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Aachen: Dialog zwischen den Kulturen: Eine Überlebensfrage

Aachen : Dialog zwischen den Kulturen: Eine Überlebensfrage

Technik und Kultur - zwei Bereiche, die auf den ersten Blick vielleicht nicht allzu viel gemeinsam haben.

Dabei braucht die globalisierte Welt mehr denn je die Verknüpfung dieser beiden Disziplinen, um unterschiedliche Kulturen in einem Dialog zusammenzuführen.

„Technische Zivilisation und kulturelle Identitäten im Zeitalter der Globalisation”: Es ist ein aktuelles und zuweilen sogar brisantes Thema, mit dem sich das Forum für „Technik und Gesellschaft” der RWTH Aachen beim sechsten Interdisziplinären Kolloquium auseinandersetzt.

„Denn die weltweite Angleichung technischer Standards steht der Ungleichheit kultureller Identitäten gegenüber”, zeichnet Karl Kegler, Geschäftsführer des Forums, das Dilemma auf.

So würden Techniker oft annehmen, dass der von ihnen entwickelte Motor auf jedem Kontinent gleich funktioniere. Dabei hätten Menschen in Indien ein ganz anderes technisches Selbstverständnis als Menschen in Deutschland. Schließlich sei die kulturelle Verschiedenartigkeit der Welt ein wichtiger Faktor für die Entwicklung, den Einsatz und die Akzeptanz von Technologien und habe nicht zuletzt auch konkrete wirtschaftliche Bedeutung.

Auf der Tagung, für die der Präsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, die Schirmherrschaft übernommen hat, rückt demnach die Frage nach einem interkulturellen Konfliktmanagement in den Mittelpunkt.

„Wie schaffen wir den Schritt vom Kampf der Kulturen zum Dialog der Kulturen? Sowohl wirtschaftlich als auch existenziell ist das eine Überlebensfrage, die von den kommenden Generationen gelöst werden muss”, fordert Professor Max Kerner vor allem junge Leute auf, die Veranstaltung zu besuchen und in den Dialog zu treten.

Für den Vorstandssprecher des Forums ist besonders der Vortrag von Udo Steinbach von hohem Interesse. Der Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg reflektiert ein Jahr nach dem 11. September über die zwei großen Kulturen dieser Welt - die Westliche Welt und den Islam. „In einem âDialog der Kulturen” würde auf westlicher Seite eine neue Form des Umgangs mit der islamischen Welt gefunden werden.

An die Stelle von Dominanz und Machtpolitik würde eine auf Kooperation ausgerichtete Begegnung treten und die islamische Welt würde die weithin verbreitete Verweigerung gegenüber einer vom Westen geprägten Moderne aufgeben und sich realistisch damit auseinandersetzen”, heißt es in seinem Referat „Ein Jahr nach dem 11. September - von der Faszination des Déjá-vu”.

Von diesem Idealbild weit entfernt, stellt sich die Frage, „welche Art von Wissen ist den unterschiedlichen Kulturen wichtig, und wie wird diese kommuniziert? Mit diesen Fragen sollten sich nicht nur die Geisteswissenschaftler beschäftigen.

Sie sind für weltweit produzierende Unternehmen ebenso wichtig”, spricht sich Professor Eva-Maria Jakobs vom Germanistischen Institut, für eine „internationale und interdisziplinäre Lehre und Forschung” aus.

Das Kolloquium zum Thema „Technik, Welt, Kultur” findet am 1. und 2. Oktober, im Hauptgebäude der RWTH Aachen, Templergraben 55 statt. Die Tagung wird am Dienstag, um 10 Uhr eröffnet.

Im Laufe des Tages folgen Referate, von Experten aus Japan, den Niederlanden und Deutschland, die den Bereich „Technik und Lebenskulturen” unter die Lupe nehmen. Zum Abendvortrag von Udo Steinbach zum Thema „Ein Jahr nach dem 11. September - von der Faszination des Déjá vu” sind interessierte Bürger um 19.30 Uhr in den Krönungssaal des Aachener Rathauses eingeladen.

Mit einem Blick auf verschiedene „Produktionskulturen” wird die Veranstaltung am Mittwoch, ab 8.45 Uhr fortgesetzt. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der BMW-Vorstandschef, Joachim Milberg, mit Thesen von Unternehmenskultur und Globalisierung.

Der Nachmittag steht im Zeichen der „Wissenskulturen”. Die Referate mit abschließender Diskussion beginnen um 14 Uhr. Eintritt frei.