1. Hochschule

Berlin: Hochschulen sollen per Facebook und Co. um Flüchtlinge werben

Berlin : Hochschulen sollen per Facebook und Co. um Flüchtlinge werben

Deutsche Hochschulen sollen verstärkt über soziale Netzwerke Flüchtlinge für ein Studium anwerben. Einfach auf Anfragen von Flüchtlingen zu warten, reiche angesichts der großen Herausforderung der Integration nicht, stellte der Wissenschaftsrat in einer über 200 Seiten langen Empfehlung zum Thema fest, die er am Montag in Berlin vorstellte.

Nötig sei proaktive Ansprache. „Eine wichtige Rolle können dabei soziale Medien darstellen.” Die sozialen Netzwerke der Flüchtlinge ließen sich so besonders gut nutzen, um Informationen zu Studienmöglichkeiten zu verbreiten. Zudem müsse spätestens mit dem Asylantrag systematisch erfasst werden, welche Qualifikation die Flüchtlinge hätten. Das solle auf der Basis freiwilliger Selbstauskünfte geschehen.

Flüchtlinge könnten auch von mobile Teams zur Bildungsberatung angesprochen werden. Sie sollten die Menschen direkt in den Flüchtlingsunterkünften oder in Sprach- und Integrationskursen aufsuchen. Wer nicht alle nötigen Nachweise für ein Studium vorlegen kann, sollte jedoch ein bis zwei Semester lang erste Veranstaltungen oder Module absolvieren können.

Der Wissenschaftsrat machte auch auf viele Hindernisse für Flüchtlinge für ein Studium aufmerksam. So fehle es neben den Integrationskursen an speziellen Angeboten für Studieninteressierte. Für die Einschreibung werde der Nachweis einer Krankenversicherung verlangt. Asylbewerber und Geduldete seien in den ersten 15 Monaten in Deutschland aber nicht krankenversichert. Zudem haben nur anerkannte Flüchtlinge ohne Wartezeiten Anspruch auf BAföG-Leistungen.

Insgesamt rief der Wissenschaftsrat die Universitäten auf, sich noch stärker um internationale Studenten zu bemühen. Nötig seien auch beschleunigte Verfahren der Visavergabe.

Mit 65.000 belegten rund ein Viertel der ausländischen Studenten im vergangenen Jahr einen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang. Beliebt waren zudem die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit 57.000 internationalen Studierenden, Mathematik und Naturwissenschaften mit 42.000 sowie Sprach- und Kulturwissenschaften mit 39.000.

(dpa)