Shanghai: Deutschland und China „gemeinsam” auf der Expo

Shanghai: Deutschland und China „gemeinsam” auf der Expo

„Wir sind ein Ereignis mit vier Wänden und einem Dach”, sagt Michael Kahn-Ackermann. „Es war gar nicht so einfach, auf die Expo zu kommen”, berichtet der Leiter des Goethe-Instituts in Peking und Projektleiter von „Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung”.

Die seit drei Jahren laufende Kampagne zu urbanen Herausforderungen ist die bislang größte deutsche Veranstaltungsserie im Ausland. In fünf chinesischen Städten kamen bisher 1,3 Millionen Besucher. Als Teilnehmer an der Weltausstellung 2010 in Shanghai ist „DuC”, wie das Projekt kurz genannt wird, weder Staat noch Region oder internationale Organisation. „Es gab deswegen sehr zähe Gespräche”, erzählt Kahn-Ackermann und zeigt sogar Verständnis: „An Olympia kann ja auch nicht jeder teilnehmen.”

Am Ende überzeugten aber wohl die Schirmherrschaft von Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao und Bundespräsident Horst Köhler sowie die „enormen Sympathien”, auf die das „einzigartige” deutsch- chinesische Kooperationsprogramm vorher in Nanjing, Chongqing, Kanton, Shenyang und Wuhan gestoßen ist. Auch passen die Inhalte wie nachhaltige Stadtentwicklung und modernes Großstadtleben perfekt zum Thema der Shanghaier Expo: „Better City, Better Life - eine bessere Stadt, ein besseres Leben.” Erst im November bekamen sie grünes Licht, einen eigenen Pavillon im europäischen Expo-Viertel auf der Ostseite des Huangpu-Flusses bauen zu dürfen. Ein sehr ambitionierter Zeitplan, da die mit erwarteten 70 Millionen Besuchern größte Expo aller Zeiten am 1. Mai ihre Tore öffnet.

Das zweistöckige „Deutsch-Chinesische Haus” besteht aus Julong Bambus. Acht Meter lange Stämme dieser speziellen Riesenbambus-Art aus Südchina bilden die Träger der Außenwand. Den umweltfreundlichen und traditionell bewährten chinesischen Baustoff verknüpft der deutsche Künstler Markus Heinsdorff mit modernen Technologien. Da der 330 Quadratmeter große Bau auf zwei Etagen nur provisorisch sein darf, kann er komplett wieder zerlegt und woanders aufgebaut werden. „Das wird ein ziemlicher Hin-Gucker”, glaubt Kahn-Ackermann. „Das kleinste Gebäude mit dem kürzesten Auftritt.” Denn nach nur zwei Monaten soll es wieder abgebaut werden. So wollten es die Veranstalter, doch scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Im Haus heißt es „Lets Jump” - lasst uns springen. In dem interaktiven Spiel können Besucher mit ihrem Schatten durch Gesten und Bewegungen auf einer Leinwand ein Stadtviertel konstruieren. „Es soll die Herausforderungen von Urbanisierungsprozessen verdeutlichen”, so die Erfinder von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Mit der Kunstakademie Peking haben sie die chinesische Tradition des Schattenspiels mit moderner Computertechnologie verknüpft.

Die einzelnen Stadtviertel, die zu einer großen Stadt zusammenwachsen, können die Besucher später daheim aus dem Internet herunterladen. Eine Ausstellung stellt zusätzlich bewährte Lösungen für nachhaltige Stadtplanung, Architektur, Energieversorgung, Wasser, Mobilität und Gesundheit vor.

Fünf Millionen kostet dieser gesonderte Expo-Auftritt zum Abschluss der seit 2007 laufenden deutsch-chinesischen Veranstaltungsserie. Das Bambus-Haus liegt nur fünf Gehminuten entfernt vom großen, eigentlichen deutschen Pavillon „Balancity”, der eine Stadt im Gleichgewicht thematisiert. „Wir konkurrieren nicht, wir kooperieren”, sagt Kahn-Ackermann. „Uns geht es nicht um nationale Präsentation, sondern darum, deutlich zu machen, dass wir Zusammenarbeit lernen müssen.”