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Aachen: Kein sozialverträgliches Modell

Aachen : Kein sozialverträgliches Modell

Der AStA der RWTH und die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft diskutierten im Anschluss an die Unterzeichnung der neuen Zielvereinbarung II Entwicklungen der Hochschulpolitik.

Trotz teilweiser inhaltlicher Differenzen war die Atmosphäre konstruktiv. „Wir mussten erneut viele Entwicklungen kritisieren. Was die Studienkonten angeht, so bleiben wir natürlich unterschiedlicher Auffassung: Wir haben täglich gemerkt, welche negativen Auswirkungen sie für Studierende bringen; für Frau Kraft scheinen sie dagegen Teil einer erfolgreichen Politik zu sein,” so Daniel Houben vom AStA der RWTH.

„Allerdings versicherte Frau Kraft uns, dass sie unabhängig vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts am kommenden Mittwoch in NRW keine allgemeinen Studiengebühren einführen wird. Sie erklärte sogar, dass sie noch kein sozialverträgliches Studiengebührenmodell entdeckt hätte.”

Klärungsbedarf bestand auch beim neuen Landeshochschulgesetz. Hier stellte Kraft klar, dass Masterstudiengänge nur dann in den kostenpflichtigen privatrechtlichen Bereich der Hochschulen ausgelagert werden dürfen, wenn sie ausschließlich für bereits berufstätige Hochschulabsolventen angeboten werden.

Zur Frage der Mitbestimmung innerhalb der Selbstverwaltung der Hochschulen vertreten Ministerin und Studierende unterschiedliche Auffassungen. Aber: „Man konnte sich darauf verständigen, die Autonomiebestrebungen der Hochschulen gemeinsam kritisch zu beobachten. Ganz will das Ministerium die Zügel dann doch nicht aus der Hand geben,” erklärt Stefan Kesselheim, Sozialreferent des AStA.

Ein weiterer Punkt war die Entwicklung der Hochschulzulassung. Wenn künftig Studierende aus Bundesländern mit allgemeinen Studiengebühren verstärkt an die NRW-Hochschulen kämen, müssten örtliche Numerus-clausus-Verfahren in mehr Fächern eingeführt werden.

„Zudem gibt es Überlegungen, den Hochschulen bei Orts-NC-Verfahren ähnlich weitreichende Möglichkeiten einzuräumen, wie sie seit kurzem für bundesweite-NC-Verfahren bestehen,” erläutert Houben.

Generelles Einvernehmen konnte darüber erzielt werden, dass die Bewertung der Qualität von Lehrveranstaltung durch Studierende ausgebaut werden soll und eine zentralerer Rolle spielen muss. Es könne nicht angehen, dass eine schlechte Bewertung der Lehrleistung von Professoren keine Auswirkungen hat.

Bachelor als Regel

Der Bachelor soll zum Regelabschluss werden, betonte Kraft. Nach drei Jahren sollen die Studierenden ausreichend für einen Beruf qualifiziert sein. Weniger als die Hälfte der Studierenden sollen einen Master machen können. „Mit solchen Vorgaben können wir nicht einverstanden sein. Das Land darf sich nicht zum Ziel machen, den Großteil der Studierenden von einer wissenschaftlichen Bildung auszuschließen”, stellt Kesselheim fest.