Bierflaschen zur Hand hatten.

Nach erfolglosen Bemühungen, mit einem Zollstock den Deckel von der Flasche zu stemmen, bastelten die beiden Studenten einen ersten Prototyp. „Es ging um die Frage, ob man mit einem Bolzen und einer starken Feder den Kronkorken abschießen kann”, erklärt der angehende Bauingenieur Kamphausen.

Die Antwort nach der ersten Probephase: ja, manchmal. Meistens aber traf der vorschnellende Bolzen den Kronkorken nicht, „Dieser Prototyp war schlecht an der Flasche zu positionieren”, beschreibt Maschinenbau-Student Effey das Problem. Bei Prototyp Nr. 2 klappte das schon besser, und den beiden jungen Männern dämmerte, das daraus eine Geschäftsidee werden könnte. Auf Partys im Bekanntenkreis kam die Plöpperei jedenfalls gut an.

Bei der Weiterentwicklung gab es allerdings herbe Rückschläge: „Typ Nr. 3 funktionierte gar nicht mehr”, erinnert sich Effey. Weil der Bolzen kastenweise Bierflaschen zerdepperte, stiegen die Entwicklungskosten des geplanten Produkts. Ohnehin gingen die Versuchsreihen ins Geld und auf die Leber - man wollte die erfolgreich aufgeplöppten Biere schließlich nicht umkommen lassen.

Irgendwann beschafften sich die beiden Studenten günstig eine sogenannten Kronkorkenverschlussmaschine und konnten fortan eine Flasche Sprudelwasser mehrfach versuchsweise aufschießen. „Das war dann günstiger als mit Bier”, so Effey. Allerdings auch nicht mehr so spaßig wie die durchtesteten Nächte zuvor.

Doch inzwischen war die Plöpperei auch richtig professionell geworden. Kamphausen und Effey haben ihren Flaschenaufschießer zum Patent angemeldet, eine Firma für den Vertrieb gegründet und im fernen China eine Firma gefunden, die die Komponenten herstellt. „Die Produktion in Deutschland wäre für uns als Studenten unbezahlbar”, sagt Kamphausen. Die Endmontage erledigen die beiden aber noch selbst in Aachen.

Pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft werfen sie nun 2000 Plöpper zum Stückpreis von 19,90 Euro auf den Markt, vertrieben werden sie im Internet. Nach sieben Prototypen sei Nr. 8 nun so ausgereift, dass die Kronkorken zuverlässig von der Flasche geschossen würden, meint Effey. Die Quote der zerdepperten Flaschenhälse liege bei unter einem Prozent.

Dennoch gehört die Warnung, kein Bier aus zersplitterten Flaschen zu trinken, zu den Sicherheitshinweisen auf dem Beipackzettel eines jeden Plöppers. Außerdem raten seine Erfinder davon ab, mit dem Flaschenhals auf Personen oder zerbrechliche Gegenstände zu zielen.

„Wir müssen halt solche Extremfälle auflisten”, sagt Fabian Effey, So will man sich vor Regressforderungen schützen, falls mal ein Plöpper ins Auge geht oder eine kostbare Vase von der Vitrine schießt.

Unter der Geschäftsidee habe das Studium „zeitlich etwas gelitten”, räumt Christian Kamphausen ein. „Es wird aber zu Ende geführt”, verspricht Fabian Effey, und schiebt hinterher: „Das Plöpper-Projekt aber auch”.

Womöglich stellt sich in den nächsten Wochen ja heraus, dass die Welt auf diesen Kronkorkenweitwegschießer lange genug gewartet hat.

Mehr dazu im Internet: www.ploepper.de

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