Berlin: Hochschüler beklagen Probleme im Bachelor-Master-System

Berlin: Hochschüler beklagen Probleme im Bachelor-Master-System

Auch zwei Jahre nach den großen Bildungsprotesten sind Studenten weiter unzufrieden mit der Umstellung auf Bachelor und Master an den Unis. Bei der zweiten nationalen Bologna-Konferenz am Freitag in Berlin kritisierten Studentenvertreter, die Korrekturen der vergangenen Monate seien zum Teil nur „Kosmetik” gewesen.

Die Probleme im neuen System - zu viele Prüfungen, zu starre Strukturen, Hürden beim Hochschulwechsel - seien noch immer ungelöst. Vertreter von Bund, Ländern und Hochschulen räumten Nachbesserungsbedarf ein. Viele Schwierigkeiten halten sie aber für beseitigt.

Deutschland und 45 weitere europäische Staaten haben vor einigen Jahren begonnen, ihre Studiengänge nach und nach auf Bachelor und Master umzustellen. Die Hochschulreform - Bologna-Prozess genannt - wurde 1999 angestoßen, um die Studienabschlüsse in Europa zu vereinheitlichen. In Deutschland verlief der Übergang jedoch holprig und löste heftige Studentenproteste aus. 2009 gingen bundesweit Zehntausende Studenten auf die Straße, um gegen die Studienbedingungen im neuen System zu protestieren.

Im vergangenen Jahr hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die erste nationale Bologna-Konferenz einberufen, um über Probleme und Fortschritte zu beraten. Die Treffen gibt es nun jährlich. Mit am Tisch sitzen Vertreter von Bund, Ländern, Hochschulen, Studentenschaft, Wirtschaft und Gewerkschaften.

In der Runde forderten Wirtschaftsvertreter am Freitag eine größere Zahl an berufsbegleitenden Master-Studiengängen, um mehr junge Leute nach dem Bachelor-Abschluss für den Berufseinstieg zu gewinnen. Bislang schließen die meisten Bachelor-Absolventen direkt ein Master-Studium an. Viele sind verunsichert, ob ein Bachelor auf dem Arbeitsmarkt ausreichend akzeptiert wird. Andere haben die Befürchtung, später keinen Master-Platz zu bekommen.

„Keine Angst vor Mangel an Master-Plätzen”

Schavan kündigte an, der Bund werde in den kommenden Jahren 250 Millionen Euro für einen Wettbewerb zur Verfügung stellen, um neue Konzepte für berufsbegleitende Master-Studiengänge zu entwickeln. Auch die bessere Beratung von Studieneinsteigern und der einfachere Hochschulwechsel seien wichtige Aufgaben. Die Angst vor einem Mangel an Master-Studienplätzen wies die Ministerin dagegen als unbegründet zurück.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Niedersachsens Ressortchef Bernd Althusmann (CDU), sagte, in den vergangenen Monaten habe sich viel getan. Lehrpläne seien überarbeitet, Prüfungsordnungen verändert und die Prüfungslast reduziert worden. Nun gehe es nur noch um Detailfragen.

Auch die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, sagte, einige Probleme seien gelöst. Es gebe jedoch weiter Nachbesserungsbedarf bei den neuen Strukturen. Außerdem fehle es den Hochschulen noch immer an Geld und Personal.

Studentenvertreter sehen bislang wenig Fortschritte. Florian Pranghe vom Freien Zusammenschluss von Studentenschaften beklagte, die Bachelor- und Masterstudiengänge seien immer noch sehr verschult und wenig flexibel. Die Prüfungslast sei weiter hoch und der Wechsel von einer Uni zur anderen schwierig. Die Veränderungen der vergangenen Monate seien „eher Kosmetikpolitik” gewesen und am Ziel vorbeigegangen. Außerdem komme der große Schwung der Bachelor-Absolventen erst noch. Ob die Master-Plätze ausreichten, werde sich erst in einigen Jahren zeigen.

„Schavans Master-Desaster”

Die Opposition wertete die Konferenz als Reinfall. Der SPD-Bildungspolitiker Swen Schulz sagte, solche „kostspieligen Showveranstaltungen” solle sich Schavan künftig sparen und statt dessen an Lösungen arbeiten. Die Linke-Hochschulexpertin Nicole Gohlke kritisierte, es herrsche ein „Master-Desaster”, doch Schavan nehme die Sorgen der Studenten nicht ernst. Der Grünen-Hochschulpolitiker Kai Gehring mahnte, eine weitere „Schavan-Konferenz des Gesundbetens und Schönredens” der Reform sei Studenten und Lehrenden nicht zumutbar.

Mehr von Aachener Zeitung