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Berlin: Einmal kalte Currywurst und zurück

Berlin : Einmal kalte Currywurst und zurück

Es ist einer der bekanntesten Schlachtgesänge im deutschen Fußball: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Dass nicht nur Fußballfans auf den Song abfahren, steht seit Donnerstag fest.

633 Kilometer von der Heimat entfernt, lud die RWTH zur Jahrespressekonferenz ein.

Aachen überregional, Aachen international - erst die Nachricht aus der Vorwoche von der Vergabe des außergewöhnlichen Karlspreises an Papst Johannes Paul II. im März in Rom, am Donnerstag die außergewöhnliche Pressekonferenz in der Landesvertretung NRW am Berliner Tiergarten. Außergewöhnlich (sieht man vom Begriff Elite ab) ist das Schlagwort der Stunde. Ob sich allein damit allerdings auswärts punkten lässt, ist eine andere Frage.

Genau das dürfte die Delegation um RWTH-Rektor Burghard Rauhut, an dessen Hochschule nach eigenem Bekunden in dem Kontest „Deutschland sucht seine Elite-Universitäten” kein Weg vorbei führt, wohl im Sinn gehabt haben.

Was in unserer Region hinlänglich bekannt ist, mussten am Donnerstag deshalb auch mal die anderen erfahren - etwa der Deutschlandfunk... Spiegel, FAZ, Focus, Berliner Tagesspiegel und Süddeutsche Zeitung erschienen, obwohl eingeladen, nicht zur PK.

Trotz des Mottos „raus aus der Provinz, rein in die Metropole” war das Interesse an Aachen und seiner Hochschule nicht eben spitze.

Hiroshimastraße statt Templergraben, Landesvertretung NRW statt RWTH-Hauptgebäude. Burkhard Rauhut schien der Tapetenwechsel zu gefallen.

Begleitet vom Präsidenten der IHK Aachen, Michael Wirtz, IHK-Geschäftsführer Jürgen Drewes, TH-Kanzler Michael Stückradt und Hartmut Krebs, Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium, wählte Rauhut im Saal mit dem Namen „Lippe” markige Worte: „Es gibt unterschiedliche Geschwindigkeiten in der deutschen Uni-Landschaft. Wir sind eine der schnelleren.”

In seiner einstündigen Power-Point-Präsentation zeichnete der Rektor das Bild einer Universität, die sich als modernes Unternehmen versteht. „Die RWTH als Marke - Darstellung einer Strategie” hatte Rauhut seinen Vortrag überschrieben, in dem von „exzellenzorientierter Berufungspolitik”, effizienten Managementstruk- turen” und „Benchmarking” die Ree war.

Und natürlich von den ausgezeichneten Beziehungen zur regionalen Wirtschaft. „Wir pflegen vielfältige Kontakte zur Industrie. Allein 142,5 Millionen Euro Drittmittel wurden 2003 verausgabt. Das ist bundesweite Spitze”, sagte Rauhut.

Dass die RWTH nicht nur theoretisch das Zeug zur Elite-Universität hat, sondern auch praktisch, wurde bei einer netten Darbietung untermauert. Neben dem Science Truck, der draußen von der Landesvertretung etwas verloren in der Gegend rumstand, hatte man auch einen mobilen Kernspintomographen mitgebracht.

Professor Bernhard Blümich vom Lehrstuhl für Makromolekulare Chemie präsentierte das neue Modell, das Details sichtbar macht, die nur 0,15 Millimeter groß sind, unter 100.000 Euro kostet, bequem in jeden Koffer passt und in kürzester Zeit Kunststoffe und Lebensmittel prüft, ohne sie zu zerstören.

Die (wenn auch eikalte) Currywurst vom Kuhdamm, hielt der Durchleuchtung im Mini-Tomographen jedenfalls Stand, ohne erkennbar Schaden zu nehmen. Das Experiment als Beleg für die Kernkompetenz der RWTH in Sachen Medizintechnik heranzuziehen, würde aber wohl zu weit führen.

Bliebe noch eine Frage: Warum in die Ferne schweifen, wenn es doch zu Hause so schön ist?

„Berlin ist die Hauptstadt und damit der Marktplatz für Information. Wer Information an den Mann bringen will, muss auf den Marktplatz gehen. Deshalb haben wir uns für die PK hier in Berlin entschieden”, sagte der gebürtige Berliner Rauhut.

Eine Wiederkehr aus gleichem Anlass wollte der Rektor nicht ausschließen. Ein Journalist aus den Niederlanden fand die Aussicht offensichtlich nicht besonders verlockend. Sein Fazit: „Warum haben die das nicht in Aachen gemacht. Berlin ist also doch nicht immer eine Reise wert.” Wiedersprochen hat ihm niemand.