Aachen: Idylle ist vorbei: Der Bagger und die Säge sind da

Aachen: Idylle ist vorbei: Der Bagger und die Säge sind da

Die hügelige Landschaft ist von ausgesuchter Gefälligkeit, der Blick über das Rabental hinweg aufs Klinikum ist hinreißend, am Hang weidet friedlich eine Handvoll Schafe - ein schönes Stück Aachen ist das. Doch dreht sich der Betrachter um 180 Grad, ist es mit der Idylle vorbei.

Bagger schrabben vor sich hin, Lkw um Lkw schiebt sich über die eigens angelegte Baustraße, nebenan wird fleißig gefällt, stapeln sich Bäume und Buschwerk. Kein Zweifel: Das Riesending Campus Melaten hat Fahrt aufgenommen. Das Stadium der Planung ist verlassen, jetzt kann man zugucken, wie das ehrgeizige Unternehmen Gestalt annimmt.

Auf 473.000 Quadratmetern sollen neben Hochschuleinrichtungen neun so genannte Cluster mit Laboren und Bürogebäuden entstehen, neue Heimstatt für tausende von Forschern, Wissenschaftlern und Studenten. Ohne Eingriffe in die Natur sind solche Megaprojekte nicht zu haben, was unweigerlich zu Konflikten führt. Das weiß auch Projektleiter Wittich Dahlhaus vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB): „Wenn ich sehe, was hier alles umgehauen werden muss, tut mir das persönlich auch leid” - eine Alternative gebe es allerdings nicht.

Nachdem bereits zu Beginn des Jahres mehr als 1000 Bäume - zum großen Erschrecken vieler Naturschützer und Spaziergänger - niedergelegt wurden, sind seit einigen Tagen weitere Rodungsarbeiten im Gange. Ein ganzes Wäldchen wird wohl dran glauben müssen, „es sieht schlimm aus”, sagt der Mann vom BLB, aber auch, dass alles getan werde, den Campus so umweltschonend wie möglich auf die Gleise zu setzen: Es gebe eine permanente Baubegleitung vor Ort, „alles wird überwacht, wir geben uns wirklich Mühe”. So habe man die Kettensägen zwei Wochen später als geplant loslegen lassen mit Rücksicht auf brütende Vögel.

Dennoch hat Dahlhaus fast täglich Dispute zu bestehen mit Augenzeugen der Fällaktion, die den Vorgang nicht so toll finden. Bei seinen Erklärungsversuchen muss er häufig auf das finale Argument zurückgreifen - der Campus wird dafür sorgen, dass es dort einmal 5000 Arbeitsplätze gibt. Was nicht jeden überzeugt, dessen gewohnter Spazierweg plötzlich in einer Baustelle endet. Aber auch in diesem Punkt will der BLB für Abhilfe schaffen und durch zusätzliche Wege für Ausgleich sorgen.

Das stark gewellte Terrain muss zwecks Aufnahme des Campus Melaten geglättet werden; nicht tischeben muss das Werk ausfallen, aber es soll schon ordentlich nivelliert werden. Deshalb wird auch so heftig gebaggert, wobei, so der BLB, das „bei den Arbeiten anfallende Erdreich wieder direkt vor Ort zur Geländemodellierung eingebaut” werde. Schon, um die Spritkosten für den Abtransport zu sparen.

Doch im Moment wird der Aushub fleißig weggekarrt, zur Kippe nach Aldenhoven. Wie das? Dahlhaus: „Im Augenblick räumen wir riesige Schutthaufen weg, mit Beton- und ganzen Mauerresten drin. Nur ein Teil davon kann wiederverwandt werden.” In der Tat sind viele Hügel im TH-Erweiterungsgebiet künstlich angelegt worden, nicht zuletzt mit Material, das dem Uniklinikum weichen musste. Zurzeit wühlt sich der Bagger durch eine Aufschüttung, die aus Hinterlassenschaften herrührt, die beim Bau des Karman-Auditoriums anfielen.

Welche Dimensionen der Campus Melaten einmal haben wird, wird unter anderem daran deutlich, dass die inzwischen angelegte Baustraße, die bereits von ordentlicher Größe ist, dermaleinst den „Bürgersteig” (Dahlhaus) des Campus-Boulevards darstellen wird - der wird an die 25 Meter breit.

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