Aachen: „Eine richtige Kathedrale”: Richtfest für das RWTH-Technikum

Aachen: „Eine richtige Kathedrale”: Richtfest für das RWTH-Technikum

Stefan Bielefeld hat mit einem doppelten Boden gearbeitet. Und das ist auch gut so. Denn der Boden ist im Wortsinne doppelt und wird in Zukunft hunderte Meter Kabel und Leitungen verbergen müssen.

Am Donnerstag, beim Richtfest des neuen Technikums für das Maschinenwesen der RWTH, war der doppelte Boden noch nicht abgedeckt, der stellvertretende Projektplaner Bielefeld kann also Einblicke in seine Arbeit geben. Die war überaus anspruchsvoll.

„Es war eine große und spannende Herausforderung, so viele hochtechnologische Anforderungen auf einem recht kleinen Grundstück zusammenzubringen”, sagt der Mann aus dem Hause der Generalplaner, der Schürmann Spaniel AG aus Bochum.

Bis zu neun Meter hoch

Das Unternehmen hat bundesweit mit eindrucksvollen Bauwerken aufwarten können, beispielsweise dem ersten Kranhaus direkt am Rhein in Köln. Das rund 15 Millionen Euro teure RWTH-Technikum wird mehr mit inneren Werten beeindrucken, denn in den Laboren und Werkstätten wird an der Zukunft gebastelt.

Bis zu neun Meter hoch können die Versuchsaufbauten werden, die Raumgrößen der Labore sind veränderbar, es wird zwei Kranbahnen geben und mit Lasern gearbeitet werden können. Und es werden CNC-Maschinen im Wert von Einfamilienhäusern Platz finden. „Im Innern ist das eine richtige Kathedrale”, sagt Thomas Pier von der Schürmann Spannel AG und geht durch das gewaltige Lieferantentor ins Gebäude. „Wir werden hier auf keinen Fall in zehn Jahren merken, dass es nicht mehr passt. Das ist ein Gebäude für die Zukunft”, sagt dort Architekt Bielefeld.

Und dann erzählt er - durchaus stolz - von dem, was man auch im Innern nicht sieht: der Belüftungsanlage, die in die Betonhülle integriert ist. Es wird also keine äußeren Anlagen, keine Zu- und Ablufttürme geben. „Gerade in der Innenstadtlage war uns das ein Anliegen”, sagt Bielefeld und spricht damit einen wichtigen Punkt an. Dieser RWTH-Bau liegt mitten im Herzen der Stadt.

Es musste also auch städtebaulich ein Akzent gesetzt werden, auch wenn für die Wissenschaftler der Zweck zwangsläufig im Vordergrund stand. Und so berichtet Bielefeld, dass der Betonklotz - denn das ist das Technikum im Moment noch - eine Fassade erhält, die den Gestaltungskanon der umliegenden Gebäude aufnehmen werde. Vor allem farblich. Der höhere Büroteil des Technikums wird eine farbige Glasfassade erhalten, der niedrigere Laborteil mit anthrazitfarbigem Eternit eingekleidet. „Wir übernehmen changierend die Farben des Umfeldes”, beschreibt Bielefeld.

Es war nie der schönste Teil der RWTH im Stadtbild, der sich zwischen Eilfschornsteinstraße und Pontstraße mit seinen augenscheinlich recht zufällig angeordneten Gebäuden ausbreitete. Dort, wo nun das Technikum von einer Arbeitsgemeinschaft der Aachener Baufirmen Derichs und Konertz und Quadflieg bis Sommer 2012 fertiggestellt wird, stand einmal ein schlichtes Parkhaus mit nackten Betonebenen.

Dahinter steht immer noch der alte Sammelbau (von 1964), auch „Blaues Haus” genannt. Er wird als nächstes angepackt und umfassend saniert. Im nächsten Jahr beginnt die Maßnahme, 2013 soll sie abgeschlossen werden. Dann hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW als Bauherr 44 Millionen Euro aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm des Landes an Ort und Stelle investiert - fast doppelt so viel wie ein paar Meter weiter am Templergraben, wo das „Super C” 23 Millionen Euro gekostet hat.

Sehr zur Freude der bedachten Fakultät. Die hat aber auch gute Argumente. Laut Rektor Ernst Schmachtenberg wurde mit fast 2000 neuen Maschinenbaustudenten ein „Allzeitrekordwert” erreicht. Und bei diesem Wert hat die RWTH keineswegs mit doppeltem Boden gearbeitet. Das hat sie Bielefeld und den Planern überlassen.

12.000 Quadratmeter für das Maschinenwesen

44 Millionen Euro werden insgesamt in das Maschinenwesen der RWTH investiert. Anschließend stehen der Fakultät IV der Hochschule 12 000 Quadratmeter zur Verfügung.

Beim Richtfest erklärte Matthias Kraemer (2. von links), Vorstand des Generalsplaners Schürmann Spannel AG, der Bau werde „vollgestopft mit modernster Technik”. Klaus W. Heine (Mitte) vom Bauherrn, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb, kündigte an, dass das Haus sich mitten in der Innenstadt „sehen lassen könne.”

Dann wurden symbolische Nägel von ihnen sowie Dr. Waldemar Brett (NRW-Wissenschaftsministerium, links), RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg (rechts) und Ex-Innenminister Ingo Wolf als Vertreter der Landes-FDP in einem Holzbalken versenkt.

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