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Aachen: Gute Noten mit Schönheitsfehlern

Aachen : Gute Noten mit Schönheitsfehlern

Dass die RWTH Aachen einen glänzenden Ruf in der Welt hat, dass sie zu den führenden Technischen Hochschulen mindestens Europas zählt, dass sie mit der Wirtschaft auf Du und Du ist: man liest es des Öfteren.

Doch welches Image hat der „Tanker RWTH” eigentlich bei seinen Studenten und Mitarbeitern, in der Bevölkerung und bei den Unternehmen? Das wollte das Rektorat genauer wissen und beauftragte im März 2003 den Lehrstuhl für Betriebs- und Organisationspsychologie mit einer Analyse. Jetzt wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Ergebnis: Überwiegend und überall positiv, doch mit einigen interessanten Lücken.

In rund einjähriger Arbeit befragten Professor Lutz Hornke und seine Mitarbeiter Jan Schilling und Verena Heukamp gut 1500 Studierende via E-Mail, bekamen von 500 angeschriebenen Firmen 226 ausgefüllte Fragebögen zurück und führten mit 40 nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern der Hochschule zum Teil mehrstündige Gespräche.

Mehr Praxisbezug

Die Studenten geben ihrer Hochschule rundweg ein gutes Zeugnis, bekritteln aber Mängel in der Lehre. Die sehen sie in der Aufbereitung des Stoffs, nicht ausreichender Betreuung, beengten Raumverhältnissen und zu großer Anonymität. Auch wünschen sich viele einen stärkeren Praxisbezug.

Während fast alle Unternehmensvertreter die RWTH pauschal „ziemlich oder sehr positiv” finden, offenbart diese Umfrage erhebliche Wissenslücken beziehungsweise mangelndes Interesse an Punkten, die im Selbstverständnis der Hochschule wichtig sind.

Was hier alles geforscht wird, berührt die Personalabteilungen kaum, auch nicht die Angebote an Weiterbildung. Vermisst werden zum Teil „überfachliche Qualifikationen” wie vor allem Präsentationstechniken. Außerdem geben manche Firmenvertreter an, es sei schwierig, Ansprechpartner in der Uni zu finden und wünschen sich überhaupt mehr „Service”.

Solche Einschätzungen spiegelten aber auch das Gesamtbild vieler Unternehmen von Universitäten. Schilling: „Insgesamt kümmert die Hochschullandschaft die Unternehmen nicht so sehr.” Das müsse sich ändern, meint Hornke.

Im Gegensatz zur ersten selbstgemachten Imageanalyse der TH von 1995 konnte diesmal mangels Ressourcen die Bevölkerung nicht unmittelbar befragt werden. Indirekte Hinweise liefern aber die Antworten der nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter. Die erleben ihren Arbeitgeber durchweg als positiv und kritisieren nur Details der jeweiligen Arbeitsstelle.

In der Einstellung der Mitarbeiter schwinge sicherlich auch viel von dem mit, „wie in ihrer privaten Umgebung über die TH geredet wird”, so Hornke. So werden auch Mutmaßungen und Vorurteile der Bevölkerung transportiert. Auch solche, dass an der TH nicht viel geleistet werden müsse, Studenten „dauernd frei” hätten und „nur auf Partys” gingen.

Derlei sieht der Psychologe Hornke ganz gelassen. „Mit manchen Images muss jede Einrichtung leben.” Wichtig sei aber, die vielen Anregungen zur noch stärkeren Profilbildung der RWTH zu nutzen. Und in der Stadt Aachen müssten deutlich größere Schilder auf die Hochschule hinweisen...

Und wie findet der Rektor die Ergebnisse? „Nicht besonders spektakulär”, aber hilfreich, sagt Burkhard Rauhut. Man sei dabei, die aufgedeckten Defizite gezielt abzubauen. „Wir brauchen mehr Aktivitäten, um den nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern zu verdeutlichen, was die TH leistet.”

Und „massiv” bearbeitet werde die bekannte RWTH-Schwachstelle Lehre. „Als erste Hochschule in NRW lassen wir alle Vorlesungen am Semesterende von unseren Studenten kritisieren.” Falle ein Dozent negativ auf, folge ein Gespräch mit dem Dekan.

Die Wissenslücken bei den befragten Unternehmern irritieren Rauhut nicht sehr, „unser Drittmittelaufkommen spricht eine deutliche Sprache”. Und das geringe Interesse an den Weiterbildungs-Angeboten sei ein generelles Problem: „Die Firmen tun da kaum was in dieser miesen Konjunktur.” Die TH werde dem aber mit „vernünftigen Angeboten” begegnen.