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Aachen: FH Aachen: Internet-Seiten zur WM sind nicht immer weltmeisterlich

Aachen : FH Aachen: Internet-Seiten zur WM sind nicht immer weltmeisterlich

Wenig schmeichelhaft klingt das Urteil einer Experten-Gruppe über viele offizielle Internet-Auftritte aus zwölf deutschen WM-Städten.

Vor allem fehlende Fremdsprachen und schlechten Service für Behinderte bemängelt ein Team der FH Aachen, das unter der Leitung von Professor Thomas Ritz 50 Netz-Angebote unter dem Stichwort „Barrierefreiheit” analysiert hat.

Die Studierenden des internationalen Studiengangs Communication and Multimedia Design (C-MD) untersuchten in erster Linie die Bedienerfreundlichkeit - gerade im Hinblick auf hunderttausende ausländische Gäste in den WM-Spielorten sowie den Service für behinderte Internetnutzer.

„Ganz offensichtlich sind die meisten Internet-Auftritte mit enormem finanziellen Aufwand für die Weltmeisterschaft gestaltet worden”, sagt der 34-jährige Dozent. „Doch das Ergebnis zeigt leider oft kein WM-Niveau - obwohl es auch herausragende positive Beispiele gibt.”

32 Nationalteams aus sechs Kontinentalzonen und viele Fans aus weit mehr Ländern jubeln und leiden derzeit „zu Gast bei Freunden” - beim Ball-Kicken und Maus-Klicken. „Trotzdem informieren viele Angebote über Städte, Sehenswürdigkeiten, Verkehrsmittel, Spiele, Stadien etc. nur ein- oder zweisprachig - wie etwa Gelsenkirchen”, kritisiert C-MD-Studentin Stephanie Bieker (25). Freundlich sei das nicht.

„Vorbildlich gestaltet dagegen die Stadt Hamburg ihre Web-Präsenz, die in 24 Fremdsprachen übersetzt ist”, lobt Kommilitone Markus Waskowski (24). Aber bei 28 Internet-Anbietern bietet die Suchfunktion bei ungenauen Schreibweisen keine Alternative an - unkomfortabel. Und nur die Hälfte der Online-Dienste erläutert grafische Darstellungen in zusätzlichen Textfenstern - besonders bedeutsam für Sehbehinderte.

Deren Software, die Textzeilen über den Computer hörbar macht, läuft so ins Leere. Sehschwächen gleichen Behinderte und Ältere oft über einen größeren Schriftgrad aus - in einigen Internet-Menüs fehlt diese Option. „Doch bei immerhin 56 Prozent der Websites kann man ohne Maus ausschließlich über die Tastatur navigieren”, erklärt FH-Student Benjamin Pfalzgraf (26). „Für Senioren und User mit Handicap, deren Motorik eine sensible Mausbedienung nicht zulässt, ist das ungeheuer wichtig.”

Bewusst „barrierefrei” und damit hervorragend beurteilen die Experten http://www.frankfurt.de und auch http://www.mvv-muenchen.de als Positivbeispiele. „Es gibt viel Licht und Schatten, tausende Daten bei 30 untersuchten Kriterien liegen uns nun vor”, sagt Ritz. „Auf Anfrage können wir dieses wertvolle Wissen nun denjenigen zugänglich machen, die einen optimalen Internet-Auftritt planen.” Der schmeichelt nämlich nicht nur dem Anbieter.