Aachen: Im Rennauto die Karriereleiter hinaufflitzen

Aachen : Im Rennauto die Karriereleiter hinaufflitzen

Eine Gruppe junger Männer steht und sitzt schraubend um einen Rennwagen herum. Einige von ihnen betrachten den Wagen nachdenklich mit gerunzelter Stirn, andere diskutieren. Doch bei den Männern handelt es sich nicht etwa um professionelle Formel 1-Mechaniker, sondern um Aachener Studenten.

„Formula Student” heißt der Wettbewerb, auf den sich die 35 Studierenden der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen gerade vorbereiten. Sie nennen ihr Team „Ecurie Aix”.

Den Namen „Aixtreme Racing” haben sich die angehenden Ingenieure der Fachhochschule (FH) Aachen gegeben, die ebenfalls an der Veranstaltung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) teilnehmen.

„Bei der Veranstaltung handelt es sich mehr um einen Konstruktionswettbewerb als um ein Rennsportereignis”, weiß Stefan John. Er ist Leiter des FH-Teams „Aixtreme Racing”. „Wir müssen den Wagen selbst planen, konstruieren und auch fahren.

Einen Kostenplan müssen wir aufstellen, einen Geschäftsplan entwerfen, der zeigen soll, dass unser Wagen auch gewinnbringend vermarktet werden könnte”, erklärt er die vielfältigen Aufgaben.

Die FH-Studenten nehmen genauso wie ihre Kommilitonen von der RWTH an zwei Rennen im Jahr teil, eines findet heute am Hockenheimring (Zusatzbox) statt, das andere im britischen Silverstone. „Bei diesen Wettbewerben wird zum Beispiel die Sicherheit und Renntauglichkeit jedes Wagens überprüft”, erklärt Sebastian Hoppe, Teamleiter des „Ecurie Aix”-Teams der RWTH.

Also etwa die Bremsen, der Geräuschpegel und der Überrollschutz, „also, ob der Wagen wegen unterschiedlicher Gewichtsverlagerung aus einer Kurve fliegt oder nicht”. Denn: „Unser 250 Kilogramm schwerer Wagen beschleunigt in vier Sekunden von Null auf 100. Da ist Sicherheit wichtig”, betont Sebastian Hoppe.

Weiterhin gehörten zu den Wettbewerben ein Beschleunigungstest, ein Langstreckenrennen von 22 Kilometern und ein Parcours, bei dem zweimal hintereinander eine Acht gefahren werden müsse, zählt Hoppe auf.

Ein komplexer Wettbewerb also: „Wir müssen nicht nur einen eigenen Rennwagen konzipieren und bauen, sondern auch den schriftlichen Kram erledigen”, sagt der zweite „Aixtreme Racing”- Teamleiter Raphael Stratmann lachend.

„Die Unternehmen finden toll, dass wir im Studium nicht nur theoretisch gut ausgebildet wurden, sondern auch praktische Erfahrungen mitbringen und sogar schon eigene Geschäftspläne erstellt haben.”

Kurz vor den Wettbewerben, wenn es in die heiße Phase der Vorbereitung geht, laufe das Studium „nur noch nebenher”. Die Arbeit in der Werkstatt, die dann bis zu 80 Stunden in der Woche in Anspruch nehmen könne, mache sich aber im Zeugnis extrem gut.

„Die Unternehmen sind begeistert. Viele Stellenangebote erreichen uns und einige ehemalige Teammitglieder sind so schon an tolle Jobs gekommen”, erzählt er.

Finanziert wird das ganze Projekt über Sponsoren, um die sich die Studenten natürlich auch selbst kümmern müssen. Als Gegenleistung bekommen die Firmen direkten Kontakt zum Ingenieurnachwuchs.

„Unter Ingenieuren ist die Formula Student allgemein bekannt”, sagt Stefan John. „Aber die meisten Leute außerhalb der Ingenieurwelt wissen leider noch nicht einmal, dass es sie gibt.

Dabei ist das auch für Rennsportfans eine tolle Sache. Jeder kann die Rennen besuchen, man kann in die Boxen hineingehen und sich bei vielen Teams sogar mal in den Rennwagen reinsetzen.”

Freundschaftliche Konkurrenz

Ganz besonders begeistert sind alle Teilnehmer von der freundschaftlichen Konkurrenz, die bei der Formula Student herrscht. „Die verschiedenen Teams sind Gegner. Und dennoch kann man sich immer an alle wenden, wenn man ein Problem hat oder ein Ersatzteil fehlt”, beschreibt Sebastian Hoppe die Atmosphäre.

Der größte Erfolg für das „Aixtreme Racing”-Team, das erst im März 2007 gegründet wurde, ist es, überhaupt einen eigenen Rennwagen innerhalb von nur einem Jahr gebaut und an zwei Rennen teilgenommen zu haben.

Das „Ecurie Aix”-Team, das bereits seit 1999 besteht, hat mit seinen acht Jahren mehr Erfahrung auch andere Erfolge aufzuweisen: In Silverstone landeten die RWTH-Studenten beim letzten Mal auf dem 16. Platz. 2008 wurden sie als bestes Team in NRW ausgezeichnet und zählen außerdem zu den drei Gründerteams der Formula Student Germany (FSG).

Die beiden Aachener Teams nehmen an der Formula Student Germany (FSG) auf dem Hockenheimring teil, die vom heutigen Mittwoch bis Sonntag, 9. August, ausgetragen wird. Veranstalter ist der Verein Deutscher Ingenieure (VDI).

Insgesamt 1900 Studierende, verteilt auf 78 Hochschulteams aus 19 Nationen, kämpfen in acht Disziplinen um den Sieg. Als VIP-Gast ist am Freitag, 7. August, der fünffache Tourenwagenmeister Bernd Schneider am Ring. Die Nachwuchsingenieure können eine Renntaxifahrt mit ihm über die Rennstrecke gewinnen.