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Aachen: Der Hochschulsport setzt auf Wachstum

Aachen : Der Hochschulsport setzt auf Wachstum

Generationen von sporttreibenden Studenten kennen das Klagelied über die Platznot im Hochschulsportzentrum (HSZ) am Königshügel. Insbesondere in der Sporthalle kann der Ansturm der Studierenden seit Jahrzehnten nicht bewältigt werden - doch jetzt zeichnet sich eine Lösung ab.

Erste Vorpläne für eine deutliche Erweiterung der Halle sind erstellt. „Die Entscheidung muss in diesem Jahr fallen”, sagt Nico Sperle, Leiter des HSZ.

Wie groß der Druck ist, lässt sich nicht nur an dem Provisorium auf dem Sportareal erkennen: In einem Zelt treffen sich derzeit wöchentlich gut 800 junge Leute bei Tanz-, Kampfsport- und Fitnesskursen, weil das Hallenangebot der Hochschule vorne und hinten nicht ausreicht.

Eine Studie des Centrums für Hochschul-Entwicklung habe ergeben, dass 33 Prozent der Studenten in Aachen dem Sportangebot fern bleiben, weil die Kurse zu voll sind, 13 Prozent sind erst gar nicht untergekommen, weil die Kurse ausgebucht waren.

„Unser Ziel ist es, 40 Prozent aller Studenten zu erreichen”, sagt Sperles enger Mitarbeiter Peter Lynen. Derzeit könnten aber nur 20 Prozent erreicht werden. „Das Limit liegt in den Sportanlagen.”

„Skandalöser Zustand”

Sie sind nicht nur viel zu knapp bemessen, sondern teils auch hoffnungslos überaltert und runtergekommen. Wegen Schimmelbefall mussten beispielsweise Halle und Lehrschwimmbecken in der Ahornstraße geschlossen werden. Von einem „skandalösen Zustand” spricht Sperle. Die Sanierung werde verschleppt, was dazu geführt hat, dass Kurse abgesagt werden mussten.

Da ist es gut, dass an anderer Stelle Verbesserungen abzusehen sind, beispielsweise am Kraftsportraum „RWTH Gym”, dessen Erweiterung beschlossene Sache ist. Wegen der rasant steigenden Nutzerzahlen soll die Trainingsfläche mehr als verdoppelt werden.

1,8 Millionen Euro sind für den An- und Umbau eingeplant, der Ende Oktober beginnen und ein Jahr später abgeschlossen sein soll. 1000 Quadratmeter Trainingsfläche stehen den Studenten und Hochschulmitarbeitern dann zur Verfügung. Bei gleichbleibend steigender Nachfrage sei aber auch das bereits in zwei bis drei Jahren wieder zu klein, meint Sperle.

Beinahe schon rund um die Uhr bietet das HSZ seine rund 500 Kurse in 70 verschiedenen Sportarten an. Rund 12.000 Teilnehmer werden pro Woche gezählt, die dem HSZ dafür erst jüngst die Note 1,8 gegeben haben. Damit liege Aachen in der Gunst der Studierenden im vorderen Drittel, sagt Lynen.

Auf guten Noten aber könne man sich nicht ausruhen, denn das Sportangebot einer Exzellenzhochschule müsse sich auch international messen. Im Vergleich mit anderen „Qualitätshochschulen” falle das Angebot durch.

Während es andernorts Kapazitäten für mindestens die Hälfte aller Studierenden gebe, könne in Aachen nur jeder fünfte Student bedient werden, rechnet Lynen vor.

Vor allem mit Blick auf die geplanten Erweiterungen Campus Melaten und West verbinden Sperle und Lynen die Hoffnung, zusätzliche Hallen zu kriegen. „Wir wollen mitwachsen.” So könnte das HSZ auch ansiedlungswilligen Firmen Betriebssportangebote unterbreiten. „Um das Gelände zu beleben, muss auch Sport mit rein”, sagt Sperle.

Sport sei schließlich nicht nur gesund, sondern habe auch eine „sozial-kommunikative Bedeutung”, unterstreicht Lynen. Unbedingt müssten daher neue multifunktionale Hallen mit Duschen und Umkleideräumen auf dem künftigen Campus mitgeplant werden.

„Der Bedarf ist riesig”, so Sperle. Am Königshügel alleine könne er nicht länger abgedeckt werden - auch nicht nach der geplanten Erweiterung der vorhandenen Halle. Die Anbaukosten werden auf 2,5 bis 3,5 Millionen Euro geschätzt.

Ab dem Wintersemester ist der Sport auch ein Teil der Ausbildung

Das Sportangebot des Hochschulsportzentrums (HSZ) ist nicht länger nur ein Anhängsel im Hochschulbetrieb, sondern ab dem Wintersemester auch Bestandteil des Studiums. So bietet das HSZ künftig Module für die Bachelorstudiengänge der Fachhochschule an, mit denen die Studierenden die geforderten „überfachlichen Kompetenzen” nachweisen können.

In den Bereichen Public Relation, Eventkoordination und Studio-Management können die Studenten praxisnahe Zusatzqualifikationen erwerben. Der Hochschulsport werde damit „lehrrelevant”, sagt HSZ-Chef Nico Sperle. „Wir gehen davon aus, dass uns die Studenten die Bude einrennen.”

Verstärkt engagieren will sich das HSZ zugleich im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention. Vor allem „sportabstinenten” Hochschulangehörigen sollen in einem Modellprojekt spezielle Bewegungs- und Ernährungsangebote gemacht werden.

Das Projekt beginnt im Wintersemester und ist zunächst bis März 2011 befristet. Ob Verhaltensänderungen erreicht werden, soll wissenschaftlich untersucht werden. Das HSZ in Aachen kooperiert mit den Unis Potsdam, Paderborn und Wuppertal.