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Aachen: FH-Studiengang Produktdesign vor dem Aus

Aachen : FH-Studiengang Produktdesign vor dem Aus

Verriegelt und verrammelt, die Fenster mit Planen verhängt, der Eingangsbereich mit einem Bauzaun versperrt und ein großes Banner mit der Aufschrift „Zu vermieten!”.

So könnte, befürchten zumindest die Studenten und Dozenten des Fachbereichs Design der Aachener Fachhochschule am Boxgraben, die Zukunft aussehen.

Hinter dem Bauzaun hatten sich am Donnerstagmorgen rund 150 Studenten eingefunden, um gegen die Sparpläne der FH zu protestieren, die allerdings ihren Ursprung bei der Landesregierung in Düsseldorf haben.

Die Studenten befürchten, dass der Bereich Produktdesign in Gefahr ist, denn bis 2006 werden dort drei Professoren pensioniert. Für weitere dreieinhalb unbesetzte Dozentenstellen sind zwar die Bewerbungsverfahren schon angelaufen, allerdings werden die Stellen jetzt doch nicht besetzt.

„Die Studenten wurden bis letzte Woche in dem Glauben gelassen, dass die vier Professoren antreten. Das Kartenhaus ist jetzt zusammengebrochen”, ärgert sich Clemens Stübner, der als einer der Lehrbeauftragten mit Zeitvertrag derzeit versucht, den Betrieb aufrecht zu halten.

Denn schon jetzt läuft im Bereich Produktdesign, in dem über 200 der insgesamt rund 450 Designstudenten lernen, nur das Nötigste. Der Abschluss sei derzeit nicht gefährdet.

„Aber es wird nicht alles abgedeckt, was wir bräuchten. Auf die Berufungsverfahren hatten wir gehofft”, erklärt Anja Wibranski von der Fachschaft. Im schlimmsten Fall gäbe es 2006 nur noch einen Professor für Produktdesign - faktisch wäre das das Aus für diesen Bereich.

Auch die Leitung der FH ist mit den Plänen aus der Landeshauptstadt nicht einverstanden. Prorektorin Professor Gisela Engeln-Müllges kündigte schon einen Protest im zuständigen Ministerium an. Sie erklärt, dass die Kombination Produktdesign und Kommunikationsdesign, als zweiter Studienbereich in Aachen, bewusst so gewählt wurde und sich die Fächer mit Erfolg ergänzen.

„Damit wird ein erfolgreicher Bereich zugrunde gerichtet”, so Engeln-Müllges. Sie ärgert sich darüber, dass Hochschulkonzepte bis 2010 ausgearbeitet werden. Auf der anderen Seite müsse sich FH-Verwaltungsdirektor Reiner Smeetz bei einer Besprechung im Ministerium anhören: „Kümmern sie sich doch nicht um 2006...”

Professor Ernst Bienes, als Prorektor für Planung und Finanzen zuständig, erklärt die Misere: „Der öffentliche Dienst soll in Zukunft wie ein Privatunternehmen arbeiten. Deshalb gibt es einen Globalhaushalt.”

Allerdings reiche das Geld nur noch für gut 200 der 240 Professorenstellen. Also bleiben die Stellen unbesetzt, aus denen jemand aus Altersgründen ausscheidet. Leider sei der Bereich Design in den nächsten Jahren besonders stark betroffen. Hinsichtlich der Bemühungen um eine bessere Qualität der Lehre seien solche „Pauschalkürzungen paradox”.

„Das frustriert”, weiß Studiendekan Helmut Jakobs. Die Studenten im Fachbereich Design seien besonders engagiert. Doch jetzt stünde zu befürchten, dass einige hier in Aachen nicht einmal zu Ende studieren können.

Ab 2006 kommt der Globalhaushalt

Derzeit hat die FH Aachen rund 29 Millionen Euro für Personal und rund 3 Millionen Euro für Sachmittel zur Verfügung.

Ab 2006 gibt es einen neuen Global- also Gesamthaushalt, der um gut 2,3 Millionen Euro niedriger sein wird.

Gespart werden muss beim Personal. Die Professorenstellen, die aus Altersgründen frei werden, bleiben unbesetzt.

Rund 40 Professorenstellen fallen weg.

Am stärksten betroffen sind die Fachbereiche Design, Wirtschaft und Maschinenbau.