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Wiesbaden/Berlin: „Deutschlandstipendium” für knapp jeden hundertsten Studenten

Wiesbaden/Berlin : „Deutschlandstipendium” für knapp jeden hundertsten Studenten

Der Bund und private Geldgeber teilen sich seit fünf Jahren das Deutschlandstipendium für begabte Studenten. Es geht leicht aufwärts mit dem Förderinstrument, dennoch gibt es weiterhin breite Kritik.

Trotz eines leichten Aufwärtstrends bei den Förderzahlen kommt das sogenannte Deutschlandstipendium nur knapp jedem 100. Studierenden zugute. Bundesweit erhielten im vergangenen Jahr 24 300 Menschen ein solches Stipendium von 300 Euro pro Monat, das zu gleichen Teilen vom Bund und von privaten Förderern übernommen wird. Dies waren acht Prozent mehr als im Vorjahr, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag.

Per Deutschlandstipendium werden seit fünf Jahren Studierende mit Aussicht auf herausragende Leistungen gefördert. Der Anteil von 0,9 Prozent (2014: 0,84) an der Gesamtzahl des vorigen Wintersemesters (rund 2,8 Millionen Studenten) ist noch weit entfernt von den acht Prozent, die laut Bundesamt gesetzlich als Höchstgrenze vorgesehen sind. Deswegen kam auch am Montag wieder scharfe Kritik von den oppositionellen Linken im Bundestag, aber auch aus der SPD.

Die Hochschulen warben laut Statistik im vorigen Jahr 25,3 Millionen Euro von etwa 7000 Geldgebern - Unternehmen, Vereine oder Privatpersonen - ein, sechs Prozent mehr als 2014. „Fünf Jahre nach der Aufnahme der ersten Stipendiaten im Sommersemester 2011 haben die Hochschulen erfolgreiche Strukturen für die Akquise und Stipendienvergabe aufgebaut, das Deutschlandstipendium hat sich in der Begabtenförderung etabliert”, so die positive Sichtweise des Bundesforschungsministeriums.

Insgesamt hätten die Hochschulen von 2011 bis 2015 knapp 87 Millionen Euro private Mittel für das Stipendium mobilisiert. „Eine neue Stipendienkultur ist entstanden”, sagte Ministerin Johanna Wanka (CDU). Die Hochschulen berücksichtigten bei der Stipendienvergabe neben hervorragenden Noten auch ehrenamtliches Engagement und die Überwindung von Hürden im Lebenslauf.

Der SPD-Bildungspolitiker Swen Schulz kritisierte, das Stipendium bleibe „ein Ladenhüter, und zwar ein teurer”. Denn: „Über 99 Prozent der Studierenden werden damit nicht erreicht.” In den schwarz-roten Koalitionsverhandlungen habe die SPD der Union „abgerungen, das unrealistische Ziel von acht Prozent der Studierenden, die ein Deutschlandstipendium erhalten sollten, auf zwei Prozent zu reduzieren. Weniger war mit der Union nicht machbar. Aber selbst von diesen zwei Prozent ist das Bundesbildungsministerium meilenweit entfernt.”

Die Linke-Abgeordnete Nicole Gohlke sagte: „Es ist wirklich nicht zu verstehen, mit welcher Sturheit die Bundesregierung an dem offensichtlich gescheiterten Projekt Deutschlandstipendium festhält.” Während das Bafög seit Jahren unterfinanziert sei, würden Millionen Euro für diese Begabtenförderung „verschwendet”.

(dpa)