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Aachen: Keller soll zum Aushängeschild werden

Aachen : Keller soll zum Aushängeschild werden

Der erste Eindruck ist oft entscheidend. Und der ist nach den Worten von Dr. Peter-Friedrich Petersen nicht unbedingt positiv, vor allem wenn man durch den Keller ins Universitätsklinikum Aachen kommt, wo sich die Notaufnahme befindet.

„Ich selbst fühle mich geehrt, in einem architektonischen Denkmal wie diesem zu arbeiten”, sagt der neue Chefarzt der Notaufnahme.

Aber einige Patienten beschlichen möglicherweise Angstgefühle, selbst dann, wenn sie sich nicht in einer lebensbedrohlichen Situation befänden.

„Das müssen und das werden wir ändern”, verspricht Peterson und legt die Messlatte ziemlich hoch: „Der Keller soll zum Aushängeschild werden.”

Weil es in der Vergangenheit von Patientenseite immer wieder Beschwerden gegeben hatte, sah sich die Klinikleitung veranlasst, den Bereich neu zu strukturieren.

Wichtigste Änderung: Bereits seit Jahresbeginn ist die Notaufnahme eine eigenständige Funktionsklinik unter der Leitung des 42-jährigen Chefarztes Petersen. Bislang hatten jeweils die Direktoren der einzelnen Kliniken turnusmäßig die Leitung übernommen.

„Jetzt wird dieser neuralgische Bereich nicht länger im Neben-, sondern im Hauptamt geleitet. Wir versprechen uns davon eine Verbesserung der Abläufe und der Patientenfreundlichkeit”, sagt Professor Henning Saß, der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums.

Neue Stellen würden im Zuge der Umstrukturierung nicht geschaffen. „Wir widmen lediglich bestehende um.”

Die Zufriedenheit der Patienten wollen Petersen und sein aus zehn Ärzten, 34 Pflege- und sieben Verwaltungskräften bestehendes Team unter anderem durch die Senkung der Wartezeiten verbessern.

Die Zeiten, in denen Patienten drei Stunden und mehr warten mussten, sollen der Vergangenheit angehören. „Wir liegen bereits bei unter 90 Minuten”, erklärt Petersen.

Ferner soll das Umfeld angenehmer gestaltet werden mit besser ausgestatteten Wartezonen.

Und vor allem: „Wir müssen viel offener als bislang kommunizieren, warum es zu längeren Wartezeiten kommen kann”, erklärt der neue Chefarzt. Bezugspflegekräfte sollen den Patienten während ihres Aufenthalts begleiten, sie koordinieren Behandlungsmaßnahmen und stehen zur Information und bei Rückfragen der Patienten und der Angehörigen zur Verfügung.

Nicht zuletzt soll die so genannte Triage verbessert werden, für die der erfahrenste Arzt, also der diensthabende Oberarzt, verantwortlich ist. Wird der Patient vom Rettungswagen gebracht, schaut er sich den Patienten an und beurteilt, ob er schwer-, mittel- oder leicht verletzt ist. Auch hier gelte der Grundsatz: hochwertige Erstversorgung im Rahmen einer vertretbaren Wartezeit.

Doch hochwertige Erstversorgung hat ihren Preis. „Für uns ist die Notfallmedizin ein Zuschussgeschäft”, erklärt Saß und fordert, dass die Gebühren der Krankenkassen endlich den Realitäten angepasst werden müssten.

Jeder politraumatisierte Patient (Patient mit Mehrfachverletzung) beschert dem Klinikum nach Abrechnung mit der Kasse ein durchschnittliches Minus von 5400 Euro. Macht laut Petersen bei 80 Poli-Patienten am Klinikum im Jahr 2004 immerhin die stolze Summe von 432.000 Euro.

Mit der am 29. März startenden RTL-Doku-Soap „Die Klinik”, die in Aachen gedreht wurde, habe die Ablaufoptimierung der Notaufnahme im übrigen nichts zu tun, betont Saß.

Dass die RTL-Leute besonders gerne bei Petersen und seinem Team unten im Keller gefilmt haben, dürfte dem Ärztlichen Direktor aber Recht gewesen sein. Immerhin soll die Notaufnahme doch zum Aushängeschild des Hauses werden.