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Dresden/Münster: Historikerverband kritisiert Situation an den Hochschulen

Dresden/Münster : Historikerverband kritisiert Situation an den Hochschulen

Der Vorsitzende des deutschen Historikerverbandes, Prof. Peter Funke, hat die Situation an den Hochschulen scharf kritisiert.

„Die Geschichtswissenschaften haben gleich mit mehreren Schwachstellen als Folgen von Hochschulreformen und Sparpolitik zu kämpfen”, sagte der Münsteraner Althistoriker am Montag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa anlässlich des 47. Deutschen Historikertages in Dresden. Bundespräsident Horst Köhler wird an diesem Dienstag Europas größten geisteswissenschaftlichen Kongress mit rund 3000 Teilnehmern eröffnen.

Als gravierendes Problem an den historischen Fakultäten nannte Funke „unzureichende Lehrkapazitäten und eine unzureichende Grundausstattung”. Bei den neuen, nur sechs Semester dauernden Bachelor-Studiengängen müssten in kürzerer Zeit mehr Studenten als früher durchgeschleust werden - und dies bei einer erheblichen Ausweitung von Zwischenprüfungen und Klausuren. „An der Betreuungsrelation Lehrkräfte/Studenten hat sich aber nahezu nichts geändert. Und wenn neue Kräfte eingestellt werden, dann meist nur befristet auf ein halbes oder ein Jahr, oft unter unglaublichen Bedingungen.”

„Viele Studenten können in der vorgesehenen Studienzeit den Bachelor in Geschichte nicht schaffen”, sagte Funke. Ein von vielen Studierenden vorgesehener einjähriger Auslandsaufenthalt sei ohnehin unmöglich, wenn man in der Regelstudienzeit fertig werden wolle.

Funke beklagte außerdem, dass die neuen Studiengänge nicht mehr so durchlässig seien wie früher Lehramts- und Magisterstudiengänge. „In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gibt es nach der Entscheidung von Studierenden für den Master of Education für Lehrer oder den Master of Arts für den speziell wissenschaftlichen Bereich praktisch keine gemeinsamen Veranstaltungen mehr.”

Unverständnis zeigte Funke für den Abbau von Stellen in geschichtswissenschaftlichen Themenbereichen vor allem außerhalb der europäischen Geschichte. Dabei sei gerade im Zeitalter der Globalisierung Geschichtswissen über andere Kontinente, Kulturen und Religionen - etwa islamische Staaten - besonders wichtig.

„Es ist schon bedauerlich, wie wir im Vergleich zu anderen europäischen Ländern um Stellen in diesen Bereichen kämpfen müssen.” Funke zeigte sich irritiert, dass zwei Jahre nach der Umwandlung des Göttinger Max-Planck-Instituts für Geschichte in das Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften dessen personelle Situation immer noch nicht geklärt sei.