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Bonn: Bücher, Zimmer, Studienplatz - Studenten tauschen per Internet

Bonn : Bücher, Zimmer, Studienplatz - Studenten tauschen per Internet

Studenten sind meistens mobil, aber knapp bei Kasse. Darum wird im Internet inzwischen getauscht, was das Zeug hält: Studienplatz oder Zimmer, Bücher, CDs oder Dienstleistungen - es gibt praktisch nichts aus dem studentischen Leben, das nicht in eine der zahlreichen Tauschbörsen passt.

Der Tausch ist dabei in der Regel ein echter Tausch - Geld fließt nicht, stattdessen werden Gegenleistungen geboten.

Bei einigen der Börsen wird geringes Entgelt fällig, aber „eher eine Art Bearbeitungsgebühr als wirkliche Kosten”, wie Manfred Behr, Projektleiter bei der Börse studienplatztausch.de in Bonn sagt. Sie hat schon so manchem Studenten aus einem Dilemma geholfen. „Die wenigsten Studierenden wollen aus persönlichen Gründen ihren Studienort wechseln”, sagt Behr. Vielmehr gehe es um bestimmte Lehrstühle oder Schwerpunkte, die es nur an anderen Hochschulen als der eigenen gibt.

In einer Datenbank sind die Merkmale der Tauschwilligen hinterlegt - „Zahnmediziner bietet Köln und sucht München” findet sich dort genauso wie „Amerikanist sucht Bonn und bietet Hamburg”. Die Studierenden surfen auf die Seite und finden unter Umständen sofort ein passendes Angebot. „Wenn niemand da ist, sollte man sich anmelden”, sagt Behr. Dann werde so lange gesucht, bis ein direkter oder ein so genannter Ringtausch zustande kommt.

Die Vermittlung könne manchmal lange dauern oder sehr schnell gehen - „das kommt auf Ort, Studienphase und Fach an”, sagt Behr. „Es gibt Zeiten, in denen tauscht es sich reibungsloser”, sagt er - nach dem Vordiplom etwa. Besonders beliebte Tauschfächer sind die früheren ZVS-Fächer. Dazu gehören alle drei Varianten der Medizin, Pharmazie, Psychologie, Betriebswirtschaft und Jura. Seit der Umstrukturierung der Studienplatzvergabe seien vor allem die Erstsemesterbewerbungen stark rückläufig. „Aber die haben noch nie einen wirklich großen Anteil ausgemacht.”

Tauschwillige müssen einen Obolus von 5,10 Euro entrichten - der überwiegende Teil des Geldes, mit dem sich die Seite finanziert, kommt von den Hochschulen. „Die ASten der Hochschulen finanzieren den gemeinnützigen Verein, der hinter dem Projekt steht.” Seit knapp zehn Jahren hilft „studienplatztausch.de” den Wechselwilligen zu einem neuen Studienplatz - inzwischen gibt es bis zu 10.000 Bewerbungen pro Jahr und etwa zehn bis zwölf Vermittlungen jeden Tag.

Auch andere Webseiten sind Foren für alle, die mit ihrem Studienort nicht glücklich sind. Dazu gehören „www.studis-online.de”, „www.allstudents.de” oder „www.uni24.de”. Auf der Seite „unitausch.de” werden neben Studienplätzen auch WG- oder Wohnheimzimmer angeboten - ein Service, der nach Behrs Worten der Seite „studienplatztausch.de” untersagt wurde.

Zu den ältesten und meist besuchten Webseiten, wenn es um das Thema Wohnen geht, gehört die Seite „wg-gesucht.de” aus Stuttgart. Rund 1,8 Millionen Besucher zählt die Seite pro Monat, sagt Lysander Mende, einer der Geschäftsführer. Kommerzielle Angebote, etwa von Maklern, gibt es auf der Seite nicht - dafür neben WG-Zimmern auch Mietwohnungen oder Häuser. „Studenten bieten an, Praktikanten oder Auszubildende - und alle, für die die Wohngemeinschaft eine Lebensform ist.” Getauscht wird auf den Seiten nur indirekt - wenn sich zwei finden, die etwa ihren Studienort tauschen und die WG gleich dazu. Auch andere Webseiten bieten WG-Zimmer an, darunter „deutschland-wg.de” oder „wg-klick.de”.

Ebenfalls ein beliebter Tauschgegenstand sind Bücher - Fachliteratur ist teuer. Das Deutsche Studentenwerk hat ausgerechnet, dass Studierende durchschnittlich knapp 40 Euro im Monat für Lehrmittel ausgeben - und nicht jeder bekommt Büchergeld vom Amt oder ein Stipendium. Wer sich nicht über die Schwarzen Bretter an den Hochschulen mit Literatur versorgen kann oder will, hat beim größten Verzeichnis gebrauchter Bücher, dem Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB), gute Chancen. Dort greifen die Suchen auf mehrere Tausend Antiquariate im In- und Ausland zu.

Neben Verkaufsstellen wie eBay und Amazon bieten sich spezialisierte Tauschbörsen wie „buchticket.de”, „booklooker.de” oder die Metasuchmaschine „eurobuch.de” an. Eine echte und reine Tauschbörse ist „tauschticket.de”. Dort gibt es virtuelle Bücherregale der einzelnen Nutzer, auf denen Angebot und Nachfrage geregelt werden. Bezahlt wird nicht mit Bargeld oder Karte, sondern mit Tauschtickets. Echte Kosten fallen nur für den Versand von Büchern an.

Wer Dienstleistungen oder Krimskrams tauschen will, hat allein im deutschen Netz die Wahl zwischen mehr als 300 Webseiten. In Tauschringen etwa werden Dienstleistungen oder Hilfe angeboten und in Anspruch genommen - das passiert seltener im direkten Kontakt, sondern eher im Gesamtangebot. Bezahlt wird mit eigenen Leistungen, die in Form von Zeiteinheiten einem Konto gutgeschrieben werden.