Aachen: Immobilien: Kompass weist zum Campus

Aachen: Immobilien: Kompass weist zum Campus

Nicht nur Fußball- oder Reitsportfans schauen dieser Tage voller Spannung Richtung Soers. Auch für potenzielle Hausbesitzer wird der Stadtteil im Schatten des Lousbergs immer interessanter; generell mausert sich der Aachener Norden ebenso wie die westlichen Stadtteile mehr denn je zum gefragten Wohngebiet, wie die Finanzgazette „Capital” in ihrem aktuellen „Immobilien-Kompass” feststellt.

Die Prognose der Experten kann da nicht verwundern: „Wohnen folgt Wissen” heißt die Devise mit Blick auf eine große Verheißung in Sachen Standortsicherung. „Von einem Trend zu sprechen, wäre zu früh, aber das Interesse an Immobilien, die günstig zum im Bau befindlichen Campus liegen, steigt”, heißt es in der brandneuen Analyse.

Höhere Mieten, mehr Eigentum

Generell ist der Mietzins im Dreiländereck aufgrund der Verknappung einschlägiger Objekte seit 2004 um rund zehn Prozent geklettert. Damit reiht sich Aachen in die dürre Riege der nur elf deutschen Städte mittlerer Größe ein, die Steigerungsquoten verzeichnen. Zugleich wächst die Nachfrage nach Eigentum in Randlagen mit guter Anbindung Richtung City und vielen Neubauten wie Haaren oder Grauenhofer Weg. Wer die Schmerzgrenze von 300.000 Euro nicht so drastisch spürt, hat beste Aussichten auf grüne und dennoch innenstadtnahe Residenz etwa in Vaalserquartier, auf der Hörn, aber auch in „klassischen” Randlagen wie dem Richtericher Dell.

Aufs richtige Pferd gesetzt haben die Anbieter im weiteren Umfeld des Turniergeländes folglich allemal. „Ursprünglich wollten wir in vier Abschnitten bis Juli 2011 bauen, jetzt realisieren wir das Projekt in einem Zug und werden es aller Voraussicht nach bereits Ende des Jahres komplett fertigstellen”, sagt Christoph Irmisch von der Interboden-Gruppe.

Die Düsseldorfer Gesellschaft ist im Begriff, das ehemalige Kloster St. Raphael in ein grünes Wohnquartier mit 65 Einheiten zu verwandeln (wir berichteten). Siehe da: Zumindest eine Anfrage eines RWTH-Gastprofessors, der sich dauerhaft in Campus-Nähe ansiedeln will, kann Irmisch bereits verzeichnen. Gerade die denkmalgeschützten Objekte im neuen Ensemble stünden allerdings verstärkt im Fokus von Käufern, die vor allem an einer Kapitalanlage interessiert seien.

Südviertel „lebt vom Mythos”

Unterdessen machen sich klassische Top-Adressen wie Ronheide und Preuswald zwar weiter bestens auf privaten Visitenkarten. Nach wie vor wird für die schönsten Objekte zwischen Hangeweiher, Steinebrück und Diepenbenden nicht selten mehr als eine Million Euro hingeblättert. „Die Gegend lebt von ihrem Mythos”, heißt es mit Blick aufs traditionelle Villen-Ambiente im Grünen. Denn die Infrastruktur sei alles andere als gut, Neubauten sind inzwischen praktisch tabu.

„Ganz allgemein ist der Markt für höherwertige Mehrfamilienhäusern in guten Lagen derzeit praktisch leer gefegt”, bestätigt Franz Jansen, Geschäftsführer der Sparkassen Immobilien Gesellschaft Aachen. „Deshalb sollten die Entscheidungsträger in der Politik unbedingt dafür sorgen, dass wieder mehr Bauland ausgewiesen wird.”

Nicht nur mit Blick auf die Campus-Pläne, aber eben auch - von wegen Standortsicherung: „In den Niederlanden spitzt man bereits die Ohren, wenn es darum geht, den Menschen, die künftig in Melaten oder am Westbahnhof arbeiten, gute Wohnungen zur Verfügung zu stellen.”