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Aachen: Hochschule muss Reformen verkraften

Aachen : Hochschule muss Reformen verkraften

„Lügner! Heuchler! Volksvertreter!” Hannelore Kraft kennt wohl schönere Begrüßungsformeln.

Doch als Landesministerin für Wissenschaft und Forschung musste sie sich am Mittwoch an der FH auch solch harsche Worte gefallen lassen - von hunderten Demonstranten. Aber: Applaus erhielt sie schließlich auch.

Professor Hermann Josef Buchkremer, Rektor der Fachhochschule, freute sich zwar darüber, „dass wir mit zwei Standorten vertreten sind.”

Doch bereite auch ihm der Grund der Proteste Sorgen: Die Umstrukturierung der Abschlüsse, die Zukunft der Professorenstellen und die finanzielle Beteiligung für Langzeit-Studenten.

Drei Kritikpunkte trug Stefan Köhne, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, vor. „Die Umstellung von Diplom- auf Bachelor-Studiengänge wird für die jetzigen Studenten Nachteile mit sich bringen.”

Denn die neuen Kurse, die nach dem Sommersemester 2005 beginnen sollen, würden „auf Bachelor-Niveau geführt”. Wer aber sein Diplom zu Ende machen wolle, „der muss nun Zusatzveranstaltungen besuchen”.

Ähnliches prophezeite der AStA-Pressesprecher bezüglich der neuen Semestergebühren. „Wir haben an der FH einen hohen Anteil an Wechslern, vor allem welche von der RWTH.”

Zähle man dazu noch die FH-Studierenden, „dann sprechen wir über etwa 2000 Betroffene - und wir rechnen wegen der Gebühren mit einer Abbrecherrate um die 65 Prozent.”

Ungeklärt - und daher ein weiterer Kritikpunkt - war bis gestern morgen auch die Zukunft der Professorenstellen.

Doch Hannelore Kraft hatte sich bei ihrer Ankunft, entgegen aller Erwartungen, nicht am Protestvolk vorbei geschlichen, sondern das Podest im Handumdrehen erklommen, das Mikro ergriffen.

Hatten die AStA-Vorsitzende Meike Pilsl und ihr Referent für Hochschulpolitik zuvor mit „40 Stellen” gerechnet, die im wissenschaftlichen Dienst der FH eingespart werden sollten, nannte Kraft dies „ein großes Missverständnis”.

Die Hochschule habe schlicht eine Vorgabe aus dem Ministerium zu Neuberufungen von Stellen falsch interpretiert. „Einen Einstellungsstopp, den gibt es nicht”, rief Kraft in die Menge, um jetzt Applaus zu ernten.

Kraft warb für die von ihr geplanten Umstrukturierungen und betonte: „Das ist kein Kürzungskonzept!” Die Reformen seien durchaus zu verkraften: „Die Ausgangssituation ist nicht goldig, wir haben eine Menge Arbeit zu tun”, sprachs, lästerte noch ein wenig über Elite-Unis und lobte das FH-Konzept, „um das uns die Amerikaner wegen der starken Berufsorientierung so beneiden”. Doch am Bachelor führe kein Weg mehr vorbei: „Der wird kommen”.

Rektor Buchkremer zeigte sich beruhigt, denn anstehende Pensionierungen ohne die Gewissheit von Nachfolgern - darin hätte er „eine Katastrophe” gesehen und nannte mit den Fachbereichen Elektrotechnik, Betriebswirtschaft und Design diejenigen Disziplinen, in denen demnächst „ein Generationenwechsel” anstehe.

Der Rektor war aber schon im Vorfeld optimistisch gewesen und ging fest davon aus, dass „kein Standort bedroht ist. Buchkremer: „Dafür sind wir einfach zu gut!”